Himalaja und Hindukusch Das Dach der Welt verliert seine Gletscher

Fünf Jahre lang haben Forscher an einem Bericht zur Zukunft der Gletscher von Himalaja und Hindukusch gearbeitet. Nun liegt er vor, seine Botschaft ist verstörend.

Gletscher in Nepal (im November 2018)
AFP

Gletscher in Nepal (im November 2018)


Mindestens ein Drittel der Gletscher im Gebiet von Himalaja und Hindukusch wird einer Studie zufolge bis Ende dieses Jahrhunderts schmelzen - selbst wenn das ambitionierteste Ziel der Klimaabkommens von Paris erreicht wird. Sollten globale Bemühungen zum Klimaschutz weniger Erfolg haben, wären es sogar zwei Drittel, heißt es in einem Bericht des Internationalen Zentrums für Integrierte Gebirgsentwicklung (Icimod).

Die Gletscher seien eine unverzichtbare Wasserquelle für rund 1,9 Milliarden Bewohner der Region - in den Bergen wie auch entlang der Flüsse.

Das Pariser Klimaabkommen sieht unter anderem vor, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf "deutlich unter zwei Grad", möglichst sogar auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Sollte letzterer Wert im globalen Durchschnitt bis Ende des Jahrhunderts erreicht werden, würden die Temperaturen dem Bericht zufolge in der 3500 Kilometer langen Gebirgsregion trotzdem um 2,1 Grad steigen, warnen die Forscher.

Das werde die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Energie aus dem Lot bringen. Zudem werde es zu schlimmerer Luftverschmutzung sowie einer Zunahme extremer Wetterereignisse führen.

Bei den Flüssen dürfte die Gletscherschmelze den Forschern zufolge zunächst für eine Zunahme des Abflusses sorgen, die sie für die 2050er und 2060er Jahre vorhersehen. Danach führten die Ströme wie etwa der Indus dann jedoch deutlich weniger Wasser. Daraus ergäben sich Probleme für die Landwirtschaft, aber auch die Stromversorgung.

"Die Klimakrise von der Sie noch nicht gehört haben"

Die globale Erderwärmung sei dabei, die eisigen, mit Gletschern bedeckten Gipfel des Hindukusch-Himalaja, die sich über acht Länder erstreckten, "innerhalb von etwas weniger als einem Jahrhundert in kahle Felsen zu verwandeln", so der leitende Herausgeber des Berichts, Philippus Wester.

Auch in anderen Gebirgsmassiven, den Alpen zum Beispiel, schrumpfen viele Gletscher im Zuge des Klimawandels. Viele der Eiszungen verschwinden sogar ganz.

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Im Gespräch mit dem "Guardian" verwies Wester darauf, dass der Einfluss des Klimawandels auf die Region von Himalaja und Hindukusch öffentlich vergleichsweise wenig thematisiert werde. Man spreche eher über die Arktis oder kleine, vom Anstieg des Meeresspiegels betroffene Inselstaaten. "Das hier ist die Klimakrise von der Sie noch nicht gehört haben", warnte der Forscher.

An der Studie arbeiteten den Angaben zufolge fünf Jahre lang etwa 350 Forscher und Experten aus 22 Ländern und von 185 Organisationen. Dem Icimod gehören die Regierungen der acht Länder im Gebiet der Himalaja- und Hindukusch-Gebirge an: Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, China, Indien, Myanmar, Nepal und Pakistan. Das Zentrum hat seinen Sitz in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.

chs/dpa



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