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Historischer Vergleich: Saure Meere stressen Ökosysteme

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Taucherin vor der indonesischen Küste (Mai 2009): "Probleme ziemlich wahrscheinlich" Zur Großansicht
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Taucherin vor der indonesischen Küste (Mai 2009): "Probleme ziemlich wahrscheinlich"

Die Ozeane der Welt werden immer saurer - mit einer Geschwindigkeit, wie sie in 65 Millionen Jahren nicht aufgetreten ist. Forscher befürchten deswegen, dass in der Tiefsee ein massives Artensterben droht. Auch oberflächennahe Gewässer sehen sie gefährdet.

Wie es genau dazu kam, dass das Wasser der Arktis beinahe Badewannentemperatur hatte, das weiß niemand so recht. An den Meeresrändern wuchsen jedenfalls Palmen. Möglicherweise hatten zerfallende Methanhydrate in den Weltmeeren unvorstellbare Mengen Treibhausgas freigesetzt und so den Planeten aufgeheizt. Vielleicht waren außerdem brennende Kohlenstofflagerstätten verantwortlich, auch über die Rolle trocken gefallener Ozeanböden wird diskutiert.

Als sicher gilt nur: Vor rund 55,5 Millionen Jahren, am Übergang zwischen den Erdzeitaltern Paläozän und Eozän, war unser Planet ungewöhnlich warm. Innerhalb von 20.000 Jahren stiegen die Temperaturen um rund sechs Grad an - und pendelten sich erst nach mehr als 100.000 Jahren wieder ein. Große Mengen Treibhausgase ließen damals die Ozeane versauern - genau so, wie es auch derzeit der Fall ist.

Forscher aus Großbritannien und Deutschland haben deswegen nun versucht, aus den Geschehnissen während des sogenannten Paläozän-Eozän-Temperaturmaximums Prognosen für die Zukunft der gebeutelten Weltmeere abzuleiten. Das Problem: Die sauren Ozeane lösen die Kalkschalen von Meeresbewohnern auf - weil sich aus dem im Wasser gelösten CO2 Kohlensäure bildet. Kaltwasserkorallen gelten als besonders gefährdet - um ihre Kalkschalen aufzubauen, müssen sie mehr Energie aufwenden, was auf Kosten des Wachstums und der Fortpflanzung geht. Besonders die Spezies in den Polarmeeren sehen Forscher durch die Ozeanversauerung in Gefahr.

"Trotz vieler Experimente im Labor wissen wir noch immer nicht, wie sich die Ökosysteme im Detail verändern werden", sagt Andy Ridgewell von der Universtät im britischen Bristol im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Im Fachmagazin "Nature Geoscience" berichtet er zusammen mit seiner Kollegin Daniela Schmidt über seine Ergebnisse.

Farbwechsel von grau-weiß zu rot-braun

In Sedimentproben vom Ozeanboden lässt sich die Zeit der großen Hitze gut erkennen: Abrupt wechselt die Farbe von grau-weiß zu rot-braun. Durch die Wärmeperiode vor 55 Millionen Jahren waren vor allem Ökosysteme am Ozeangrund durcheinander gekommen. Tausende Arten von dort lebenden Einzellern mit Kalkgehäuse, sogenannte Foraminiferen, starben aus. Dagegen kam das Leben nahe der Wasseroberfläche vergleichsweise glimpflich davon - und Säugetiere an Land konnten von der Hitze sogar profitieren.

Die Simulationen von Ridgewell und Schmidt zeigen, dass die derzeitige Versauerung der Ozeane weit schneller abläuft als beim Paläozän-Eozän-Temperaturmaximum - und zwar zum Teil um den Faktor zehn. Die Forscher betonen außerdem, dass sie eher noch konservativ gerechnet haben. Für die marinen Ökosysteme wird die Versauerung wohl nicht folgenlos bleiben. "Probleme in der Zukunft sind ziemlich wahrscheinlich", sagt Ridgewell.

Denn längst nicht alle Arten werden die Chance haben, sich den neuen Bedingungen anzupassen oder sich nach passenden Lebensräumen umzusehen - dafür laufen die Veränderungen viel zu rasant ab. Vor allem am Ozeanboden sehen die Wissenschaftler deswegen viele hochspezialisierte Arten gefährdet. Sie seien besonders auf stabile Bedingungen angewiesen.

