Trockenheit Wie die Bäume unter der Dürre leiden

Herabhängende Blätter, kahle Äste: Die Rekorddürre macht Stadtpflanzen zu schaffen. Forscher testen bereits Bäume, die mit dem Klimawandel besser klarkommen.

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In vielen Städten Deutschlands scheint der Herbst bereits begonnen zu haben - trotz 30 Grad Celsius im Schatten. Die Blätter einiger Bäume haben sich bereits rötlich oder gelblich verfärbt, andere sind schon fast kahl.

"Die Bäume versuchen sich dadurch vor der Hitze zu schützen", sagt Andreas Wrede von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH). Wenn die Bäume ihr Laub abwerfen, verlieren sie weniger Wasser durch Verdunstung.

In vielen Städten wie Berlin, Hamburg und Chemnitz rückt die Feuerwehr mit speziellen Sprengwagen aus, um die Bäume künstlich zu bewässern. In Bochum rückte die Polizei mit dem Wasserwerfer an. Gerade junge Bäume, die erst vor Kurzem eingepflanzt wurden, leiden unter Trockenstress. Ihre Wurzeln reichen nicht tief genug in den Boden hinein, um sie ausreichend mit Wasser zu versorgen.

"Es droht ein Totalverlust der neuen Generation", warnte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Demnach werden pro Jahr 500 Millionen Bäume in Deutschland gepflanzt.

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Dürre: Wenn Bäume schwitzen

Für ältere Bäume ist die Hitze meist nicht lebensbedrohlich, doch auch sie wachsen oft deutlich langsamer. In den Jahresringen wird sich dieser Sommer deshalb wohl als Mangeljahr bemerkbar machen.

"Die Bäume sind gestresst", sagt der promovierte Gartenbauingenieur Wrede. Der vergangene Sommer sei viel zu nass gewesen, dieser nun viel zu trocken. Durch die Nässe im vergangenen Jahr seien viele Wurzeln in tieferen Bodenschichten abgefault, die jetzt auch älteren Bäumen fehlen, um an Wasser aus tieferen Bodenschichten zu gelangen.

Der Rosskastanie geht es besonders schlecht

Durch den Trockenstress sind die Bäume auch anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. "Um die Rosskastanie steht es besonders schlecht", so Wrede. Viele Exemplare dieser in Städten beliebten Baumart seien bereits durch die Miniermotte und andere Krankheiten geschwächt, die Trockenheit könne ihnen den Rest geben.

Experten rechnen damit, dass Extremwettereignisse wie Dürren durch die Erderwärmung in Zukunft zunehmen werden. Müssen deshalb bald ganz andere Bäume in den Städten gepflanzt werden?

Auf der Suche nach dem neuen Stadtbaum

"Der weitaus größte Teil des Baumsortiments wird in vielen Städten aus nur etwa acht bis zehn verschiedenen Baumarten und -sorten gebildet", sagt Wrede. Beispielsweise Ahorn, Buche, Eiche, Esche, Kastanie, Sommer- und Winterlinde, Ulme sowie Platane.

Letztere fallen in diesem Sommer besonders auf, weil sich ihre Borke in großen Stücken abschält. Wegen der kahlen Äste machen sich viele Sorgen um die Platanen. Tatsächlich sprengen sie ihre Borke ab, weil sie besonders schnell wachsen. Im Vergleich zu den anderen Stadtbäumen, kommen sie mit der Trockenheit gut klar. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die meisten Stadtbäume sind robust und kommen auch mit negativen Umwelteinflüssen wie etwa Schadstoffen in der Luft oder Trockenheit zurecht. Dennoch testen Experten bereits seit 2011 Baumarten aus Regionen, in denen das Klima bereits heute so ist, wie es für unsere Breiten prognostiziert wird - also wärmer und mit mehr Trockenphasen. "Aber keiner kann genau sagen, wie sich die Klimaänderungen bei uns genau auswirken werden, das ist ein Problem für die Suche nach geeigneten Baumarten", sagt Wrede.

Die sogenannten Klimawandel-Bäume wurden an Versuchsstandorten in der Hamburger Innenstadt, in Heide, Husum, Kiel und Lübeck gepflanzt - in Hamburg sind es je zwei oder drei Exemplare von 48 Baumarten. Darunter sind exotische Arten wie der Perlschnurbaum aus China oder der Südliche Zürgelbaum, der etwa in Südosteuropa vorkommt. Die Projekte in den einzelnen Städten kosten etwa 100.000 Euro im Jahr

Alle vier Wochen wird der Zustand der Bäume dokumentiert. "Für unsere Projekte sind die aktuelle Trockenheit und Hitze optimal", sagt Wrede, der das Projekt betreut. "So können wir genau testen, wie die Bäume auf Wetterereignisse reagieren."

