Homosexualität bei Tieren Schwule und lesbische Störche ziehen Küken groß

Beide Paare sind homosexuell, beide wollten Küken. Doch entsprechend ihrer jeweiligen Orientierung mussten die schwulen Störche sich ein Ei stibitzen, während das lesbische Pärchen offenbar auf die Samenspende eines dritten Storchs zurückgriff.


Der Klapperstorch bringt die Babys, klar. Doch was tun Störche, wenn sie selbst Nachwuchs wollen und dabei Biologie und individuelle Vorlieben nicht zusammenpassen wollen? Im Zoo von Overloon versuchten vier Störche den natürlichen Drang, Nachwuchs aufzuziehen, mit ihrer Homosexualität zu vereinbaren - und hatten Erfolg.

"Allen Küken geht es gut", sagte Zoo-Sprecherin Esther Jansen zu SPIEGEL ONLINE. Die drei Jungstörche, die in den vergangenen 14 Tagen im niederländischen Overloon geschlüpft sind. Ein Küken wird von zwei Storch-Männchen, zwei weitere Küken von zwei Storch-Weibchen aufgezogen.

Bei der Überprüfung der Ringe vor ein paar Wochen sei aufgefallen, dass gleichgeschlechtliche Paare zwei Gelege bebrüteten. "So etwas hatten wir noch nie, das ist eine Premiere", sagte Jansen.

Der Küken-Segen im "natürlichsten Zoo der Niederlande"  (Eigenwerbung) sei bei den Männchen nur damit zu erklären, dass sich die Störche die Eier von Weibchen gestohlen hätten. Die beiden Weibchen mussten sich nicht in fremden Gelegen bedienen. "Irgendwie muss eine von ihnen von einem Männchen befruchtet worden sein", meint Jansen.

Bei der Aufzucht von Schwäne habe sich gezeigt, dass schwule und lesbische Vögel "sich ebenso gut um die Kleinen kümmern wie Heterosexuelle", sagte Jansen. "Es läuft allen bestens."

Homosexuelles Verhalten ist bei Tieren nicht selten. Allerdings beschränkt es sich normalerweise auf den Austausch von Zärtlichkeiten bis hin zum simulierten Geschlechtsakt. Im vergangenen Februar hatten sechs schwule Pinguine im Zoo von Bremerhaven Aufsehen erregt, denen zwecks Fortpflanzung schwedische Pinguin-Damen zugeführt werden sollten. Die antarktischen Vögel hatten in Ermangelung stibitzter Eier schlicht runde Steine bebrütet - allerdings ohne Erfolg.

stx/AFP



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