Und auch für die oberflächennahen Wasserschichten können die Wissenschaftler keine Entwarnung geben. Das große Sterben betrifft also nicht nur die Tiefsee, sondern den gesamten Ozean. Auch das war vor 55 Millionen Jahren anders.

Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen hatten mehrere Uno-Agenturen eine Studie vorgestellt, nach der die Ozeane bis zum Jahr 2050 um 150 Prozent saurer werden könnten - zumindest wenn es zu keiner dramatischen Reduktion der CO2-Emissionen kommt. Und danach sieht es einstweilen nicht aus.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
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1. Das "böse" CO2...
paml1983 15.02.2010
Zitat von sysopDie Ozeane der Welt werden immer saurer - mit einer Geschwindigkeit, wie sie in 65 Millionen Jahren nicht aufgetreten ist. Britische Forscher befürchten deswegen, dass in der Tiefsee ein massives Artensterben droht. Auch oberflächennahe Gewässer sehen sie gefährdet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,677593,00.html
...................................... Interessant ist die "Ruderei" rund um das "böse CO2", nachdem immer mehr Details um die Manipulationen rund um Temperaturwerte, Gletscherstudien etc. ans Tageslicht kommen, muss man quasi über die "Hintertür" versuchen, das CO2 weiters als das "böse CO2" hinzustellen und, ach ja, der Mensch ist an allem Schuld, natürlich! Vor allem der "deutsche Mensch" muss sich in kollektiver "Sühne" (CO2-Abgaben) ergeben und ausreichend Buße tun (noch höhere Energiepreise - allerdings nur um die Gewinne der Energiekonzerne noch weiter anwachsen zu lassen). Vor kurzem war auf SPON der Artikel über die "Vermüllung der Meere" zu lesen, da liegt viel eher die Ursache, als bei CO2, an welchem der menschgemachte Anteil gerade mal 4% von 0,0380% in der Luft enthaltenem CO2 ausmacht! Mit all den Fabriken etc. Das macht im Klartext: 0,00152% Volumenanteil an der Luft aus! Das ist ungefähr so, wie wenn ein Spatz ins Fünfzig-Meter-Becken "pisst", was dann zur "Verunreinigung" dieses führen soll....? Die Meere übersäuern wegen "Umweltfreveleien" und zu allererst aus natürlichen Ursachen, wie Unterwasser-Vulkane", über welche wir nach wie vor so gut wie gar nichts wissen, weil diese u.a. auch in 5000 Metern Tiefe oder noch tiefer aktiv sind und Unmengen von CO2 ins Meer ausstoßen! Aber das passt halt nicht ins "Irrsinns-Schema" der antropogenen Klima-Veränderung rein, denn einen Vulkan kann man leider nicht "abzocken"...! Aufwachen bitte!
2. glückwunsch
darkangel_ger 15.02.2010
Zitat von sysopDie Ozeane der Welt werden immer saurer - mit einer Geschwindigkeit, wie sie in 65 Millionen Jahren nicht aufgetreten ist. Britische Forscher befürchten deswegen, dass in der Tiefsee ein massives Artensterben droht. Auch oberflächennahe Gewässer sehen sie gefährdet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,677593,00.html
Vor allem der letzte Satz gibt einem zu denken: "Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen hatten mehrere Uno-Agenturen eine Studie vorgestellt, nach der die Ozeane bis zum Jahr 2050 um 150 Prozent saurer werden könnten - zumindest wenn es zu keiner dramatischen Reduktion der CO2-Emissionen kommt. Und danach sieht es einstweilen nicht aus." glückwunsch deutschland kann ich da nur sagen ! lieber die kernkraftwerke (schon co2 frei) mit windmühlen und solarzellen ersetzen wollen aber die schmutzigen kohlekraftwerke schön weiterbetreiben... umgekehrt muss es laufen, anders geht es nicht, wenn wir was für das klima des planeten tun wollen ! ausstieg aus der kohle mit erneuerbaren und erst dann sich um die kernenergie unterhalten.
3. Werdet endlich wach!
Sir_Lancaster 15.02.2010
