Gewiefte Haustiere Im Dunkeln wird der Hund zum Dieb

Dass ihr Hund sie bestens versteht, werden viele Herrchen und Frauchen sofort unterschreiben. Ein Experiment stützt immerhin die These, dass die Vierbeiner ziemlich genau wissen, wann ein Mensch sie im Blick hat - und dass sie im Dunkeln ein Leckerli stibitzen können, weil der Zweibeiner dann nichts sieht.

Frecher Terrier: Im richtigen Moment zugeschnappt
Corbis

Frecher Terrier: Im richtigen Moment zugeschnappt


Sitz, bei Fuß, Aus, Platz - Hunde sind darauf trainiert, Kommandos zu befolgen. Werden sie darauf hingewiesen, dass sie ein Leckerli nicht fressen dürfen, obwohl sie problemlos dran kommen würden, dann schnappen sie es sich in aller Regel nicht. Zumindest unter den wachsamen Augen ihres Besitzers. Aber was passiert, wenn Herrchen oder Frauchen dem Tier nicht mehr seine Aufmerksamkeit schenken kann? Dann ignoriert so mancher Vierbeiner das vor kurzem gegebene Kommando.

In einer Versuchsreihe haben Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der University of Portsmouth, Großbritannien, getestet, unter welchen Bedingungen Hunde sich ein verbotenes Leckerli schnappen und unter welchen sie es bleiben lassen. Zweck der Experimente war nicht, die Folgsamkeit der Tiere zu prüfen. Vielmehr wollten die Wissenschaftler ergründen, ob sich Hunde in die menschliche Perspektive versetzen können - und richtig folgern, dass der Mensch sie in einem dunklen Raum nicht beim Klauen beobachten kann.

In drei verschiedenen Experimenten mit insgesamt 84 Hunden blieben zumindest ein paar Vierbeiner standhaft, wie die Forscher im Fachmagazin "Animal Cognition" berichten. Egal unter welchen Bedingungen - sie rührten das zu Beginn der Versuche als verboten deklarierte Futter niemals an, wenn der Versuchsleiter, der das klargemacht hatte, noch im Zimmer war.

In zwei Experimenten blieb der Versuchsleiter, der das Futter platziert und dann verboten hatte (mit "Aus" oder "Nein") im Raum - er setzte sich auf einen Stuhl und blickte in die Richtung, in der das Futter lag. Allerdings wurde in einem von vier Durchgängen das Licht im Zimmer komplett gelöscht. In zwei Durchgängen war ein schwacher Lichtstrahl entweder auf den Versuchsleiter oder auf das Futter gerichtet. In einem blieb der Raum erleuchtet.

Die Hunde schnappten sich das Leckerli vor allem dann, wenn der Raum komplett dunkel war. Etwas seltener stibitzten sie, wenn ein Teil des Zimmers beleuchtet war. War das Licht komplett an, senkte das die Diebstahlrate weiter.

Riskanter Diebstahl im Lichtkegel

Juliane Kaminski und ihre Kollegen präsentieren eine mögliche Erklärung dafür, dass die Hunde sich auch seltener ans Futter wagten, wenn der Mensch im Raum komplett im Dunklen saß und nur das Leckerli angestrahlt wurde. Es sei möglich, dass die Hunde folgern können, dass der Mensch sie dann beim Stehlen beobachten könne, schreiben die Wissenschaftler. In völliger Dunkelheit dagegen könne der menschliche Beobachter das nicht - auch das scheinen die Hunde zu wissen.

Die Forscher schränken das Vermögen der Vierbeiner, sich in die menschliche Perspektive einzufühlen, allerdings ein. Wahrscheinlich können die Hunde nur folgern, was ein Mensch gerade in diesem Moment sehen kann und was nicht.

Kompliziertere Situationen dagegen überfordern Hunde: Dass ein Mensch wissen kann, wo ein Gegenstand außerhalb seiner Sichtlinie liegt, weil er mitbekommen hat, wie dieser dort platziert wurde, scheinen Hunde nicht zu begreifen. Andere Tiere, Schimpansen etwa, aber auch die zu den Rabenvögeln zählenden Buschhäher, seien dagegen dazu in der Lage.

Doch selbst wenn Hunden diese Feinheiten abgehen, sind sie extrem gut darin, Signale von Menschen zu deuten - sie interpretieren Blicke und reagieren auf ein Gähnen ebenfalls mit Gähnen, was als Zeichen für Empathie gewertet werden kann.

wbr

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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
felisconcolor 13.02.2013
1. Das kann ich als ehemaliger Hundehalter
nur bestätigen. Hunde sind Schlitzohren. Katzen allerdings auch. Das geht soweit das Packungen an Stellen geöffnet werden, die einem als Mensch nicht sofort auffallen. Mein Kater war da ein Meister drin.
jetzt:hördochauf 13.02.2013
2. Ich kenn das Problem:
Deshalb sind die Lampen im Kühlschrank - da wird man immer erwischt!
Surgeon_ 13.02.2013
3. Interessant !
Für so ein Schwachsinn wird Geld ausgegeben !
Annabelle1811 13.02.2013
4. Schöner Artikel
Hunde sind wirklich schlaue Kerle. Meine Katze verhält sich komischerweise wie ein Hund und wedelt mit dem Schwanz, wenn ich mit ihr Rede. Ich glaube, das ist mein Piccolo in Reinkarnation. Seufz!
AlbertGeorg 13.02.2013
5. Die Wissenschaftler
Zitat von sysopCorbisDass ihr Hund sie bestens versteht, werden viele Herrchen und Frauchen sofort unterschreiben. Ein Experiment stützt immerhin die These, dass die Vierbeiner ziemlich genau wissen, wann ein Mensch sie im Blick hat- und dass sie im Dunkeln ein Leckerli stibitzen können, weil der Zweibeiner dann nichts sieht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/im-dunkeln-wird-der-hund-zum-dieb-a-882812.html
Hundebesitzer wissen seit Ewigkeiten, dass Hunde nicht doof sind. Doof sind die Wissenschaftler die das seit Ewigkeiten nicht akzeptieren wollen und diese Auffassung jetzt mit schwachsinnigen Versuchen korrigieren wollen. Die Höflichkeit verbietet mir, hier einen Kommentar über die Leute abzugeben die diese Versuchsergebnisse als Sensation veröffentlichen.
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