Hype um Leipziger Beutelratte: Das possierlichste Opossum der Welt
Sie ist übergewichtig, hat einen markanten Sehfehler - und macht gerade Karriere. Das Leipziger Opossum Heidi ist das beliebteste Zootier seit Eisbär Knut. Website, Hymne, Plüschtier - obwohl sie erst im Sommer der Öffentlichkeit vorgeführt wird, läuft die Vermarktung schon auf Hochtouren.
Heidi ist nicht im klassischen Sinne schön, auch nicht so niedlich wie einstmals Eisbär Knut. Eher im Gegenteil. In freier Wildbahn hätte sie aufgrund ihrer Handicaps - Übergewicht, Sehfehler - kaum eine Überlebenschance.
Vielleicht ist gerade ihr Außenseiter-Charme der Grund, dass diese Beutelratte zum Idol der Massen taugt: Das schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo ist ein Medienphänomen - obwohl sie den Besuchern des Tierparks erst im Sommer vorgeführt werden soll.
Erstmals erfuhr die Öffentlichkeit im Dezember von Heidi, die in die derzeit entstehende Tropenhalle "Gondwanaland" im Leipziger Zoo einziehen soll. Bei einem Fototermin ist die Beutelratte wegen ihrer Augenfehlstellung bekannt geworden.
"Als ich Heidi zum ersten Mal sah, wusste ich, sie wird ein Star", zitiert die "Bild"-Zeitung den zuständigen Tierpfleger Michael Ernst. Und in der Tat: Erste Aufnahmen des Opossums wurden veröffentlicht und machten die Runde im Netz. Das Boulevardblatt "Daily Mail" aus Großbritannien berichtete - und Heidi bekam ihre eigene Facebook-Seite. Die hat mittlerweile schon mehr als 50.000 Fans. Fernsehsender aus Deutschland und Italien, selbst das estnische Radio befeuerten den Ruhm des Tiers weiter.
Kindheit in den USA
Doch Heidi ist mehr ist als nur ein possierliches Fotomotiv, so bietet ihre Biografie Stoff für zu Herzen gehende Geschichten: Da gibt es zum Beispiel die Information, dass sie als Findelkind im US-Bundesstaat North Carolina aufwuchs und dann über einen dänischen Zoo nach Sachsen kam. Oder der Umstand, dass das Opossum ziemliches Übergewicht mit sich herumschleppte, gerade in seinem zum Klettern sehr wichtigen Schwanz, und nun abspecken muss. All das berichtet sich gut - und mehrt neuerlich Heidis Gesprächswert.
"Für den Zoo kam diese Medienresonanz überraschend und war nicht geplant", schreiben die Tierpfleger auf einer mittlerweile eingerichteten Heidi-Website. Weil aber die Popularität des Tieres auf gute Geschäfte hoffen lässt, folgte der nächste Schritt auf der Vermarktungsleiter: Heidi soll als Plüschtier verkauft werden. Derzeit werde das 20 Zentimeter lange Plüsch-Opossum mit Sehfehler noch entwickelt, erklärte die Bad Kösener Spielzeug Manufaktur aus Sachsen-Anhalt. Lieferbar sei es dann in zwei bis drei Wochen.
"Wir haben schon viele Nachfragen bekommen - bis aus den USA", erklärte eine Firmensprecherin. Wie praktisch, dass die Firma bereits 300 Plüschtiere im Sortiment hat, darunter auch eine - ganz gewöhnliche - Opossum-Familie.
Ganz doll verliebt
Der nächste - und vorläufig letzte - Schritt auf dem Weg zum Ruhm ist nun ein Lied für Heidi. Musiker aus dem Harz haben einen Song über die Beutelratte mit dem Sehfehler geschrieben. Dargeboten wird es von den drei Mädchen Georginia 13, Gina, 8, und Gianna-Tamina, 4. "Die Heidi ist so süß, wie schön, dass es sie gibt. Ich hab mich gleich beim ersten Mal ganz doll in sie verliebt", trällert das Trio.
Die Melodie ähnelt entfernt dem Lied vom Krokodil "Schnappi". Das dürfte eine Hitgarantie sein. Was wiederum den Zoo freuen dürfte, denn der soll die Einnahmen bekommen. "Das Lied war eigentlich nur so ein Spaß für die Kinder", sagte Stefan Langner von der Band 90Grad, der die Hymne komponiert hat. Der Musiker kennt sich allerdings aus mit populären Tieren. Er komponierte auch den Song "Kleiner Eisbär" und konnte so vom Knut-Hype profitieren.
Und wenn es tatsächlich noch mehr Öffentlichkeit braucht, um den Heidi-Hype weiter zu befeuern, dann hat die Sächsische Landesregierung da noch etwas im Angebot: Auf der offiziellen Seite des Freistaats lässt sich ein Bild des Tiers als E-Card versenden. Der Zoo Leipzig hat unterdessen angekündigt, eventuelle Einnahmen aus der Heidi-Vermarktung "in vollem Umfang" in das Artenschutzprojekt "Sabah-Nashorn auf Borneo" zu investieren.
Übrigens schielt Heidis Schwester Naira ebenfalls. Ausreichend Star-Potential.
chs
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