Wir hängen mindestens 25 Jahre hinterher

Besonders robust zeigen sich der Eisenholzbaum, Französischer Ahorn, Grünesche und Blumenesche. "Das heißt aber nicht, dass wir in Zukunft nur noch diese Baumarten und -sorten pflanzen werden", sagt Wrede. Es gehe bei den Projekten vielmehr darum, die Baumsortimente sinnvoll zu ergänzen und damit für jeden Standort einen passenden Baum auszuwählen zu können.

Für ein gutes Stadtklima sind Bäume wichtig. Ein 100-jähriger Laubbaum bindet nach Angaben der Stiftung "Klimawald" pro Jahr etwa 6300 Kilogramm Kohlendioxid, filtert eine Tonne Staub und Gifte aus der Luft und produziert gleichzeitig fast 4,6 Tonnen Sauerstoff. Was die Trockenheit mit Deutschland macht, lesen Sie in dieser Fotostrecke:

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Sommer 2018: In Deutschland ist's heiß und trocken

Es wird jedoch noch eine Weile dauern, bis die Forscher ihre Projekte abgeschlossen haben und abschätzen können, welche Bäume in Zukunft besonders für deutsche Städte geeignet sind. "Mit den ersten Ergebnissen rechnen wir erst in fünf bis 10 Jahren" sagt Wrede.

Und dann dauere es nochmals zehn bis 15 Jahre, bis die Baumschulen diese Bäume überhaupt in größeren Stückzahlen und gewohnt guter Qualität liefern können. "Wir hängen mindestens 25, wenn nicht 30 Jahre hinterher", so der Gartenbauer. Die Projekte drohen derweil zu scheitern, weil ab Ende des Jahres die öffentliche Förderung ausläuft.

insgesamt 22 Beiträge
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John McC!ane 03.08.2018
1. Wenn man...
...das zu Ende denkt, dann haben wir hier innerhalb der nächsten 30-40 Jahre Wälder, wie sie derzeit (noch) beispielsweise in Griechenland, Korsika, oder Sardinien zu finden sind - nur werden die bis dahin wohl bestenfalls noch irgendetwas zwischen Steppe und Savanne haben!
shechinah 03.08.2018
2. Wissenschaft
können wir bitte wenigstens in der Wissenschaftskolumne damit aufhören, die aktuelle Hitzewelle mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen? Jeder der ein Bisschen Ahnung hat weiß, daß die aktuellen Temperaturen/Dürre weder neu, noch einzigartig, und schon gar kein Rekord sind. Verantwortlich ist ein Omegahoch, und die Verspätung des ElNino, beides hat mit der veränderten Sonneneinstrahlung durch das Solar Minimum zu tun, und null mit Klimawandel, oder auch nur mit Klima - es ist nur ein Wetterereignis.
x4peter 03.08.2018
3. @Shechina
Wer ein bisschen Ahnung hat kann auch eine Wetterkarte lesen....von wegen Omega Hoch. Schauen Sie sich mal die Temperaturentwicklung der letzten hundert Jahre an. Wer glaubt das in Millionen Jahren gebundener Kohlenstoff, durch den Menschen in 200 Jahren freigesetzt, ohne Folgen bleibt trägt auch Aluhut.
x4peter 03.08.2018
4. @Shechina
Wer ein bisschen Ahnung hat kann auch eine Wetterkarte lesen....von wegen Omega Hoch. Schauen Sie sich mal die Temperaturentwicklung der letzten hundert Jahre an. Wer glaubt das in Millionen Jahren gebundener Kohlenstoff, durch den Menschen in 200 Jahren freigesetzt, ohne Folgen bleibt trägt auch Aluhut.
Andreas-Schindler 03.08.2018
5. Einfach den Bäumen mehr Luft lassen
In den Städten wird derzeit viel gebaut. Für die Natur bleibt immer weniger Raum. Woher soll der Baum Wasser bekommen wenn rund um in herum die Flächen Versiegelt sind? Lasst das immer engere Bebauen in den Städten sein. Die Natur braucht auch ihren Platz. Man Jammert darüber das es in den Städten immer wärmer wird. Dafür werden immer mehr Freiflächen Bebaut. Darunter auch die Schrebergärten Reduziert. Einfach auch mehr Teiche als Regenwasserhaltebecken Bauen. Das sorgt für weniger Überschwemmungen und für ein höheren Grundwasserspiegel für die Bäume und Büsche.
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