Ich-Bewusstsein bei Affen: Makaken erkennen sich im Spiegel

Sie nahmen den Spiegel und begutachteten sich von allen Seiten: Eine Makakenart erkennt sich selbst im Spiegel, berichten Forscher. Das Ich-Bewusstsein scheint unter Affen demnach verbreiteter als gedacht. Offenbar wurde es bislang mit den falschen Methoden erforscht.

Makake: Erkenne dich selbst. Zur Großansicht
dpa

Makake: Erkenne dich selbst.

San Francisco - Normalerweise ignorieren Tiere das eigene Spiegelbild - oder sie halten es für einen Eindringling, auf den sie aggressiv oder unterwürfig reagieren. Lediglich Menschen, manche Menschenaffen, Delfine und Krähenvögel zeigen ein anderes Verhalten: Malt man ihnen einen Punkt auf die Stirn, wundern sie sich über den ungewohnten Anblick im Spiegel und berühren die Markierung.

Diese Tiere erkennen also eindeutig ihr eigenes Spiegelbild. Daraus schließen Forscher, dass sie über ein Ich-Bewusstsein verfügen und zwischen sich selbst und ihrer Umwelt unterscheiden können. Rhesusaffen versagen bei diesem Punkt-Test regelmäßig, so dass Forscher bisher angenommen haben, ihnen fehle das Bewusstsein für das eigene Selbst.

Luis Populin von der University of Wisconsin-Madison und seine Kollegen sind nach ihrer Studie mit Rhesusaffen nun aber überzeugt, dass auch diese Makakenart sich selbst erkennen kann. Die Punkt-Prüfung sei möglicherweise nicht so aussagekräftig wie bisher angenommen, schreiben sie im Online-Wissenschaftsmagazin "PLoS One".

Die Forscher hatten Elektroden am Kopf von Rhesusaffen befestigt. Bei seinen Experimenten bemerkte Populin, dass sich die Affen offenbar im Spiegel erkannten: Sie säuberten gezielt ihr Fell rund um die Elektroden und untersuchten Teile ihres Körpers, die sie normalerweise nicht sehen können.

Einige Affen packten den Spiegel sogar und hielten ihn so, dass sie sich genauer betrachten konnten. Die Tiere bestehen damit zwar nicht den klassischen Markierungstest, verhielten sich ihrem Spiegelbild gegenüber aber so, wie es nur Tiere tun, die eine Vorstellung von sich selbst haben, meinen Populin und seine Kollegen.

Die Verhaltensanalysen bei den Rhesusaffen ließen den Schluss zu, dass der Markierungstest wahrscheinlich nicht sensibel genug sei, um ein Ich-Bewusstsein auch bei weniger hoch entwickelten Tieren zu entdecken. "Es scheint möglich, dass diese Tiere über ein Bewusstsein ihrer selbst verfügen, das sich von unserem Ich-Bewusstsein unterscheidet und sich möglicherweise nur mit anderen Tests messen lässt", so Populin.

boj/dapd

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