Satellitenmessung: Himalaja-Gletscher sind leicht gewachsen

Überraschung auf dem Dach der Welt: Die Eisschilde des Karakorum-Gebirges im Himalaja haben von 2000 bis 2008 zugelegt. Die Dicke der Gletscher legte in dem Zeitraum um mehr als zehn Zentimeter zu. Weltweit gesehen geht der Eisverlust jedoch weiter.

Karakorum-Gebirge: Gletschereis hat von 2000 bis 2008 zugenommen Zur Großansicht
DPA

Karakorum-Gebirge: Gletschereis hat von 2000 bis 2008 zugenommen

Die Gletscher der Welt schrumpfen immer schneller - das ist die Botschaft vieler Klimaforscher. Doch es gibt Ausnahmen, und zwar nicht nur in der Antarktis, sondern auch im Himalaja. Soeben haben französische Geoforscher überraschende Daten zu den Eisschilden im Karakorum-Gebirge veröffentlicht. Demnach ist die Eismenge dort in den Jahren 2000 bis 2008 sogar leicht gewachsen. Der mittlere Anstieg liege bei 0,11 Millimetern pro Jahr, schreiben Julie Gardelle von der Universität Grenoble und ihre Kollegen im Fachblatt "Nature Geosciences".

Der Karakorum liegt nördlich der Hauptkette des Himalaja in den Ländern China, Pakistan und Indien. Zu dem Massiv gehört auch der K2, der mit 8611 Metern zweithöchste Gipfel der Erde. Offenbar sei die Situation im Karakorum etwas anders als in anderen Regionen der Erde, sagte Gardelle. Die Gletscher in dem Gebirgsmassiv seien stabil. Dies bedeute jedoch nicht, dass es keine globale Erwärmung gebe, betonte die Forscherin.

Ihr Team hatte 3-D-Karten ausgewertet, die eine Fläche von mehr als 5000 Quadratkilometern in der Region abdecken und auf Radarbeobachtungen aus dem Weltall basieren. Die ersten Messungen im Februar 2000 wurden von der US-Raumfähre "Endeavour" aus durchgeführt. Die Daten für 2008 lieferte der französische Satellit "SPOT5". Der Gletschervergleich fiel eindeutig aus: Die Eisdicke war in dem Zeitraum um mehr als zehn Zentimeter gestiegen.

Schon 2005 hatten Studien vor Ort ergeben, dass die Gletscher im Karakorum womöglich wachsen - nun sehen die Forscher den klaren Beweis dafür erbracht. Experten wie Graham Cogley von der Trent University in Kanada halten die neuen Messungen für präzise. Die Massebilanz der Gletscher im Himalaja bleibe aber insgesamt dennoch negativ, betonte er. Auch in anderen Weltregion schrumpfen die Eispanzer, manche - wie etwa in Chile - mit beeindruckendem Tempo.

Viele Eisschilde der Welt werden kleiner, doch sie tauen langsamer als man dachte, wie Glaziologen erst im Februar herausgefunden haben. An den Polen sind die Gletscher stabiler als in früheren Jahren, in den Hochgebirgen außerhalb der Antarktis und Grönlands schmelzen sie nur halb so schnell wie angenommen.

"Es ist unklar, warum die Karakorum-Gletscher vom globalen Trend abweichen", schreibt Glaziologe Cogley in einem Kommentar in "Nature Geosciences". Womöglich steckten ja bislang nicht genau verstandene Luftbewegungen dahinter.

hda

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das haben wir im Griff
tailspin 16.04.2012
Zitat von sysopDPAÜberraschung auf dem Dach der Welt: Die Eisschilde des Karakorum-Gebirges im Himalaja haben von 2000 bis 2008 zugelegt. Die Dicke der Gletscher legte in dem Zeitraum um mehr als zehn Zentimeter zu. Weltweit gesehen geht der Eisverlust jedoch weiter. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,827781,00.html
Ich arbeite fuer eine Firma, die ihre technologischen Wurzeln in der Erfindung und Herstellung von Eismaschinen hat. Ich kann verbindlich versichern, solange es noch etwas zu verbrennen gibt, um Srom zu erzeugen, wird es keine Knappheit von Eis auf diesem Planeten geben.
2.
georgius1 16.04.2012
Die balance von Zuwachs und Schwund ist also ausgeglichen. Nun das freut doch und weist exact darauf hin, dass sich Mutter Natur nicht einfach so eben am PC modellieren laesst. Gruss, George
3. Was daran so erfreulich sein soll, ist mir rätselhaft.
alex300 16.04.2012
Zitat von georgius1Die balance von Zuwachs und Schwund ist also ausgeglichen. Nun das freut doch und weist exact darauf hin, dass sich Mutter Natur nicht einfach so eben am PC modellieren laesst. Gruss, George
Ich habe mich schon auf ein mediterranes Klima in Deutschland eingestellt, und jetzt sagen mir diese Forscher, dass uns doch die nächste Eiszeit blüht. :-(.
4.
alfredjosef 16.04.2012
Bin gerade bem Guardian gewesen. Gute Lektüre. Demzufolge schmezen jährlich 165 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Eis in der Antarktis, und 222 Gt in Grönland. Beim derzeitigen Eisvolumen der Antarktis von 26 mio Kubikkilometern (Quelle: Wikipedia) dauert es demzufolge lächerliche 157 600 Jahre, bis der Eisschild geschmolzen ist. Für Grönlands 3,5 mio Kubikkilometer Eis allerdings nur 15 800 Jahre. Nichts, wovor man unmittelbart Angst haben müsste.
5.
alfredjosef 16.04.2012
Hoppla, was passiert denn da mit meinen aes und ues? nochmal ohne: Bin gerade bem Guardian gewesen. Gute Lektuere. Demzufolge schmelzen jaehrlich 165 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Eis in der Antarktis, und 222 Gt in Groenland. Beim derzeitigen Eisvolumen der Antarktis von 26 mio Kubikkilometern (Quelle: Wikipedia) dauert es demzufolge laecherliche 157 600 Jahre, bis der Eisschild geschmolzen ist. Fuer Groenlands 3,5 mio Kubikkilometer Eis allerdings nur 15 800 Jahre. Nichts, wovor man unmittelbart Angst haben muesste. Quelle: http://www.guardian.co.uk/environment/blog/2012/feb/09/glaciers-ice-melting-climate-change aj
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Klimawandel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare
Fotostrecke
Globale Gletscherinventur: Kalbende Eisberge, gebremste Schmelzfluten

Multimedia-Special

Streit um die Erwärmung