Hochwasserschutz Umwelt-Stiftung legt Auen-Institut trocken

Mit der Schließung gibt der WWF sein Hochwasser-Forschungsprogramm für die gefährdeten Regionen an Elbe und Oder auf. Die Geschäftsführung will die Mittel lieber für öffentlichkeitswirksame Tieraktionen einsetzen.

Von Sebastian Knauer


Der World Wide Fund for Nature (WWF) wird das international renommierte Auen-Institut im badischen Rastatt nicht weiter als eigene Forschungsstätte betreiben. Stattdessen wird die Einrichtung in das Institut für Wasser und Gewässerentwicklung der Universität Karlsruhe eingegliedert.

Offiziell begründet die Frankfurter Geschäftsführung des WWF den Schritt mit "Synergien in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit". Doch Insider vermuten, in der WWF-Zentrale in Genf wolle man das eingesparte Jahresbudget von rund einer Million Euro lieber für öffentlichkeitswirksame Tieraktionen ausgeben. Gemäß der neuen Marketing-Strategie der Organisation bewegen Kampagnen für Nashorn oder Pandabär die Spender eher als Forschung zum Hochwasserschutz.

Vier Planstellen des Auen-Instituts sollen für mindestens fünf Jahre vom WWF finanziert werden, dann müssen Drittmittel von anderen Auftraggebern und aus der Universitätsverwaltung beschafft werden. Die weitere Verwendung des eigens von der Stadt Raststatt für die Auenforschung ausgebaute und über günstige Mieten subventionierten historischen Institutsgebäude einer Wassermühle in einer Rheinaue ist ungeklärt.

Langfristigen Projekten droht das Aus

Der WWF will zwar weiterhin Forschungsarbeiten zur Erhaltung des bedrohten Donaudeltas oder des Rheins der Institutsgruppe zur Verfügung stellen, ebenso soll der WWF-Arbeitsbereich "Binnengewässer" ausgebaut werden. Doch droht langfristigen Projekten zum Landschafts- und Gewässerschutz wie an der französischen Loire, dem spanischen Ebro oder der Elbe das Aus.

Für das Elbe-Projekt alternativer Schifffahrtswege ohne Staustufenbau an der mittleren Elbe und der polnischen Oder hatte sich seit einem Jahrzehnt die Hamburger Michael-Otto-Umweltstiftung eingesetzt. Dabei erarbeitete das Auen-Institut unter der Leitung des Gründungsprofessors und Auenexperten Emil Dister wesentliche Beiträge. Dister soll jetzt ebenfalls an die Universität Karlsruhe wechseln.

Das Auen-Institut war 1985 von dem damaligen WWF-Weltvorsitzenden Prinz Philipp eröffnet worden. WWF-Stiftungsratspräsident Michael Otto stellte umfangreiche Mittel zur Verfügung, um den präventiven Hochwasserschutz zu fördern, ursprüngliche Auenlandschaften zu erhalten und alternative Verkehrskonzepte für Wasserstraßen zu entwickeln.

Der WWF Deutschland zählt mit jährlichen Spenden und sonstigen Erträgen von rund 20 Millionen Euro zu den finanzkräftigsten nationalen Umweltschutz-Organisationen, die Gelder an die WWF-Holding in der Schweiz abführt. WWF-Geschäftsführer Peter Prokosch bezeichnete die Abwicklung des WWF-Auen-Instituts als "Aufbruch zu neuen Ufern".



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