Klimawandel Forscher befürchten mehr Hitzetote

Große Hitze könnte in Zukunft immer mehr Opfer bedeuten, prognostizieren Forscher in einem Klimamodell. Bereits ab 37 Grad Celsius kann es gefährlich werden.

Temperaturanzeige in Hamburg
DPA

Temperaturanzeige in Hamburg


Extreme Hitzewellen werden einer Studie zufolge in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Menschen zu schaffen machen - und könnten für mehr Todesopfer sorgen. Das schreiben Forscher um Camilo Mora von der University of Hawaii at Manoa in Honolulu im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Schon heute sind etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung an mindestens 20 Tagen im Jahr einer Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, die die Thermoregulation des Körpers erheblich beeinträchtigen und potenziell tödlich sind, so Mora. Angesichts des Klimawandels könne dieser Anteil bis 2100 selbst bei drastischer Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes auf 48 Prozent steigen. Sollten die Emissionen auf dem derzeitigen Level bleiben, wären gar 74 Prozent der Bevölkerung extremen Hitzewellen ausgesetzt, schätzen die Forscher.

Sie hatten Studien ausgewertet, die zwischen 1980 und 2014 über hitzebedingte Todesfälle publiziert wurden. Sie fanden insgesamt 783 Beschreibungen aus 164 Städten in 36 Ländern, in denen die Sterberate der Bevölkerung während einer Hitzewelle angestiegen ist. Einige Beispiele: 2003 gab es in Europa eine Hitzewelle, bei der in Frankreich und Deutschland mehrere Tausend Menschen starben. In Moskau fielen 2010 mehr als 10.000 Menschen der Hitze zum Opfer. In Chicago gab es 1995 rund 740 Tote. Auch New York, London, Tokio oder Toronto litten unter vergleichbaren Extremwetterlagen.

Ab 37 Grad Celsius wird es kritisch

Die Forscher analysierten dann die genauen klimatischen Bedingungen, die während solcher Phasen geherrscht hatten, etwa Temperatur, Feuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Strahlungsindex. Die Werte verglichen sie mit denen in gemäßigten Zeiten. Auf diese Weise wollen sie eine Schwelle identifiziert haben, ab der ein Hitzeextrem tödlich werden könnte. Entscheidend dafür seien vor allem Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit, erläutern die Forscher.

Wenn die Außentemperatur die Körpertemperatur von etwa 37 Grad Celsius übersteigt, könne die Wärme nicht mehr nach außen abgegeben werden, der Körper erhitze sich stark. Hinzu kommt, dass bei hoher Luftfeuchte der Hauptkühlmechanismus des Körpers nicht mehr funktioniert, das Schwitzen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit seien daher auch niedrigere Temperaturen potenziell tödlich, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Schwelle für Temperatur und Luftfeuchtigkeit eigne sich, um verheerende Hitzewellen überall auf der Welt zu klassifizieren.

Weil die berechnete Schwelle auf dokumentierten Fällen realer Menschen rund um den Globus basiere, sei sie besonders "verlässlich und relevant", erläutert Co-Autorin Farrah Powell. "Es ist erschreckend, wie verbreitet solche tödlichen Bedingungen bereits sind."

Die Aussichten für die Zukunft seien düster. "Im Bezug auf Hitzewellen haben wir die Wahl zwischen schlecht und schrecklich", so Studienleiter Mora. Bereits 2015 hatten Forscher eine düstere Prognose für die Golfstaaten veröffentlicht: Schon in wenigen Jahrzehnten könnten die Temperaturen dort wegen des Klimawandels regelmäßig über 60 Grad steigen. Selbst für Gesunde wäre das unerträglich.

joe/dpa



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