Hochwasserschutz Bau der großen Mauer von Jakarta beginnt

Ein 35 Kilometer langer Wall soll Indonesiens Hauptstadt Jakarta künftig vor Hochwasser schützen. Teile der Stadt sinken, sie liegen schon bald unter Meeresspiegelniveau. Der Bau soll 30 Jahre dauern und bis zu 40 Milliarden Dollar kosten.

AFP

Hamburg - Megacitys in Asien werden immer wieder von heftigenStürmen und Überschwemmungen gebeutelt. Ganz oben auf der Liste der Städte, die vom Wasser bedroht sind, steht Jakarta. Indonesiens Hauptstadt senkt sich immer mehr ab. Teile der nördlichen Küste der Zehn-Millionen-Metropole rutschen pro Jahr bis zu 14 Zentimeter tiefer - in einigen Jahrzehnten könnten sie mehrere Meter unter dem Meeresspiegel liegen.

Ein gigantischer, 35 Kilometer langer Wall quer durch die Bucht von Jakarta soll die Stadt künftig vor Hochwasser schützen. Das Projekt wurde nun offiziell gestartet. Bis zu 40 Milliarden Dollar sollen in die sogenannte große Mauer von Jakarta investiert werden. Zusätzlich sollen 17 künstliche Inseln entstehen, die Platz für Wohnhäuser bieten. Indonesiens Regierung arbeitet bei den Projekt eng mit Experten aus den Niederlanden zusammen.

Unterstützer des Mammutprojekts sagen, der Wall sei die einzig mögliche Lösung, die über einen längeren Zeitraum Hochwasserschutz bietet. Das Wasser kommt freilich nicht nur vom Meer, mitunter sind es auch die Flüsse, die es in die Stadt bringen. Bei Hochwasser in der Bucht können die Flüsse nicht schnell genug abfließen - das Wasser sucht sich andere Flächen.

Wegen des enormen Bevölkerungswachstums pumpen die Menschen immer mehr Trinkwasser aus der Tiefe. Infolgedessen sackt der Boden ab -ein Problem, mit dem Metropolen weltweit kämpfen. "Im Grunde pumpen wir uns selbst immer tiefer", sagt Victor Coenen, ein Berater der Stadt von der niederländischen Firma Witteveen and Bos.

Sieben Meter Höhe, 35 Kilometer Länge

In Holland kennt man sich gut aus mit dem Bau robuster Deiche - etwa ein Viertel des Landes liegen unter Meeresspiegelniveau. Hohe Dämme gelten jedoch nicht als alleiniges Patentrezept. Auch mit schwimmenden Häusern wollen die Niederländer dem Anstieg des Meeresspiegels trotzen.

Die Idee zum Schutzwall für Jakarta entstand nach dem Hochwasser von 2007, bei dem Hunderttausende ihre Häuser verlassen mussten. Zunächst sollen bestehende Mauern verstärkt werden, die den Norden der Hauptstadt schützen. Später ist der Bau des Schutzwalls in der Bucht von Jakarta geplant. Der Abstand zur Küste wird zwischen sechs und acht Kilometern betragen. Der Wall soll sieben Meter aus dem Wasser ragen.

Dass der Schutzdeich tatsächlich zwischen 2025 und 2030 fertig wird, daran zweifelt so mancher Beobachter. Die Milliarden könnten auch in dunklen Kanälen versickern - Korruption und Misswirtschaft bei Großprojekten sind in Indonesien leider weit verbreitet.

Naturkatastrophen

hda/AFP

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insgesamt 4 Beiträge
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n.laus 17.10.2014
1. Nur für kurze Zeit
Zweites Hauptproblem ist, die Flüsse ins Meer zu bekommen, wenn der Meeresspiegel absolut oder relativ ansteigt. Diese muss man ebenso gegen die Stadt abschotten, nicht nur die Außenküste. Nicht zu verachten ist, dass so ein massiver Deich die Landsenkung noch verstärkt und das Grundwasser ins tiefer als der Wasserspiegel liegende Inland drückt. Trotzdem, früher oder später werden sie da weg müssen. Die Niederlande haben das selbe Problem. Und besiedeln jetzt schon mal vorsichtshalber ganze Landstriche außerhalb von NL (z.B. deutsche Autobahnen, das Périgord, etc.). Schlaue Leute und weitsichtige Leute sind das. :-)
der-denker 18.10.2014
2. Negativ-Reflex
Sind das Textbausteine die abgerufen werden? Es kommt kaum vor dass über Indonesien oder Jakarta geschrieben wird ohne Seitenhieb auf irgendwelche Probleme, wie hier "Korruption". Natürlich gibt es da Korruption, so wie praktisch überall auf der Welt. Es ist also immer ein Punkt den man einflechten kann, auch wenn es keinen zwingenden Zusammenhang gibt, um zustimmendes Nicken zu verbuchen. Beim Leser werden Endorphine frei weil er sich bestätigt sieht udn froh ist nicht dort zu sein, und die Resonanz, sofern es eine gibt, ist tendenziell vermutlich positiver als wenn man so etwas weg lässt. Ich finde das erstens langweilig und zweitens leicht arrogant-westlich. Indonesien hat friedlich 1998-90 eine Diktatur beseitigt, und gerade einen Präsidenten gewählt den ich mir in Deutschland wünschen würde! Ein Mann mit Hirn und wirklich Herz, nicht "herzig" wie Mutti. Man kann dem Land mehr Respekt entgegen bringen.
brati87 19.10.2014
3. eine Übersichtskarte
wäre schön! Der gemeine Deutsche Spiegelleser hat den Stadtplan von Jarkarta ja nicht unbedingt vor Augen.
sitiwati 28.10.2014
4. Steht der Wind
landeinwärts drückt er das Meerwaaser in die Flüssen, zum anderen sind die Flut und Abwässerkanäle voller Unrat, vor allem Plastikwaren, das heisst, an Brückenpfeilern usw bilden sich regelrechte Dämme, das Flusswasser kann nicht ablaufen, anderseits werden Überflutsanlagen , wie im letzten Jahr nicht rechtzeitig geschlossen, die Leute in ihren Villen haben Angst, dass ihre Häuser überflutet werden und lassen lieber die Slums absaufen, wenn die Indonesier diesen Damm selber bauen, dann gute Nacht, 20% des Betons gehen locker für andere "Projekte" drauf, man kann gut mit 10-15% Tip rechnen, jeder ausländische Unternehmer ist da dabei ( 13 jahre Erfahrung Indonesien)
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