Indien Forscher lösen Rätsel der Loch-Wolken

Immer wieder klaffen rätselhafte Löcher im Nebel über Nordindien. Forscher haben herausgefunden, was vor sich geht.

NASA/ Jeff Schmaltz/ MODIS/ LANCE/ EOSDIS

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"Ein Rätsel" sei das Phänomen, staunte die Nasa im Dezember 2016. Bewölkung, die sich vor dem Himalaya-Gebirge über Nordindien staute, hatte für Aufsehen gesorgt - genauer: Löcher, die darin klafften.

Sie erinnerten an sogenannte Hole-Punch-Clouds, die übersetzt Locher-Wolken heißen, allerdings deutlich kleiner sind als jene Wolkenlöcher in Indien. Hole-Punch-Clouds entstehen beispielsweise, nachdem Flugzeuge durch Wolken geflogen sind: Ihre Abgase lassen Regentropfen gefrieren, die daraufhin absinken und Löcher reißen.

Für die großen Wolkenlücken über Nordindien kämen Flugzeuge aber nicht infrage, meinten die Nasa-Forscher. Als sie die Wetterkarte des nebligen Nordindiens auf einen Atlas projizierten, stutzten die Wissenschaftler: Die Wolkenlöcher lagen über oder direkt neben Großstädten. Das größte Loch klaffte über der Riesenstadt Neu-Delhi.

Wie war das Phänomen zu erklären? Die spontane Vermutung von Nasa-Forschern, es gäbe einen Zusammenhang mit den Städten, bestätigt nun eine Studie.

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Wetterphänomen: Wolkenstau am Himalaya

Ritesh Gautam vom Indian Institute of Technology Bombay und Manoj Singh von der University of Petroleum and Energy Studies in Dehradun in Indien, haben Satellitenbilder der betreffenden Region aus der Zeit von 2000 bis 2016 ausgewertet. Sie verglichen die Größe der Wolkenlöcher mit den darunter liegenden Städten.

Es gebe einen "starken Zusammenhang" zwischen Ausmaß von Städten und Wolkenlöchern, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Geophysical Research Letters": Je größer eine Stadt, desto größer das nahe Wolkenloch.

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Ursache für die Lücken sei wohl der Hitzeinseleffekt: Großstädte sind wärmer als die Umgebung. Offenbar, so meinen die beiden Wissenschaftler, lösten sich Wolken und Nebel in der milderen Luft auf - je wärmer Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann Luft aufnehmen, ohne dass sich Wolken bilden.

Zudem entlassen Pflanzen in unbesiedelten Regionen mehr Feuchtigkeit in die Luft als betonierte Städte, sodass sich dort dichtere Wolken bilden können.

Von einer "neuen Dimension" menschengemachter Auswirkungen auf das Wetter, schreibt die American Geophysical Union, Herausgeberin der Studie. Andere Effekte der Zivilisation auf die Witterung sind bereits bekannt - beispielsweise aufs Wochenendwetter.

Ihre Studie, so resümieren Gautam und Singh, demonstriere die Bedeutung der städtischen Wärmeinseln für die Umwelt.

boj

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