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Hilfsbereitschaft: Schimpansen begreifen Wünsche von Artgenossen

Sie können uneigennützig handeln und sich in die Lage eines Artgenossen hineinversetzen: In einem Experiment zeigten sich Schimpansen ausgesprochen hilfsbereit. Ein Affe spähte sogar extra durch ein Guckloch - und wusste so genau, was sein Gegenüber wollte.

Gestikulierender Schimpanse: Menschenaffen zeigen sich hilfsbereit Zur Großansicht
REUTERS/ Frans de Waal/ Emory UC/ Yerkes NPRC

Gestikulierender Schimpanse: Menschenaffen zeigen sich hilfsbereit

Schimpansen sind in der Lage, die Wünsche ihrer Artgenossen zu verstehen - und unterstützen sie dabei, diese zu erfüllen. Allerdings helfen sie meist nur, wenn sie direkt dazu aufgefordert werden, zeigte sich in einem Experiment am Primatenforschungsinstitut der Kyoto Universität in Japan. Ihre Untersuchung belege ein weiteres Mal, dass Selbstlosigkeit und Einfühlungsvermögen nicht nur beim Menschen zu finden sind, schreiben Shinya Yamamoto und Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Forscher hatten zwei Schimpansen in zwei Räume gesetzt, die mit einer Scheibe voneinander getrennt waren. Einer der beiden Affen musste eine Aufgabe lösen, um einen Schluck Saft zu bekommen. Dazu benötigte er ein Werkzeug, das aber für ihn unerreichbar im Raum des anderen Affen lag. In einigen Fällen war es ein Stock, in anderen ein Strohhalm. Die beiden Werkzeuge lagen mit fünf anderen Gegenständen im Raum des potentiellen Helfers; dieser hatte zudem einen Schlauch, eine Kette, ein Seil, eine Bürste und einen Gürtel in Reichweite.

Forderte der Schimpanse seinen Artgenossen durch Ausstrecken seines Armes auf, ihm zu helfen, reichte dieser durch ein Loch bereitwillig etwas hinüber. Im ersten Versuch zeigte sich, dass der Helfer aus allen verfügbaren Dingen deutlich häufiger eins der beiden benötigten Werkzeuge auswählte als einen anderen Gegenstand.

Ein Schimpanse spähte durchs Guckloch

Außerdem reichten vier der fünf getesteten Schimpansen deutlich häufiger das richtige der beiden Werkzeuge hinüber. Brauchte ihr Artgenosse einen Stock, um an den Saft zu kommen, gaben sie ihm auch einen. Die Schimpansen hatten demnach erkannt, was der andere Affe benötigte - und halfen ihm selbstlos, ohne selbst Vorteile zu haben, folgern die Forscher.

In einem weiteren Versuch trennten die Wissenschaftler die beiden Affen mit einer undurchsichtigen Scheibe. Die Helfer-Affen konnten nun nicht mehr sehen, welches Werkzeug ihr Partner gerade benötigte - es sei denn, sie spähten durch ein kleines Guckloch in den anderen Raum. Die Affen erwiesen sich weiter als hilfsbereit, allerdings reichten sie häufig einen falschen Gegenstand hinüber. Einer der Affen machte sich allerdings die Mühe, aufzustehen und durch das Loch auszuspähen, welches Werkzeug gerade benötigt wurde.

Die Fähigkeit, die Wünsche des anderen zu erkennen und freiwillig zu helfen, stelle eine fortgeschrittene Denkleistung dar. Sie sei weder ein programmiertes Verhalten noch eine automatische Reizantwort, schreiben die Wissenschaftler.

wbr/dpa

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