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Umweltverschmutzung: Indiens sterbende Gewässer

Ulsoor-See in Bangalore am 7. März Zur Großansicht
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Ulsoor-See in Bangalore am 7. März

Massen toter Fische, weiße Schaumteppiche, stinkende Gasblasen: In Indiens Großstädten verdrecken Seen und Flüsse auf extreme Weise. Die Regierung begegnet der Chemiebrühe mit Zäunen - Anwohner erkranken.

Der Varthursee in Indiens Millionenstadt Bangalore ist so verschmutzt, dass er immer wieder meterhohe Schaumberge produziert. Auf dem Wasser des benachbarten Bellandursees entzündeten sich jüngst Öle und Fette - es sah aus, als brenne der See.

In dieser Woche nun kamen Tausende tote Fische an die Oberfläche des Ulsoorsees inmitten der boomenden Stadt. Sie bildeten einen riesigen Teppich aus Flossen und Schuppen.

"Das ganze Abwasser aus Bangalore landet in den Seen", sagt T.V. Ramachandra, der am Indischen Institut für Wissenschaften (IISC) in Bangalore zu Gewässern forscht. In einer Studie nach der anderen stellt er fest: Sowohl die meisten Fäkalien als auch hochbelastetes Wasser aus der Industrie fließt in die Gewässer.

"Ineffiziente Behörden, achtlose Unternehmen und zahlreiche nebenstaatliche Agenturen haben die Gartenstadt in eine unbewohnbare Stadt verwandelt", heißt es in seinem jüngsten Gutachten zum Varthursee.

Nicht einmal der heilige Ganges bleibt verschont

Schuld an der Katastrophe - nicht nur in Bangalore, sondern in ganz Indien - ist nach Ansicht des nicht-staatlichen Zentrums für Wissenschaft und Umwelt (CSE) die ungeplante Verstädterung.

Es gebe in dem Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt nicht eine zuständige zentrale Stelle, vielmehr schöben unzählige Behörden die Aufgaben immer wieder hin und her. In der Folge würden die Gesetze nicht eingehalten, meint Sushmita Sengupta vom CSE-Wasserteam.

Wo etwa der Fluss Yamuna durch die Hauptstadt Neu Delhi fließt, steigen Methanblasen aus der dunklen, stinkenden Brühe auf. Nicht einmal der heilige Ganges bleibt verschont. Die indische Regierung gibt auf der Homepage der "Nationalen Mission für einen sauberen Ganges" zu, dass der Fluss in manchen Abschnitten zum Baden ungeeignet ist.

"2000 Crore (271 Millionen Euro) wurden schon ausgegeben und der Fluss ist noch immer dreckig", stellte der Supreme Court, das höchste Gericht des Landes, laut indischen Medien jüngst fest.

Nirgendwo aber ist die Verschmutzung so sichtbar wie in Bangalore, der Technologie-Metropole des Landes mit mehr als acht Millionen Einwohnern. Wegen der hohen Einleitung an Waschmittel-Tensiden schäumen die Seen an ihren Ausflüssen.

Mit Maschendraht gegen den Schaum

In der Regenzeit so stark, dass der Schaum Straßen überspült. "Ich komme jeden Tag hier vorbei und sehe, wie der giftige Schaum auf den Autos und den Motorradfahrern landet", sagt die 26-jährige Softwares-Spezialistin Sanchita Jha. "Und das in einer IT-Stadt! Ich schäme mich dafür."

Jha startete eine Onlinepetition und eine Kampagne in den sozialen Medien. Angesichts des öffentlichen Aufschreis versprach Bangalores Infrastrukturbehörde BBMP bei mehreren Treffen im vergangenen Mai, sich schnell um das Problem zu kümmern.

Die sichtbarsten Maßnahmen bislang: Ein großer Maschendrahtzaun verhindert, dass der Schaum die Straße erreicht. Und es werden Chemikalien versprüht, welche die Schaumbildung reduzieren sollen.

