Knochensplitter

Studie Huhn + Pömpel = Dinosaurier?

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Das gemeine Haushuhn, haben wir gelernt, ist der nächste noch lebende Verwandte des T-Rex. Aber wie viel Raptor steckt noch im Federvieh? Jede Menge, zeigt eine neue Studie: Wenn man Hühnern Schwänze ansteckt, laufen sie wie Dinosaurier.

Es gibt Studien, da vermutet man spontan, sie seien nur entstanden, weil da jemand einen Ig-Nobelpreis ernten möchte. Jeden September ehrt die wissenschaftliche Gemeinde ihre schrägsten Aktivitäten mit einer weltweit beachteten Preisverleihung an der Universität Harvard. Ausgezeichnet werden da Forschungen, die "Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen".

Alle Jahre wieder kann man da lernen, dass Wissenschaftler durchaus Humor haben - und dass Forschung jede Menge Realsatire produziert. Auch wir berichten regelmäßig - und sammeln im Laufe jedes Jahres Studien, die wir für aussichtsreiche Kandidaten halten.

Wagen wir also mal wieder eine Prognose: Die aktuelle Forschungsarbeit, die Bruno Grossi und Kollegen diese Woche im Online-Fachmagazin "PLoS One" veröffentlichten, hat das Zeug, in diesem Jahr zu den Top-Favoriten der Igs zu zählen.

Ist das wirklich ernst gemeint? Nichts ist unmöglich...

Die Forscher wollten genauer wissen, wie sich einst wohl Raubsaurier fortbewegten. Deren engste noch lebende Verwandte sind bekanntlich Vögel, und unter denen gilt das Huhn als nächster noch lebender Verwandter von T-Rex und Co. Was läge da näher, als einem Huhn den Hintern zu rasieren, ihm einen Pömpel auf den Sterz zu pappen und dann zu analysieren und zu filmen, was das für Auswirkungen auf die Gangart des Federviehs hat?

Nichts, diese Hinterlast ist total naheliegend und sogar nötig: Zwar ähnele sich der Knochenbau des Bewegungsapparats von Vogel und Dinosaurier sehr, schreiben die Autoren. Für Studien der Dino-Bewegungsmuster eigneten sich Vögel aber nicht wirklich, weil ihr Schwerpunkt anders liege. Das führe dazu, dass ihr Gang sehr aus dem Knie heraus komme, während er bei Sauriern wohl vor allem von Bewegungen des Oberschenkels geprägt gewesen sei.

Der Schwerpunkt eines Huhns lässt sich aber relativ leicht verändern, indem man das Huhn mittels eines künstlichen Schwanzes nach hinten verlängert.

Weitere "sorgfältige Manipulationen" denkbar

Was dabei heraus kam? Filigrane, für die Forscher aber eindeutige Verschiebungen des Schwerpunkts und der Gangart des Testvogels. Unter uns Laien werden aber wohl nur wahre Vogel-Liebhaber erkennen, wo genau die liegen.

Macht nichts. Wichtig ist nur, dass die Sache was gebracht hat - und dass, wie die Forscher versichern, auch die Testhühner nicht unter den Pömpel-Schwänzen litten. Sie hätten sich davon gar nicht irritieren lassen. Deshalb spräche auch nichts dagegen, mit "sorgfältigen Manipulationen im Laufe der Ontogenese", also im Aufwachsen der Vögel, deren Schwerpunkt so zu verändern, dass man sie für weitergehende Bewegungsstudien nutzen könne.

Spätestens mit diesem Fazit sollten alle eventuell bestehenden Zweifel über die Chancen der Studie bei den kommenden Igs ausgeräumt sein: Das Ding, da gehe ich jede Wette ein, ist ein Gewinner.



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17 Leserkommentare
brain1965 07.02.2014
hochst 07.02.2014
vogel0815 07.02.2014
Sitiveni 07.02.2014
kai kojote 07.02.2014
dernilsen 07.02.2014
Das Pferd 07.02.2014
sf2010 07.02.2014
zapp-zarapp 07.02.2014
kazinkua 07.02.2014
diavid 07.02.2014
holtor 07.02.2014
rem023 08.02.2014
w-j-s 08.02.2014
joachim_m. 09.02.2014
w-j-s 09.02.2014
nilaterne 15.02.2014

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