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Hierarchie in Affengruppen: Chefposten bringt Stress für Pavianmännchen

In Paviangruppen genießen die ranghöchsten Männchen besondere Privilegien, die ihnen von Rivalen gern streitig gemacht werden. Die schöne Zeit als Oberhaupt ist jedoch nicht nur deshalb meist kurz. Die Belastung durch den Chefposten kann auch gesundheitsschädlich sein.

Pavian: Der oberste Rang kann die Männchen krank machen. Zur Großansicht
dapd/ Catherine Markham

Pavian: Der oberste Rang kann die Männchen krank machen.

Washington - Chef werden ist nicht schwer, Chef bleiben dagegen sehr. Oberste Pavian-Männchen haben es auf den ersten Blick gut, denn sie dürfen als Alpha-Tiere zuerst fressen, sich als erste paaren und sind kerngesund. Ausruhen können sie sich auf ihrer Position allerdings nicht.

Sie müssen stets aufmerksam sein, ihre Weibchen bewachen und mit rangniederen Männchen kämpfen, um ihre Position zu halten. Das kostet viel Energie und bedeutet Stress. Bislang waren Biologen der Ansicht, dass sich diese Energie und der Stress nicht nachteilig auf die Gesundheit der Tiere auswirkt, da sie ja auch genug Vorteile haben. Kosten und Nutzen sind laut Forscher also ausgeglichen.

Wissenschaftler der Princeton-University haben jetzt in einer Studie mit über 100 wildlebenden Pavianen in Kenia jedoch herausgefunden, dass Alpha-Männchen deutlich mehr Stresshormone im Blut haben als bislang vermutet. Laurence Gesquiere und seine Kollegen konnten nachweisen, dass die Oberhäupter sogar genauso gestresst sind, wie die rangniedrigsten Männchen in der Gruppe. Erster in einer sozialen Hierarchie zu sein, könnte demnach wesentlich nervenaufreibender sein, als nur als Zweiter im Ring zu stehen.

Die rangniederen Männchen sind gestresst, weil sie sich stets um Futter bemühen müssen. Die Alpha-Männchen stehen laut Gesquiere und seinem Team wahrscheinlich ständig unter Druck, weil sie ihre Spitzenposition halten müssen. Die Stressbelastung der ranghöchsten Tiere könnte auch erklären, warum sie nur kurz an der Spitze der Gruppe stehen, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" .

Eine hohe Konzentration an Stresshormonen schwächt das Immunsystem. Das macht die Paviane anfälliger für Krankheiten. In bisherigen Untersuchungen bei Alpha-Männchen von Amboseli-Pavianen konnte beispielsweise ein höherer Parasitenbefall beobachtet werden.

Hoher Rang, hohe Hormonkonzentration

Für ihre Studie hatten Gesquiere und seine Kollegen neun Jahre lang die Konzentrationen des Stresshormons Glucocorticoid und des Geschlechtshormons Testosteron in Kotproben von 125 erwachsenen männlichen Pavianen untersucht. Die Affen lebten auf fünf Gruppen verteilt im kenianischen Amboseli-Gebiet.

Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher dann das Erstaunliche fest: Die Proben der Alpha-Männchen enthielten deutlich mehr Stresshormone als die unmittelbar unter ihnen stehenden Beta-Männchen. Und zwar in ähnlich hoher Konzentration wie bei den rangniedrigsten Tieren. Die Alpha-Männchen waren demzufolge genauso gestresst wie die untersten Männchen.

"Paviane sind nicht nur genetisch eng mit dem Menschen verwandt, wie der Mensch leben sie auch in komplexen Gemeinschaften", sagt Gesquiere. Nun kann man vom Affen nicht direkt auf den Menschen schließen. Diese Ergebnisse deuten nach Ansicht der Biologen jedoch darauf hin, dass die Chef-Position in tierischen und wahrscheinlich auch menschlichen Gesellschaften typische Kosten und Vorteile mit sich bringt, die weiter erforscht werden müssen.

Auch beim Menschen ist laut Forscher bekannt, dass der soziale Status mit einigen Aspekten des Gesundheitszustands verknüpft ist. Die Paviane seien daher gute Modelle, um die ideale Rangposition in einer komplexen Gesellschaft zu identifizieren. Wie genau das Kosten-Nutzen-Gleichgewicht dabei nun wirklich funktioniert, wollen die Forscher in weiteren Untersuchungen herausfinden.

nih/dpa/dapd

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