---Zitat--- Wie es genau dazu kam, dass das Wasser der Arktis beinahe Badewannentemperatur hatte, das weiß niemand so recht. ---Zitatende--- Ein wichtiger Satz! ---Zitat--- Als sicher gilt nur: Vor rund 55,5 Millionen Jahren, am Übergang zwischen den Erdzeitaltern Paläozän und Eozän, war unser Planet ungewöhnlich warm. Innerhalb von 20.000 Jahren stiegen die Temperaturen um rund sechs Grad an - und pendelten sich erst nach mehr als 100.000 Jahren wieder ein. Große Mengen Treibhausgase ließen damals die Ozeane versauern - genau so, wie es auch derzeit der Fall ist. ---Zitatende--- War das nicht die Zeit als die Aliens massiv Kohlekraftwerke auf diesem Planeten betrieben, bevor sie auf Atomkraft umstiegen? ---Zitat--- "Trotz vieler Experimente im Labor wissen wir noch immer nicht, wie sich die Ökosysteme im Detail verändern werden", sagt Andy Ridgewell von der Universtät im britischen Bristol im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. ---Zitatende--- Noch ein wichtiger Satz - wir haben keinen blassen Schimmer wie die Systeme funktionieren, aber wir wissen genau, dass, das böse, böse CO2 Schuld ist. ---Zitat--- Dagegen kam das Leben nahe der Wasseroberfläche vergleichsweise glimpflich davon - und Säugetiere an Land konnten von der Hitze sogar profitieren. ---Zitatende--- Klasse, ich als landlebendes Säugetier hab gerade noch ein paar Kohlen ins Feuer geschmissen, schließlich sagt das Potsdamer Orakel nur 2 bis 4 Grad Erwärmung voraus, ergo 2 Grad weniger als damals. Wann kapiert SPON es endlich, die Welt ändert sich permanent, nicht nur das Klima. Lebensarten schaffen es mit diesen Veränderung fertig zu werden oder teilen ihr Schicksal mit den Dinos, den Mammuts, den Säbelzahntigern und tausenden anderer Arten. Einen Status quo zu halten oder gar auf die Bäume zurück zukehren wird den Gutmenschen nicht gelingen (auch wenn Baumbesetzungen sehr populär sind).
4. Petm
timewalk 15.02.2010
Zitat von sysopDie Ozeane der Welt werden immer saurer - mit einer Geschwindigkeit, wie sie in 65 Millionen Jahren nicht aufgetreten ist. Britische Forscher befürchten deswegen, dass in der Tiefsee ein massives Artensterben droht. Auch oberflächennahe Gewässer sehen sie gefährdet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,677593,00.html
Hier noch die Wikipedia dazu. http://en.wikipedia.org/wiki/PETM Und das ganze auf Deutsch http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4oz%C3%A4n/Eoz%C3%A4n-Temperaturmaximum
5. Bitte korrekte Zahlen verwenden!
dingodog 15.02.2010
Zitat von paml1983...................................... Interessant ist die "Ruderei" rund um das "böse CO2", nachdem immer mehr Details um die Manipulationen rund um Temperaturwerte, Gletscherstudien etc. ans Tageslicht kommen, muss man quasi über die "Hintertür" versuchen, das CO2 weiters als das "böse CO2" hinzustellen und, ach ja, der Mensch ist an allem Schuld, natürlich! Vor allem der "deutsche Mensch" muss sich in kollektiver "Sühne" (CO2-Abgaben) ergeben und ausreichend Buße tun (noch höhere Energiepreise - allerdings nur um die Gewinne der Energiekonzerne noch weiter anwachsen zu lassen). Vor kurzem war auf SPON der Artikel über die "Vermüllung der Meere" zu lesen, da liegt viel eher die Ursache, als bei CO2, an welchem der menschgemachte Anteil gerade mal 4% von 0,0380% in der Luft enthaltenem CO2 ausmacht! Mit all den Fabriken etc. Das macht im Klartext: 0,00152% Volumenanteil an der Luft aus! Das ist ungefähr so, wie wenn ein Spatz ins Fünfzig-Meter-Becken "pisst", was dann zur "Verunreinigung" dieses führen soll....? Die Meere übersäuern wegen "Umweltfreveleien" und zu allererst aus natürlichen Ursachen, wie Unterwasser-Vulkane", über welche wir nach wie vor so gut wie gar nichts wissen, weil diese u.a. auch in 5000 Metern Tiefe oder noch tiefer aktiv sind und Unmengen von CO2 ins Meer ausstoßen! Aber das passt halt nicht ins "Irrsinns-Schema" der antropogenen Klima-Veränderung rein, denn einen Vulkan kann man leider nicht "abzocken"...! Aufwachen bitte!
Die bekannte Dauermessung der CO2-Konzentration auf Mauna Loa, Hawaii ergibt für 1959 315.98 ppm im Jahresmittel, und für 2009 387.35 ppm. Das ist alleine für diesen Zeitraum von 50 Jahren eine Erhöhung von 22%. Ich wüsste keine natürliche Quelle, die diesen im übrigen sehr stetigen Anstieg verursacht haben könnte. Mit frei erfundenen Zahlen zu argumentieren ist einfach schäbig. Ich frage mich wirklich, woher der Hass auf die Wissenschaft und deren Konsens kommt, der durch den Text durchschimmert - als ob die Wissenschaftler eine Weltverschwörung durchführen mit der Absicht, alle CO2-Erzeuger zu quälen.
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Ozeanversauerung: Stress für polare Meeresbewohner

