Hurrikan "Florence" Sturm schwächt sich ab - die Angst vor dem Wasser wächst

Wirbelsturm "Florence" nähert sich der US-Ostküste, er wurde zum Hurrikan der Kategorie 2 herabgestuft. Eine Entwarnung ist das jedoch nicht - es drohen schwere Überschwemmungen.

Überschwemmte Dünen in Avon (13.9.2018, North Carolina)
AP

Überschwemmte Dünen in Avon (13.9.2018, North Carolina)


Die Windgeschwindigkeiten sind gesunken. Nach Angaben des National Hurrican Centers (NHC) der USA liegen die Spitzen jetzt bei etwa 175 Kilometern pro Stunde. Damit ist der Wirbelsturm "Florence" nur noch ein Hurrikan der Kategorie 2. Noch vor ein, zwei Tagen hatten Experten befürchtet, dass der Sturm sogar die schwerste Kategorie 5 erreichen könnte - also Windgeschwindigkeiten über 250 Kilometern pro Stunde.

Was erst einmal wie eine gute Nachricht klingt, bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Menschen in den bedrohten Bundesstaaten North und South Carolina aufatmen können. Auch wenn sich der Sturm etwas abgeschwächt habe, drohten weiterhin "lebensgefährliche Überschwemmungen", warnte das NHC. Laut der neuen Prognose soll der Sturm am Donnerstagabend (Ortszeit) auf die Küste treffen.

Dass eine niedrigere Hurrikan-Kategorie keinesfalls bedeutet, dass die Gefahr für Menschen und Gebäude geringer ist, zeigte der Wirbelsturm "Sandy". Als er am 29. Oktober 2012 die US-Ostküste erreichte, war er "nur" noch ein Hurrikan der Kategorie 1. Doch die Schäden waren immens, fast hundert Menschen kamen in den USA ums Leben.

Extrem hohe Windgeschwindigkeiten sind zwar auch eine große Gefahr - viel gefährlicher sind bei Hurrikanen jedoch meist die katastrophalen Überschwemmungen. Die Wirbelstürme bilden sich auf dem Meer über warmem Wasser. Wandern sie Richtung Küste, sorgen sie für mehrere Meter hohe Wellen, die tiefer liegendes Land unter Wasser setzen.

Hinzu kommen die extremen Niederschläge. Bei "Sandy" im Jahr 2012 fielen teils 300 Liter pro Quadratmeter - was einer Wassersäule von 30 Zentimetern entspricht. Die Folge: Der Hudson River trat über die Ufer, in New Jersey brach ein Damm, Hunderttausende Häuser waren ohne Strom.

Beim Hurrikan "Florence" befürchtet das NHC Niederschläge zwischen 40 und 60 Zentimetern - also deutlich mehr als 2012 bei "Sandy". Punktuell seien sogar 90 Zentimeter möglich.

Folgende Grafik zeigt alle Hurrikane, die seit 1851 das US-Festland erreicht haben:

Schaut man sich die Hurrikane der letzten Jahre an, die besonders große und viele Schäden angerichtet haben, fällt auf, dass diese nur selten zu den Kategorien 4 oder 5 gehören. Meist handelt es sich um Stürme der Kategorien 1 bis 3.

Kat 4: Irma + Harvey (2017)

Kat 3: Katrina (2005)

Kat 2: Ike (2008), Matthew (2016)

Kat 1: Irene (2011), Sandy (2012)

Folge des Klimawandels?

Die Frage, ob schwere Stürme wie "Florence" infolge der Erderwärmung häufiger auftreten, können Klimaforscher bislang kaum beantworten. In seinem letzten Sachstandsbericht schreibt der Weltklimarat IPCC, es sei "wahrscheinlich", dass die Zahl tropischer Wirbelstürme gleichbleibe oder sogar sinke. Gleichzeitig halten es die Klimaforscher für wahrscheinlich, dass die Windgeschwindigkeit der tropischen Wirbelstürme steigt.

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Hurrikan "Florence": Auf dem Weg zur US-Ostküste

Der Grundmechanismus ist simpel: Ist die Luft wärmer, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Ist das Wasser wärmer, steigt das Risiko tropischer Wirbelstürme. Sie entstehen erst bei Wassertemperaturen ab 26,5 Grad Celsius. Der Klimawandel müsste ihre Formierung also eigentlich fördern.

Doch es gibt auch einen gegenläufigen Prozess. Steigende Temperaturen führen nämlich dazu, dass sich Winde in unterschiedlichen Höhen stärker unterscheiden. Diese sogenannte vertikale Windscherung könne entstehende Hurrikane quasi zerreißen, meint etwa Mojib Latif vom Geomar in Kiel.

Deshalb glauben Klimaforscher, dass die Anzahl der Hurrikane in den kommenden Jahrzehnten trotz höherer Temperaturen nicht zunimmt, womöglich aber ihre Intensität. Ob sie damit recht haben oder nicht, wird man allerdings erst in einigen Jahrzehnten sagen können. Denn die Zahl der Stürme schwankt stark von Jahr zu Jahr, langfristige Trends lassen sich aus den Daten von ein oder zwei Jahrzehnten kaum ablesen.

hda

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