Higgs-Boson Exot im Teilchenzoo

Unter den Elementarteilchen fehlte bisher ein entscheidendes Exemplar: das Higgs-Boson. Das Partikel gilt als Beweis für die Existenz des Higgs-Feldes, das aller Materie Masse verleiht. Der Effekt ähnelt einer Party.

Baukasten der Schöpfung: Das Higgs-Boson und seine Verwandschaft
DER SPIEGEL

Baukasten der Schöpfung: Das Higgs-Boson und seine Verwandschaft


Berlin - Das Higgs-Teilchen ist das letzte fehlende Puzzleteil des Standardmodells der Teilchenphysik - sein endgültiger Nachweis wäre das Ende einer jahrzehntelangen Suche: Higgs-Bosonen, theoretisch bereits Mitte der sechziger Jahre vorhergesagt, sind Anregungen des sogenannten Higgs-Feldes. Das Higgs-Feld verleiht Teilchen ihre Masse.

Der Nachweis des Higgs wäre zugleich der Beweis für das unsichtbare Feld. Es soll, so die Theorie, das gesamte Universum durchdringen - und so dafür sorgen, dass alle Objekte eine Masse haben. Beinahe jedenfalls, denn zum Beispiel Photonen kann es nichts anhaben, sie sind masselos.

Was hinter dem Higgs-Mechanismus steckt, hat der Physiker David Miller einmal mit seinem Cocktailparty-Gleichnis veranschaulicht. Die Teilnehmer einer politischen Feier sind gleichmäßig im Raum verteilt. Plötzlich kommt die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher herein. Sie läuft durch die Menge - und sofort bildet sich eine Menschentraube um sie.

Wer sich - etwas zeitgemäßer - lieber George Clooney beim Einkaufsbummel, begleitet von einer Gruppe Fotografen vorstellen möchte, kann natürlich auch das tun. Aber bleiben wir einmal der Einfachheit halber bei Frau Thatcher. Sie kann den Raum nicht einfach so durchqueren wie ein Photon, denn Thatcher hat eine große Masse.

Wie Getuschel

Wenn sie weiterläuft, treten Partyteilnehmer, denen sie sich nähert, auf sie zu. Andere, von denen sie sich entfernt, wenden sich von ihr ab und ihren ursprünglichen Gesprächspartnern wieder zu. Der Higgs-Mechanismus ist nichts anderes als ein Hintergrundfeld, das erfunden wird, um Teilchen Masse zu verleihen. Bewegen sich die Teilchen durch das Feld, wird das Feld um sie herum verzerrt.

Bezogen auf das Cocktailparty-Gleichnis stellt sich die Frage: Warum wenden sich eigentlich Menschen der Ex-Premierministerin zu? Weil sie von ihrem Nebenmann gesagt bekommen: "Guck mal, wer da gekommen ist." Es ist das Getuschel, das die Zusammenballung auslöst. Es verleiht Margaret Thatcher Masse.

So gesehen ist das Getuschel im Raum nichts anderes als das gesuchte Higgs-Boson. Es wandert durch den Raum - als Zusammenballung von Menschen, und mittendrin ist die Premierministerin.

Das Higgs-Teilchen hat nach dem sogenannten Standardmodell der Teilchenphysik keine elektrische Ladung. Seine Masse soll bei etwa 125 GeV (Giga-Elektronenvolt) liegen - ein Teilchen mit dieser Masse haben die Forscher am Cern nun aufgespürt.

chs/hda/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
metafa 04.07.2012
1.
Sehr spannend. Ein toller Tag für die Wissenschaft. Die Wissenschaft wird beweisen, dass kein Gott, zumindest kein Gott wie sich die heutigen Religionen ihn vorstellen, existieren muss um dieses Universum zu dem Ort zu machen, der er ist. Ein wunderschöner Tag in einem wunderschönen Universum und der Beginn einer neuen Ära. Weiter so!
_NikE_ 04.07.2012
2. Gott oder Nicht-Gott
Das ist lächerlich: Die Wissenschaft kann weder beweisen, dass es keinen Gott gibt, noch, dass es einen Gott gibt.
metafa 04.07.2012
3. Wer lesen kann ist klar im Vorteil
ich habe nicht behauptet, dass die Wissenschaft dioe (nicht-)Existenz von Gott beweisen kann. Lediglich, dass sie beweisen wird, dass Gott, so wie sich ihn die heutigen Religionen vorstellen, nicht existieren muss, um dieses Universum zu dem Ort zu machen, der er ist. Lustig, dass sie versuchen meinen Beitrag als Blödsinn zu bezeichnen indem sie Argumente widerlegen, die ich nicht aufgeschrieben habe. Taktik?
Dummgesicht 04.07.2012
4. Wesentliche Fragen
Die Wissenschaft kann die Frage nach dem WIE beantworten, niemals aber die Frage nach dem Sinn. Alle wesentlichen Fragen des Lebens, nach Gott, nach der Seele, nach einem Leben nach dem Tode sind von der Wissenschaft nicht antastbar und bleiben persönliche Glaubensfragen.
metafa 04.07.2012
5.
Natürlich sind die Fragen antastbar. Und sie werden angetastet. Was sie im Nachhinein glauben ist (zumindest in unseren Breitengraden) komplett ihre Angelegenheit, da haben sie recht. Leben wir nicht in einer tollen Zeit? :)
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