Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Weltbank-Bericht: Illegaler Holzeinschlag bleibt Milliardengeschäft

Weltweit werden mit illegal produziertem Holz pro Jahr 10 bis 15 Milliarden Dollar verdient. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Weltbank. Hinter den krummen Geschäften steckt vielfach das organisierte Verbrechen - das bisher allzu oft unbehelligt bleibt.

Abholzung in Indonesien (im Februar 2012): Schwieriger Kampf gegen illegales Holz Zur Großansicht
Kemal Jufri / Greenpeace / DPA

Abholzung in Indonesien (im Februar 2012): Schwieriger Kampf gegen illegales Holz

Berlin - Die illegalen Holzfäller arbeiten äußerst präzise: Statistisch gesehen verschwindet weltweit alle zwei Sekunden ein Waldgebiet von der Größe eines Fußballfeldes. Diese Zahl nennt die Weltbank in ihrem neuen Bericht "Justice for Forests". Demnach wird das Geschäft mit dem illegal produzierten Holz häufig von kriminellen Banden dominiert. Die legen einen Teil ihrer Gewinne in der Bestechung korrupter Behördenmitarbeiter an - damit die verbotene Holzindustrie möglichst weiter unbehelligt läuft.

In manchen Ländern - Papua Neuguinea zum Beispiel - seien nach wie vor 90 Prozent des gesamten Holzeinschlags illegal, so die Weltbank unter Berufung auf Zahlen von Greenpeace. In Staaten wie Indonesien liegt der Anteil des unerlaubt produzierten Holzes mit 40 bis 55 Prozent noch immer extrem hoch. Immerhin bemühen sich beide Länder - in Grenzen -, dem Problem Herr zu werden.

"Wir müssen die organisierte Kriminalität beim illegalen Holzfällen genau so streng bekämpfen wie Gangster, die Drogen verkaufen oder Schutzgeld erpressen", fordert Weltbank-Manager Jean Pesme. Doch das ist noch ein weiter Weg. Bisher bliebe die große Mehrzahl der entsprechenden Delikte im Verborgenen, so der Bericht. Auf der anderen Seite belaufen sich die Gewinne aus den unerlaubten Geschäften den Weltbank-Experten zufolge weltweit pro Jahr auf 10 bis 15 Milliarden Dollar.

Die USA haben ebenso wie die Europäer erste gesetzliche Schritte gegen den Handel mit illegalem Holz auf den Weg gebracht. Doch Vorsorgemaßnahmen hätten bislang kaum Erfolge gebracht, erklärt die Weltbank. Deswegen sei es auch wichtig, die Strafen gegen illegale Holzdealer zu verschärfen.

Vor allem sollten sich Aktionen gegen die Hintermänner des Handels richten - und nicht wie bisher oft nur gegen niedrigere Chargen der Holzmafia. Denn diese Menschen seien oft durch Armut und Ausbeutung in deren Fänge geraten. Auch Nichtregierungsorganisationen und die Industrie müssten beim Kampf gegen die illegale Rodungen eine stärkere Rolle spielen, do die Autoren des Berichts.

Wie schwierig der nachhaltige Kampf gegen unerlaubte Abholzung freilich in der Praxis ist, beweist das Beispiel Brasilien. Dort betreibt die Regierung sogar ein Satelliten-Überwachungssystem zum Schutz des Amazonasgebiets - mit zwischenzeitlichem Erfolg: Die Bäume wurden eine Zeit lang mit vermindertem Tempo abgeholzt.

Gleichzeitig arbeitet sie die Brasilien aber auch an einem Waldgesetz, das viele Umweltschützer als Freibrief zur illegalen Waldzerstörung kritisieren. Der sogenannte Código Florestal soll unter anderem eine Amnestie für kleinere Betriebe bringen, die vor dem Sommer 2008 illegal abgeholzt hatten. Außerdem sollen unter anderem Schutzzonen an Flussläufen verkleinert werden. Das brasilianische Abgeordnetenhaus muss dem umstrittenen Plan noch zustimmen, die Abstimmung ist zuletzt mehrfach vertagt worden.

chs

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Amazonas: So verschwindet der Regenwald

Multimedia Spezial
SPIEGEL ONLINE
Amazonien: Die Weltklimaanlage

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: