Angeschwemmtes Plastik Abgelegene Südseeinsel wird zur Müllkippe

Keine größeren menschlichen Siedlungen und keine Industrie im Umkreis von 5000 Kilometern - dennoch entdeckten Forscher auf einer abgelegenen Südseeinsel gigantische Mengen Plastikmüll - 38 Millionen Teile.

J. Lavers/ DPA

Kein Mensch weit und breit, aber dennoch die größte Plastikmüll-Dichte weltweit: Fast 38 Millionen Plastikteile mit einem Gewicht von 17,6 Tonnen vermüllen derzeit die unbewohnte Pazifikinsel Henderson Island - und jeden Tag kommen pro Quadratmeter 27 weitere Teile hinzu.

Das zeige, wie selbst entlegene Inseln zu einer Sammelstätte für den weltweit wachsenden Plastikmüll werden, schreiben Wissenschaftler in "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Sie hatten das Plastik auf den Stränden der Insel gefunden, das meiste war im Sand vergraben. Das zu den Pitcairninseln zählende Henderson Island liegt im Südpazifik und zählt zum Unesco-Welterbe - wegen der außergewöhnlichen Schönheit und Unberührtheit.

Höchste Plastikmülldichte

Tatsächlich sieht die Insel aus wie aus dem Bilderbuch - weiße Sandstrände, Kokosnuss-Palmen und verlassene Natur, soweit das Auge reicht.

Dass die Insel beim genaueren Hinsehen alles andere als unberührt ist, zeigt die Untersuchung von Jennifer Lavers von der University of Tasmania und Alexander Bond von der britischen Royal Society for the Protection of Birds auf drastische Weise.

Die Wissenschaftler hatten zwischen Mai und August 2015 an mehreren Abschnitten verschiedener Strände die Plastikteile auf dem Sand und bis in zehn Zentimeter Tiefe gezählt.

Das Ergebnis: Nirgends sonst auf der Welt wurde bisher eine größere Plastikmüll-Dichte festgestellt als auf Henderson Island. Die Forscher fanden Fischereizubehör wie Leinen, Netze und Bojen, aber auch Lutscherstiele, Zahnbürsten, Strohhalme und Besteck.

Im Müllstrudel

Bis zu 670 Plastikteile lagen auf einem Quadratmeter Strand. Der Großteil des Mülls aber blieb zunächst verborgen: 68 Prozent des Plastiks fanden die Forscher in den ersten zehn Zentimetern unter der Sandoberfläche. Dort spürten sie bis zu fast 4500 Teile pro Quadratmeter auf - die meisten von ihnen kleiner als fünf Millimeter.

Die Zahlen seien alarmierend, spiegelten aber trotzdem nicht das ganze Ausmaß des Problems wider, schreiben die Forscher. Plastikteile, die mehr als zehn Zentimeter tief lagen, gingen in die Zählung ebenso wenig ein wie Mikroplastik unter zwei Millimetern Größe. Auch entlang der Kliffs und felsigen Strandabschnitte hätten sie nicht gezählt.

Henderson Island liegt am westlichen Rand des Südpazifik-Wirbels, einem der bekannten Müllstrudel der Weltmeere, in denen sich Plastikteile ansammeln. Bei einigen Teilen konnten die Forscher die Herkunft feststellen. Viele stammten demnach aus Asien und Südamerika.

Plastikflasche hält 450 Jahre

Obwohl die schädlichen Auswirkungen der Vermüllung auf die marinen Ökosysteme bekannt seien, wisse man bislang nur wenig über die Menge und den Verbleib von Plastik, das ins Meer gelange. Es gebe außer entlegenen Inseln wie Henderson Island vermutlich noch viele weitere Gebiete, in denen sich Plastik sammele.

Eine Entschärfung des Problems sehen die Forscher in naher Zukunft nicht: Die geschätzten 17,6 Tonnen Plastikmüll auf Henderson Island entsprächen rechnerisch gerade einmal der Menge Plastik, die weltweit in zwei Sekunden produziert würde.

Schätzungen zufolge landen jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Kunststoff in den Ozeanen. Hauptproblem ist die große Haltbarkeit: Es dauere zehn bis 20 Jahre, bis eine Plastiktüte weitgehend abgebaut sei, heißt es beim Umweltbundesamt. Bei einer Plastikflasche gehen Fachleute von 450 Jahren aus.

Testen Sie Ihr Wissen!

Anja Garms, dpa/boj

insgesamt 90 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Pixopax 16.05.2017
1. Das fängt daheim an
Auch bei uns werfen die Menschen alles, was sie nicht mehr brauchen, aus dem Autofenster. Die Straßen sind voller Müll, überall liegen McD-Tüten, Becher, Flaschen. Sogar bei und in einem Moor, wo nicht viele durch gehen, liegt alles voll. neulich auf 4 km Weg habe ich 10 Kg Müll eingesammelt, in einen menschenleeren Gegend. Leute, werft den Müll doch bitte in die Tonne, und nicht aus dem Fenster!
touri 16.05.2017
2.
Zitat von PixopaxAuch bei uns werfen die Menschen alles, was sie nicht mehr brauchen, aus dem Autofenster. Die Straßen sind voller Müll, überall liegen McD-Tüten, Becher, Flaschen. Sogar bei und in einem Moor, wo nicht viele durch gehen, liegt alles voll. neulich auf 4 km Weg habe ich 10 Kg Müll eingesammelt, in einen menschenleeren Gegend. Leute, werft den Müll doch bitte in die Tonne, und nicht aus dem Fenster!
Sehe ich genauso. Ich persönlich nehme meinen Müll immer mit, wenn ich keinen Mülleimer finde, selbst das Bonbonpapier.
schgucke 16.05.2017
3. hab mir mal die Bilder durchgeklickt
das ist ja echt ein Wahnsinn. mich würde auch noch interessieren, aus welchen Epochen das Plastik stammt, das auf der Insel gefunden wurde. wir bergen aus 'ewigem' Eis Mammuts. in ein paar tausend Jahren bergen sie Sixpack-Ringe und Milchkanister.
thlogical 16.05.2017
4. Das Problem ist bekannt
aber niemanden juckt es. Allen wird suggeriert das doch die Pet Flasche das non plus ultra ist. Glas ist out. Alles ist eingepackt und eingeschweißt. Warum braucht eine Gurke eine Kunstoffhülle wenn sie doch ihre eigene Schale hat. Solange die Gesetze es ermöglichen solche Mengen an Kunststoffen zu produzieren so lange wird es das Problem geben.
jozu2 16.05.2017
5. Wirtschaftliche Interessen und Bevölkerungswachstum gehen vor
Vor allem in den ärmeren Ländern spielt Umweltschutz keine Rolle. Die wollen aus der Armut und da interessiert es nicht, wo der Müll landet. Aus demselben Grund und dem Aberglauben, Kinderreichtum sei ein Segen, treiben die das exponentielle Wachstum der Erdbevölkerung voran. Die Erdbevölkerung muss so weit "gesund" schrumpfen, dass der Mensch nicht mehr von der Erde entnimmt, als sie gibt/hat. In der Sahelzone können ein paar Karawanen leben, aber eben keine Millionen oder gar Milliarden von Menschen. Und auch Europa ist überbevölkert. Jeder Staat muss sich gesundschrumpfen und darf dann auch keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, weil sonst das Bevölkerungswachstum in anderen Erdteilen beschleunigt wird. Wann kapiert die doofe Menschheit endlich, dass "je mehr umso besser" für sie nicht stimmt?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.