Hamburg - Es ist eine Mikrobe zum Fürchten, die 2005 den australischen Forschern Barry Marshall und Robin Warren den Nobelpreis bescherte: Helicobacter pylori ist ein kleines, recht unauffälliges Bakterium, doch es hat sich seinen Platz auf der Erde gesichert - mehr als die Hälfte der Bevölkerung wird von ihm besiedelt. In den meisten Fällen verläuft eine Infektion durch den Magenbewohner völlig unbemerkt.
Wehe aber, wenn nicht. Dann drohen chronische Entzündungen der Magenschleimhaut. Behandelt man die Infektion nicht rechtzeitig mit Antibiotika, kann sie zu gefährlichen Geschwüren führen - im schlimmsten Fall entsteht sogar Magenkrebs. Das Problem: Die Resistenz gegen eine zunehmende Zahl von Antibiotika erschwert die Behandlung, und die Infektion erweist sich oft als sehr hartnäckig. Zudem ist der Erreger höchst ansteckend, die genauen Übertragungswege sind noch nicht eindeutig geklärt.
Erstmals haben US-Forscher bewiesen, dass die Erreger überhaupt nur in der säurehaltigen Umgebung des Magens überleben können, weil sie eine spiralförmige Gestalt haben, die an einen Korkenzieher erinnert. Zudem gelang es Nina Salama vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle und ihren Kollegen, diejenigen Proteine zu identifizieren, die für die charakteristische Krümmung verantwortlich sind.
Ohne sie, das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Cell", könnten sich die Keime nicht richtig verdrehen. Was wiederum dazu führt, dass sie sich auch nicht in der Magenschleimhaut einnisten können, wo sie vor der Zerstörung durch die Magensäure geschützt sind.
Drahtzangen-Proteine
Schon lange hatte man vermutet, dass die Korkenzieherstruktur des Bakteriums für die erfolgreiche Besiedelung des menschlichen Magens ist. Doch erst jetzt konnten Salama und ihre Kollegen den Beweis dafür erbringen. Die Forscher entdeckten eine Gruppe von vier Proteinen, die wie eine Art Drahtzange funktionieren. Sie zerschneiden bestimmte strukturelle Abschnitte auf der maschendrahtähnlichen Zellwand des Bakteriums. Die Folge: Der zunächst stäbchenförmige Keim verdreht sich zum Korkenzieher. Anschließend schraubt es sich in die Magenschleimhaut und entgeht so der Zersetzung durch die Magensäure.
Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Erkenntnisse zu einer neuen Therapie-Entwicklung gegen den Keim beitragen, der für 70 Prozent aller Magenkrebsfälle verantwortlich ist. Könnte man die Bildung dieser Proteine unterbinden, könnte die weltweite Infektionsrate nach Meinung der Forscher drastisch verringert werden.
Die Zelloberflächenproteine scheinen auch bei anderen Bakterienarten vorzukommen, die eine ähnliche Gestalt wie Helicobacter pylori aufweisen. Sollten sich diese Eiweiße auch bei den anderen Organismen als überlebenswichtig erweisen, könnte beispielsweise auch eine effektive Therapie gegen den kommaförmigen Erreger der Cholera, Vibrio cholerae, entwickelt werden. Das ebenfalls spiralförmige und für die meisten Durchfallerkrankungen in Entwicklungsländern verantwortliche Bakterium Campylobacter jejuni sei ebenfalls ein vielversprechender Kandidat, sagt Salama.
cib/ddp
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