Galapagosinseln Hungrige Darwin-Finken gefährden Ökosystem

Die Vogelwelt der Galapagosinseln ist berühmt. Doch der große Appetit der Finken bedroht laut einer neuen Studie die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Archipels.

Mittel-Grundfink (Geospiza fortis): Vögel vertilgen Pollen und Nektar
Ruben H. Heleno

Mittel-Grundfink (Geospiza fortis): Vögel vertilgen Pollen und Nektar


Die Vögel der Galapagosinseln fressen, was ihnen vor den Schnabel kommt: Vermutlich weil Insekten auf den Inseln knapp sind, naschen sie auch Pollen oder Nektar von Pflanzen. Doch das hat eine Schattenseite, wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature Communications" berichtet: Die Vögel spielten nicht nur eine wichtige Rolle als Bestäuber, sondern trügen auch zur Gefährdung des einzigartigen Ökosystems der Inselwelt bei. Da sie recht wahllos heimische und fremde Pflanzenarten besuchen, erleichterten sie eingeschleppten Arten die Ausbreitung auf dem Archipel.

Anna Traveset vom Institut Mediterrani d'Estudis Avançats auf Mallorca und ihre Mitarbeiter untersuchten vier Jahre lang auf zwölf Galapagosinseln, ob - und wenn ja, welche - Blütenpflanzen die Vögel der Insel besuchen. Dazu fingen sie die Vögel mit Netzen und bestimmten, welche Arten von Pollen an Schnabel und Gefieder hingen.

Das Ergebnis: Alle 19 untersuchten Vogelarten naschen Nektar und Pollen von mehr als hundert verschiedenen Inselpflanzen. Die Vögel, darunter nahezu alle Finkenarten, eine Grasmücke und der Galapagos-Fliegenschnäpper, repräsentierten 83 Prozent der Vogelfauna dieser Inselgruppe. Die meisten von ihnen beschränkten sich nicht auf eine Pflanzenart, sondern besuchten mehrere verschiedene Pflanzen.

Wahlloses Naschen verbreitet eingeschleppte Arten

Die Vögel fräßen zwar eigentlich Insekten oder Samen, schreiben die Wissenschaftler. Da vor allem Erstere auf den Inseln knapp sind, erweitern sie vermutlich mit den reichlich vorhandenen Blütenpflanzen ihr Nahrungsspektrum - so massiv, wie es zuvor noch für keine Wirbeltier-Gemeinschaft gezeigt worden sei, schreiben die Wissenschaftler.

Das Problem: Die Vögel frequentieren einheimische Pflanzen offenbar genauso häufig wie eingeschleppte. Zwei der meistbesuchten Pflanzen - die Echte Guave und das Balsam-Springkraut - gehören zu den invasiven Arten. Indem sie deren Pollen verbreiteten, trügen die Vögel auch zu ihrer Verbreitung bei.

Klein-Grundfink (Geospiza fuliginosa):  Hunger der Vögel bedroht Natur
Ruben H. Heleno

Klein-Grundfink (Geospiza fuliginosa): Hunger der Vögel bedroht Natur

Die Galapagosinseln sind Heimat vieler Vogelarten, die nur dort vorkommen. Sie werden auch Darwin-Finken genannt, weil der Evolutionsbiologe Charles Darwin einige Exemplare von seinem Besuch der Inseln im Jahr 1835 mitbrachte: Die 14 verschiedenen Arten stammen demnach alle von einem Vorfahren ab, den es irgendwann auf die Inseln verschlug. In der Isolation des Archipels breitete sich die Gründerpopulation aus und spaltete sich im Laufe der Zeit in verschiedene Arten auf.

Die heutigen Vögel dort unterscheiden sich unter anderem in ihrer Ernährung und in der Form ihrer Schnäbel. Einige Arten haben dicke und kräftige Schnäbel, mit denen sie auch große Samen knacken können. Andere haben zartere Schnäbel und fressen eher Insekten. Wieder andere können mit ihren Schnäbeln kleine Äste als Werkzeug festhalten, um damit in Löchern nach Nahrung zu stochern.

Korrektur: In der ersten Version dieses Textes hieß es, Darwin habe anhand der Finken die Evolutionstheorie bewiesen. Es waren jedoch nicht die Finken, sondern die Spottdrosseln, die ihm wichtige Hinweise dafür lieferten. Wir bitten um Entschuldigung.

mbe/dpa

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