Neues aus der Geoforschung: Fluss fließt aufwärts, Wanderfelsen am Strand, Wortkrieg ums Klima
Der Hurrikan "Isaac" blies so kräftig, dass er den Mississippi fast einen Tag lang aufwärtsfließen ließ. Außerdem im Überblick zur Geoforschung: In Irland wandern riesige Felsbrocken über den Strand, ein Geisterschiff landet in Kanada - und Krieg der Worte ums Klima.
Hamburg - Hurrikan "Isaac" hatte die schwächste Hurrikanstufe, doch seine Wirkung in den Südstaaten der USA war beträchtlich: Strommasten hielten ihm nicht stand, in Hunderttausenden Haushalten ging das Licht aus. Sturm und Regen hoben das Wasser der Flüsse über die Deiche. Vier Menschen starben.
"Isaacs" fatalste Eigenschaft war seine Behäbigkeit: Der Wirbel zog mit lediglich 15 km/h übers Land, also quasi in Zeitlupe. So mussten die betroffenen Gebiete besonders lange unter massiven Regenfällen weilen - in New Orleans fiel so viel Regen wie in Berlin im ganzen Jahr.
Zehntausende Bewohner im Umkreis mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Die Schäden sind enorm: 700 Millionen bis zwei Milliarden Dollar würden die Versicherer für die Folgen von "Isaac" zahlen müssen, teilte der Risikomodellierer AIR Worldwide mit.
Auch im Mississippi hatte der Hurrikan erstaunliche Folgen: Er ließ den Fluss fast 24 Stunden lang aufwärts strömen, teilt der Geologische Dienst der USA (USGS) mit. Sensoren am Fluss maßen nahezu einen Tag lang eine negative Fließgeschwindigkeit des Stroms - seine Richtung hatte sich umgekehrt.
Über weite Strecken habe sich der Strom zudem um mehr als drei Meter hoch gestaut, berichtet der USGS. "Die Umkehrung der Fließrichtung des mächtigen Mississippi ist ein Maß für die extreme Kraft, die der Hurrikan hatte", sagt USGS-Direktorin Marcia McNutt.
Es passiere zwar nicht oft, dass Hurrikane Flüsse in die andere Richtung drängten. Doch auch Wirbelsturm "Katrina" hatte 2005 den Fluss des Mississippi umgekehrt. "Katrina" war mit Böen von mehr als 300 km/h noch deutlich stärker als "Isaac" mit seiner Windgeschwindigkeit von rund 130 km/h: "Katrina" staute den Strom mehr als vier Meter hoch.
Ebbe im Fluss
Die Forscher wunderten sich über ein weiteres Szenario: "Isaac" habe die Pegel mancher Flüsse zeitweise erheblich gesenkt wie nach langer Dürre, teilt der USGS mit - das Phänomen sei Folge der Spiralform der Hurrikane: Wenn die Wirbel den Wind auf Südwest drehen, drücken sie das Wasser aus den Flüssen der Südstaaten in den Golf von Mexiko.
Geraten die Flüsse aber unter den anderen Spiralarm, treibt der Wind sie nach Norden - manchmal fließen dann selbst große Ströme aufwärts, so wie jetzt. Selten jedoch dauert die Umkehrung fast einen ganzen Tag, wie nun beim Mississippi geschehen. Das Hochwasser hatte vielerorts dramatische Folgen: Ganze Ortschaften wurden geflutet.
- 1. Teil: Fluss fließt aufwärts, Wanderfelsen am Strand, Wortkrieg ums Klima
- 2. Teil: Irland: Das Rätsel der wandernden Felstrümmer
- 3. Teil: Japanisches Geisterschiff nach Kanada getrieben
- 4. Teil: Krieg der Worte ums Klima
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- Mittwoch, 05.09.2012 – 10:14 Uhr
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- Ob Klimawechsel, Rohstoffkrisen, Meerestiefen, oder die vermeintlich feste Erde - Geoforschung bewegt die Welt. Hier berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und Diplom-Geologe Axel Bojanowski über interessante neue Erkenntnisse und Debatten abseits der prominenten Nachrichten - kurz und klar und kritisch.
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