Kohlendioxid im Ozean
CO2-Speicher Meer
Die Ozeane sind der bei weitem größte Speicher für Kohlenstoff an der Erdoberfläche. Vor Beginn des Industriezeitalters enthielten sie dem Welt-Klimarat IPCC zufolge rund 60-mal mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre und rund 20-mal mehr als Böden und Landvegetation. Das Meer schluckt auch einen Großteil des Kohlendioxids aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Man schätzt, dass von sämtlichen anthropogenen CO2-Emissionen seit 1750 rund 45 Prozent in der Außenluft verblieben und etwa 30 Prozent vom Ozean aufgenommen worden sind. Das restliche Viertel sorgte für einen zusätzlichen Düngeeffekt unter grünen Landpflanzen. Sie benötigen Kohlendioxid für die Photosynthese.
Überlastung durch Abgase
Der Ozean kann große Mengen Kohlendioxid aus der Außenluft aufnehmen, weil CO2 ein schwach saures Gas und Meerwasser leicht alkalisch ist. Das Kohlendioxid wird zunächst in Kohlensäure umgewandelt und zerfällt dann in Wasserstoff- und Karbonat-Ionen. Man spricht deshalb vom marinen Karbonat-Puffersystem. Darauf sind auch schalenbildende Organismen im Ozean angewiesen (Kalk = Kalziumkarbonat). Mit den Unmengen industriellen Kohlendioxids ist das Meer aber überfordert. Jedes Jahr gehen rund neun Milliarden Tonnen anthropogenes CO2 in die Atmosphäre, aber nur zwei Milliarden Tonnen davon verschwinden im Ozean, noch weniger in der Vegetation. So reichert sich immer mehr klimawirksames CO2 in der Außenluft an. Zurzeit sind es etwa 200 Milliarden Tonnen.
Fragiles Gleichgewicht
Die anthropogenen CO2-Emissionen bringen den globalen Kohlenstoff-Kreislauf aus dem Gleichgewicht. Doch bis sich ein neues einstellt, werden Jahrtausende vergehen. Das hat vor allem mit dem Transport von Kohlenstoff in die Tiefsee zu tun, der Teil des Kreislaufs ist und äußerst langsam vor sich geht. Allerdings ist der Austausch zwischen Atmosphäre und Ozean keine Einbahnstraße. An der einen Stelle löst sich CO2 im Meerwasser, an der anderen verdunstet es und entweicht in die Luft. So verweilt auch ein einzelnes CO2-Molekül höchstens ein paar Jahre in der Atmosphäre. Entscheidend ist aber, dass der Mensch viel mehr Kohlendioxid ins System pumpt als ad hoc - und auch auf längere Sicht - im Ozean gespeichert werden kann.
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