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03. Juli 2012, 09:04 Uhr

Indien

Gentechnik steigert Baumwoll-Ertrag

Gentechnisch veränderte Baumwolle kann zumindest für die Kleinbauern in Indien ein Segen sein. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Göttingen in einer Langzeitstudie. Kritiker warnen jedoch vor ungewissen Risiken der grünen Gentechnik.

Göttingen - Das Ergebnis der Studie ist ganz im Sinne der Gentechnik-Verfechter: Indische Kleinbauern profitieren vom Anbau genetisch veränderter Baumwollpflanzen, berichten Forscher der Universität Göttingen. Der Einsatz von Pflanzen, die gegen bestimmte Schadinsekten resistent sind, habe durchschnittlich 24 Prozent höhere Erträge erbracht als der konventioneller Baumwolle, schreiben Matin Qaim und seine Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". In Indien wird Baumwolle überwiegend von Kleinbauern auf Flächen von weniger als zwei Hektar angebaut.

Der Agrarökonom Qaim und seine Kollegen hatten über einen Zeitraum von sieben Jahren Daten zum Baumwollanbau in Indien erhoben. Die Ergebnisse zeigten, dass der Einsatz gentechnisch veränderter Baumwolle, sogenannter Bt-Baumwolle, nicht nur den Ernteertrag und den Gewinn der Bauern erhöhe. Zudem würden weniger chemische Insektizide eingesetzt.

Als Bt-Baumwolle wird gentechnisch veränderte Baumwolle bezeichnet, in die Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis eingesetzt wurden. Die Erbgutabschnitte codieren Proteine, die im Darm von Insekten zu Toxinen umgebaut werden. Auf diese Weise wirken sie gegen den Befall der Pflanzen mit Schadinsekten.

Die Vorteile seien während der Studiendauer tendenziell größer geworden, Resistenzen seien nicht aufgetreten, teilte die Universität Göttingen mit. In Indien seien mittlerweile rund sieben Millionen Baumwollbauern auf die gentechnisch veränderte Baumwolle umgestiegen. Bt-Sorten würden auf rund 90 Prozent der gesamten indischen Baumwollfläche angebaut.

Die in Indien gewonnenen Ergebnisse seien zwar nicht ohne weiteres auf andere gentechnisch veränderte Pflanzen und andere Länder übertragbar, räumte Qaim ein. Die Studie unterstreiche allerdings das Potential der Gentechnik für eine nachhaltige ländliche Entwicklung.

Kritiker bemängeln die ungewissen Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf Umwelt und Artenzusammensetzung. Befürchtet wird etwa ein Genfluss zwischen kultivierten und Wildarten. Bei einigen Bt-Baumwollsorten traten regional Resistenzen der Schädlinge auf. Eine weitere Gefahr ist, dass sich Schadinsekten stärker ausbreiten, denen die Bt-Toxine nichts anhaben. Diese wiederum können vermehrt andere Pflanzengruppen befallen und dort den Einsatz von mehr Insektiziden nötig machen. Ein genereller Freibrief für die Gentechnik ist die neue Langzeitstudie daher nicht.

Gentechnik in der Landwirtschaft ist in Deutschland höchst umstritten. Verbraucher lehnen sie mehrheitlich ab. Es gibt immer wieder Proteste gegen den Versuchsanbau veränderter Pflanzen - nicht nur hierzulande, sondern beispielsweise auch in Großbritannien und in Frankreich. Der Chemieriese BASF hat Anfang des Jahres die Konsequenzen aus der Gentechnik-Skepsis europäischer Verbraucher gezogen. Er verlagerte den Bereich grüne Gentechnik komplett in die USA.

hda/dpa

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