Hurrikan an US-Küste Was den Wirbelsturm "Florence" so gefährlich macht

Experten fürchten extreme Überschwemmungen, sollte Hurrikan "Florence" die US-Ostküste erreichen. Der Sturm kann besonders viel Kraft entwickeln, weil der Atlantik in der Region ungewöhnlich warm ist.

NOAA

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Am Donnerstag oder Freitag könnte es so weit sein: Dann, so die bisherigen Prognosen der Hurrikan-Experten, wird "Florence" wahrscheinlich auf die Küste von North oder South Carolina treffen. Binnen weniger Stunden war der Wirbelsturm bereits von der Kategorie zwei auf vier hochgestuft worden. Dies bedeutet: Die Windgeschwindigkeiten sind von etwa 160 auf 220 Kilometer pro Stunde gestiegen.

Experten fürchten sogar, dass "Florence" noch die höchste Kategorie erreichen wird - Stufe fünf der sogenannten Saffir-Simpson-Skala mit 250 Kilometern pro Stunde und mehr. Grund dafür sind die ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen in dem Bereich des Atlantiks, wo "Florence" gerade tobt.

Das Meer sei in der Region um 1,5 Grad wärmer als üblich, sagte der Hurrikan-Forscher Brian McNoldy von der University of Miami der Nachrichtenagentur AP. Dadurch steige die Gefahr, dass der Wirbelsturm sich noch verstärke. Denn er bezieht seine Energie aus dem warmen Wasser - je höher die Temperatur, umso kräftiger wird der Sturm.

Menschen wappnen sich für Rekordsturm

Es sind jedoch nicht allein die höheren Windgeschwindigkeiten, die McNoldy Sorgen machen. Höhere Temperaturen bedeuten zugleich auch, dass die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Laut McNoldys Schätzung dürften es zehn Prozent mehr sein als normalerweise. Und dies dürfte zu noch heftigeren Regenfällen führen.

Große Zerstörungen und hohe Opferzahlen bei Hurrikanen werden in der Regel von den schweren Überschwemmungen verursacht - mitausgelöst von starken Regenfällen. Das National Hurricane Center hat bereits für North und South Carolina sowie Virginia eine Warnung vor lebensbedrohlichen Sturmfluten herausgegeben. Die Niederschlagsprognose wurde auf 38 bis 63 Zentimeter erhöht - punktuell seien sogar 90 Zentimeter möglich.

Eine besondere Wetterlage könne die Lage noch verschlimmern, sagte Ken Graham vom National Hurricane Center. Normalerweise wandern Hurrikane von Süden in Richtung der Küste von Carolina, oft drehen sie dann Richtung Meer ab, das Festland bleibt verschont.

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Hurrikan "Florence": Auf dem Weg zur US-Ostküste

Ein Hochdruckriegel über der US-Ostküste verhindere diesen Pfad jedoch und könne stattdessen dafür sorgen, dass der Sturm tagelang festhänge und sich kaum noch bewege, so Graham. "Je länger er bleibt, umso mehr Wind gibt es und umso mehr Regen." Dies bedeute mehr umgestürzte Bäume und mehr Stromausfälle. "Florence" mache ihm Angst, so der Hurrikan-Experte.

Nach Angaben des "Weather Channel" besteht sogar die Möglichkeit, dass "Florence" der stärkste Hurrikan wird, der je die US-Küste nördlich von Florida getroffen hat. Laut den Daten der US-Ozeanbehörde NOAA haben seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 insgesamt 27 Hurrikane der Kategorien 4 und 5 das Festland der USA erreicht. Nur vier davon trafen die Ostküste nördlich von Florida:

  • Hurrikan "Georgia" am 2. Oktober 1898,
  • Hurrikan "Hazel" am 15. Oktober 1954,
  • Hurrikan "Grazie" am 29. September 1959,
  • Hurrikan "Hugo" am 22. September 1989.

Tropische Wirbelstürme der Kategorien 4 und 5 treten so weit nördlich nur selten auf, weil das Wasser in der Regel nicht warm genug ist, um einen Hurrikan am Leben zu halten. Hinzu kommen die in höheren Breiten tendenziell stärkeren Scherwinde, welche die Bildung von Hurrikanen erschweren.

Folge des Klimawandels?

Die Frage, ob schwere Stürme wie "Florence" infolge der Erderwärmung häufiger auftreten, können Klimaforscher bislang kaum beantworten. In seinem letzten Sachstandsbericht schreibt der Weltklimarat IPCC, es sei "wahrscheinlich", dass die Zahl tropischer Wirbelstürme gleichbleibe oder sogar sinke. Gleichzeitig halten es die Klimaforscher für wahrscheinlich, dass die Windgeschwindigkeit der tropischen Wirbelstürme steigt.

Der Grundmechanismus ist simpel: Ist die Luft wärmer, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Ist das Wasser wärmer, steigt das Risiko tropischer Wirbelstürme. Sie entstehen erst bei Wassertemperaturen ab 26,5 Grad Celsius. Der Klimawandel müsste ihre Formierung also eigentlich fördern.

Doch es gibt auch einen gegenläufigen Prozess. Steigende Temperaturen führen nämlich dazu, dass sich Winde in unterschiedlichen Höhen stärker unterscheiden. Diese sogenannte vertikale Windscherung könne entstehende Hurrikane quasi zerreißen, meint etwa Mojib Latif vom Geomar in Kiel.

Deshalb glauben Klimaforscher, dass die Anzahl der Hurrikane in den kommenden Jahrzehnten trotz höherer Temperaturen nicht zunimmt, womöglich aber ihre Intensität. Ob sie damit recht haben oder nicht, wird man allerdings erst in einigen Jahrzehnten sagen können. Denn die Zahl der Stürme schwankt stark von Jahr zu Jahr, langfristige Trends lassen sich aus den Daten von ein oder zwei Jahrzehnten kaum ablesen.



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