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Satellitenbild der Woche: Alex, was machst du denn hier?

Foto von der Internationalen Raumstation: Staunen über den Sturm Zur Großansicht
AP

Foto von der Internationalen Raumstation: Staunen über den Sturm

Ein halbes Jahr zu früh, viel zu weit östlich: Hurrikane gibt es normalerweise im Sommer und Herbst über dem West-Atlantik. Warum hat "Alex" diese Woche die Gesetze gebrochen?

Das Ereignis ist vergleichbar mit Schnee im August oder mit Kirschblüte im Dezember. Saison für Hurrikane ist eigentlich vom 1. Juni bis zum 30. November, wenn sich die subtropischen Meere auf der Nordhalbkugel aufgeheizt haben, ihre Wärme die Stürme entfachen kann.

Doch diese Woche drehte "Alex" auf.

"Alex" war der früheste Hurrikan seit 1938. Und es war überhaupt erst das vierte Mal seit 1851, dass in einem Januar ein Hurrikan im Nordatlantik aufzieht - und das erste Mal seit 1978.

Am Donnerstag um 16 Uhr deutscher Zeit war die Sensation perfekt, die US-Wetterbehörde stufte den Sturmwirbel, der etwa 1500 Kilometer westlich der Kanarischen Inseln entstanden war, als Hurrikan ein. Um als Hurrikan zu gelten, muss der Sturm mit mindestens 119 km/h wehen, also mit Orkanstärke.

Die Azoren lagen im Weg. Ausläufer von "Alex" trafen die Inseln mit 130 km/h; zehn Meter hohe Wellen rollten an die Küsten. Gewaltige Regenfluten stürzten hinab.

Auch die Route von "Alex" war äußerst ungewöhnlich: Nur einmal zuvor sei ein Hurrikan so weit östlich im Atlantik gemessen worden, berichtet die Nasa (siehe Karte). "Alex" schob sich stracks nach Nordosten.

Die Wege aller bekannten Tropischen Wirbelstürme seit Beginn der Messungen 1842: Die rote Linie zeigt die Route von "Alex" - so weit östlich treten Hurrikane im Atlantik eigentlich aufnicht auf. Zur Großansicht
NASA/ Joshua Stevens

Die Wege aller bekannten Tropischen Wirbelstürme seit Beginn der Messungen 1842: Die rote Linie zeigt die Route von "Alex" - so weit östlich treten Hurrikane im Atlantik eigentlich aufnicht auf.

Aber wie konnte der Tropische Sturm überhaupt entstehen während der kalten Jahreszeit?

Das Wasser in seinem Entstehungsgebiet war nur 22 Grad warm, laut Lehrbuch also gut vier Grad zu kühl, um Hurrikane zu entfachen. Was ging vor?

Entscheidend war der Temperaturunterschied zwischen Boden und höheren Luftschichten. Strömungen der Luft gleichen solche Unterschiede aus - je größer der Unterschied, desto stärker die Strömung.

Kälte und niedriger Luftdruck in der Höhe über dem Atlantik hätten den milden Sturmwirbel über dem Atlantik extrem angesogen, so dass er sich auf Hurrikanstärke beschleunigen konnte, berichtet die Nasa.

Am Freitag flaute "Alex" ab. Der Atlantik wird schnell kühler im Norden jenseits der Subtropen, dem Sturm ging die Energie aus.

Über dem Nordatlantik dürfte "Alex" nun mit einem Tiefdruckgebiet verschmelzen. Es könnte Regen nach Europa bringen - ein nasser Gruß des vergangenen Sonderlings.

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