Höhlen in Thailand: Kalkpaläste der Unterwelt

In ewiger Dunkelheit im Boden Thailands öffnen sich riesige Höhlen. Märchenhafte Skulpturen schmücken die Paläste dieser Unterwelt. Ein Kenner der Grüfte hat nun seine besten Fotos vorgestellt.

Höhlen im Karst: Verborgene Märchenwelt
Fotos
Bulls / Barcroft Media

Hamburg - Seit 25 Jahren steigt John Spies in die Unterwelt im Nordwesten Thailands. Der Australier wohnt über der Höhle Tham Lod. Unter der Erde öffnet sich dort in vollkommener Dunkelheit eine andere Welt: Hohe Skulpturen schmücken riesige Säle voller Wasser. Nun hat Spies seine besten Fotos aus den Natur-Kathedralen Thailands veröffentlicht.

Seit Ewigkeiten fräst sich der Fluss Nam Lang in den kalkigen Boden Nordwest-Thailands. Auch Regengüssen bietet das weiche Gestein auf Dauer wenig Widerstand, es wird abgerieben wie Parmesankäse. So ist eine der eindrucksvollsten Karstlandschaften der Welt entstanden.

Entlang des Grundwasserspiegels gräbt sich das Wasser durch den Kalk. Gelöste Kohlensäure löst das Gestein; zehn Liter Sickerwasser nehmen etwa neun Gramm Kalk auf. Erst bilden sich schmale Risse, bald öffnen sich größere Klüfte im Gestein. Das Grundwasser wird zum Fluss, der durch die Höhlen strömt.

Wasserfälle rauschen in die Tiefe

Über die Jahrtausende entwickeln sich die Hohlräume im Gestein zu wahren Palästen der Unterwelt: In Tham Lod hängen meterlange Kalkzapfen von den Decken, die Stalaktiten. Es sind Spuren herabsickernden Wassers. Kalktropfen sammeln sich am Boden, wo sie lange Kerzen formen, die Stalagmiten.

Viele andere märchenhafte Skulpturen schmücken die Säle der Unterwelt, in die kein Sonnenstrahl dringt. Mancherorts stehen weiße Brunnen - wassergefüllte Sinterbecken: Am Rand der Kessel fällt Kalk aus, er lässt den weißen Rand wachsen. Doch nicht nur kleine Rinnsale, auch Wasserfälle rauschen in die Tiefe. Manche hinterlassen Kalkhänge, die wirken wie im Fallen erstarrtes Wasser.

Die Höhlen von Tham Lod sind bewohnt: Fledermäuse und Mauersegler beherrschen die Kalktempel. Von John Spies und seinen Begleitern lassen sich die Tiere nicht erschrecken. Die Vögel nisten versteckt im Dunkel der Abertausenden Spalten der Kalkwände.

Nur selten erhellt das Licht der Scheinwerfer der Eindringlinge die Höhlen. Während des Aufblitzens der Helligkeit drückt Spies auf seinen Auslöser - die Fotos offenbaren eindrucksvoll die verborgenen Paläste im Kalkstein Thailands.

boj

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