Impulskontrolle: Kakadus gedulden sich für besseres Futter
Den Leckerbissen gleich verspeisen - oder abwarten, um ihn gegen etwas noch Besseres zu tauschen? Letzteres können nur wenige Tierarten. Dazu zählen laut einer neuen Studie auch Kakadus. Ihre Tauschgeschäfte verraten nicht nur etwas über die Kontrollfähigkeit der Vögel, sondern auch über ihre Intelligenz.
Goffin-Kakadus sind ziemlich gewitzte Tiere. Das stellte unlängst ein Papageienmännchen an der Universität Wien unter Beweis: Kakadu Figaro bastelte sich aus Holzspänen Werkzeuge, um damit Nüsse von der anderen Seite des Gitters zu sich zu ziehen.
Nun stellten Forscher der Uni Wien eine Gruppe von Goffin-Kakadus vor eine andere fordernde Aufgabe: Die Vögel bekamen einen Leckerbissen, den sie in den Schnabel nahmen. Wenn sie sich aber geduldeten und ihn nicht anknabberten, konnten sie den Happen gegen etwas noch Besseres oder gegen eine größere Menge Futter tauschen. Wie das Team um Alice Auersperg im Fachmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society berichtet, ließen sich die Kakadus auf diese Tauschgeschäfte ein.
Zu ökonomischen Entscheidungen fähig
Damit zeigten die Papageien, dass sie zu ökonomischen Entscheidungen fähig sind - also auf einen sofortigen Gewinn verzichten können, um erst mehr als ein Minute später einen größeren einzustreichen. Ähnliches Verhalten ist bisher nur bei Affen, Rabenvögeln und Hunden nachgewiesen worden, schreiben die Wissenschaftler. Bereits in den siebziger Jahren stellten Psychologen die Kontrolle drei- bis fünfjähriger Kinder beim berühmten "Stanford Marshmallow Experiment" auf ähnliche Weise auf die Probe.
Der Aufbau des Versuches an der Universität Wien war so gestaltet, dass die Kakadus wussten, gegen was sie später tauschen konnten. Besonders gut hatten sich die Tiere unter Kontrolle, wenn als Tauschobjekt ein Leckerbissen wartete, den sie mehr favorisierten. Ging es lediglich um eine größere Portion, bissen sie häufiger direkt in das Nuss-Stückchen, das sie als erstes erhalten hatten.
Normalerweise würden die Vögel ein Stück Pekannuss, das als am wenigsten beliebter Leckerbissen eingesetzt wurde, direkt fressen, berichten die Forscher. Doch im Tausch-Experiment geduldeten sie sich bis zu 80 Sekunden, um es gegen eine noch leckerere Cashewnuss tauschen zu können. Im Vergleich zu Rabenvögeln, die in einem ähnlichen Versuch bis zu fünf Minuten warteten, ist diese Zeitspanne zwar kurz, doch dafür gibt eine Erklärung. Die Rabenvögel legten die Leckerbissen immer zur Seite, wenn die Wartezeit länger war. Weil Raben, Krähen und ihre Verwandten von Natur aus Futter horten und verstecken, ist das für sie eine Option.
Die Kakadus dagegen sind keine Sammler, sie fressen ihr gesammeltes Futter sofort - und legten daher die Nuss-Stückchen quasi nie ab. Das Experiment erforderte von den Kakadus also ein hohes Maß an Selbstkontrolle. "Stellen Sie sich vor, sie legen einem Kleinkind einen Keks direkt in den Mund und sagen ihm, dass es ein Stück Schokolade bekommt, wenn es eine Minute lang nicht an dem Keks knabbert", beschreibt es Alice Auersperg.
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