Das sei nur Symptombekämpfung, meint Professor Ramachandra. Nötig seien vielmehr Kläranlagen und Algen-Bassins, um das Wasser zu reinigen.

Doch stattdessen würden immer mehr Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff eingeleitet sowie Haushalts- und Bauabfälle in die Seen geschmissen. "Ich habe keine Hoffnung mehr, dass die Behörden auf uns hören. Wir können nur noch vor Gericht etwas erreichen", sagt er.

Aufrufe zum Protest

Außerdem setzt er auf die Aufklärung der Bevölkerung. Statt sich in sein Studierzimmer an der Universität zurückzuziehen, das bis unter die fünf Meter hohe Decke mit Büchern vollgestellt ist, zieht Ramachandra los. Neulich betrat er die Bühne in der Aula der K.K. High School in Varthur, um den Schülern das Problem zu erklären. 50.000 Liter ungeklärtes Wasser, sagte er ihnen, flössen jeden Tag in ihren See. Deswegen stinke das Gewässer so.

Einige der Schüler haben Proben aus den Trinkwasserbrunnen rund um den See entnommen und sie in den Laboren des IISC getestet. Das Wasser habe bei mehreren Parametern über den zulässigen Werten gelegen, erzählt die Zehntklässlerin Pavana Vekatachalapathi ihren Mitschülern.

Eine Befragung der Ärzte in der Ortschaft habe gezeigt, dass viele Bewohner an Hautkrankheiten und Margen-Darm-Problemen leiden, was unter anderem auf das schlechte Wasser zurückgeführt werden könne.

"Schickt E-Mails an den Premierminister. Demonstriert vor dem Büro des Ministerpräsidenten", fordert Ramachandra seine jungen Zuhörer in der Aula auf. Dabei sollten sie darauf achten, dass das Wasser auch wirklich gereinigt und nicht einfach in den nächsten See umgeleitet werde.

"Bittet nicht um sauberes Wasser. Fordert es ein, denn es steht euch rechtmäßig zu."

Von Doreen Fiedler, dpa/boj

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
norgejenta 08.03.2016
Mal sehen wie lange das noch gut geht. Indien wird in einigen Jahren die Chinesen als bevölkerungsreichstes Land mit 1,5 Milliarden Einwohnern ablösen. Haben aber noch weniger Umweltbewusstsein als die Chinesen. NeuDelhli und co. ersticken jetzt schon im Dreck und im Abwasser und ich reg mich auf wegen meinem Betrugs-VW und seinen Stickoxiden....Naja.. auf der zweiten Erde wird alles anders , versprochen....
2. Dem
felisconcolor 08.03.2016
kann man nur noch dadurch begegnen das der Liter kraftstoff bei uns mindestens 5€ und die Plastiktüte 6,50€ kostet. Dann wird das garantiert was mit Indien. Wer jetzt meint das ich n Happen blöd bin... lest doch einfach mal ein paar Artikel über Plastik in Fischen und das in Deutschland alles so schrecklich ist und mit Bildern von südostasischen Stränden garniert sind. Lässt nur einen Schluss zu ist Deutschland 100% öko dann ist die Welt gesund
3. @felisconcolor
fratan666 08.03.2016
Was genau haben Plastiktüten und billiger Kraftstoff in Deutschland nochmal mit Gewässerverschmutzung durch verschiedene Abwasser in Indien zu tun? Nicht aufmerksam gelesen?
4. Noch ein Unterschied zwischen Entwickelter Welt und 3ter Welt
Tr1ple 08.03.2016
Kläranlagen haben wir schon lange. Wieso streichen wir nicht die Entwicklungshilfe und bauen Klärwerke oder Müllverbrennungsanlagen? Das wären viel Sinnvollere Investitionen. Denn der Dreck kommt in die Meere und irgendwann zu uns auf den Teller!
5. Ums Trinkwasser
thequickeningishappening 08.03.2016
wird es noch grosse Verteilungsprobleme geben!
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