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CO2-Ausstoß: Indien überrascht mit ehrgeizigen Klimazielen

Nebel in Kalkutta: Bekämpfung der Armut im Land habe oberste Priorität Zur Großansicht
AP

Nebel in Kalkutta: Bekämpfung der Armut im Land habe oberste Priorität

Indien stößt am drittmeisten Treibhausgase aus - eine Wende schien nicht in Sicht: Bekämpfung der Armut habe Vorrang vor Klimaschutz. Nun überrascht der Riesenstaat mit Plänen, seinen CO2-Ausstoß erheblich zu mindern.

Als letzter großer CO2-Emittent hat Indien seine Pläne zur Eindämmung der Erderwärmung veröffentlicht. Der Staat mit seinen fast 1,3 Milliarden Einwohnern will die Intensität seiner Treibhausgasemissionen bis 2030 um 33 bis 35 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern, heißt es in einem in der Nacht zum Freitag veröffentlichten Papier.

Die Intensität der Treibhausgasemissionen beschreibt die Menge an Treibhausgasen, die für ein bestimmtes Wirtschaftswachstum aufgewendet werden muss.

Vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris waren alle Länder dazu aufgerufen, sich selbst Ziele zu setzen. Indien will vor allem den Ausbau von Solar-, Wasser- und Windenergie massiv vorantreiben. Umweltschützer bedauerten, dass aber auch der Bau von Kohlekraftwerken weiter voranschreite.

Indien hatte sich bei Klimaverhandlungen lange Zeit geweigert, starre Obergrenzen für Treibhausgasemissionen zu akzeptieren. Die Bekämpfung der Armut im Land habe oberste Priorität, das gehe nur mit der Nutzung aller verfügbaren Energien, hatten führende Politiker stets betont.

Außerdem trügen entwickelte Länder wie die USA und die Staaten Europas eine historisch erheblich größere Schuld am Klimawandel. Selbst heute steht das Land zwar beim Gesamtausstoß auf Platz drei, pro Person aber emittiert Indien lediglich 1,7 Tonnen Kohlendioxid pro Person im Jahr, während es in den USA 16,6 und in China 7,4 sind.

Brasilien prescht vor

Auch das wichtige Schwellenland Brasilien hat soeben ehrgeizige Treibhausgasminderungsziele für den geplanten Weltklimavertrag vorgelegt. Das fünftgrößte Land der Welt will seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern. Bis 2025 sollen die Emissionen um 37 Prozent reduziert werden.

Für die Reduzierung soll in Brasilien die Abholzung des Regenwaldes deutlich verringert werden. Staatschefin Dilma Rousseff will die illegale Abholzung bis 2030 auf null bringen. In diesem Jahr will das Land zudem seinen Energiebedarf bis zu 45 Prozent mit erneuerbaren Energien abdecken. "Unsere Ziele sind genauso ehrgeizig oder ehrgeiziger als die der entwickelten Länder", versicherte Rousseff.

Bei den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen Mitte August hatte Rousseff betont, Brasilien wolle Deutschland und den anderen G7-Staaten bei dem Ziel folgen, bis Ende des Jahrhunderts komplett aus der Nutzung von Kohle, Öl und Gas auszusteigen. Damit bekannte sich erstmals ein G20-Mitglied außerhalb der G7 zu diesem Ausstiegsziel.

Als Vermittler zwischen Entwicklungs- und Industrieländern fällt Brasilien eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen für den Weltklimavertrag zu, der im Dezember unterzeichnet werden soll. Beim Uno-Gipfel in Paris sollen sich alle 196 Staaten zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen verpflichten.

Bislang haben 146 Staaten ihre Pläne zur Treibhausgasreduzierung vorgelegt, die für knapp 80 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. Es wird erwartet, dass in den kommenden Wochen weitere Zusagen eingereicht werden.

Wie steht es um den Klimavertrag?

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels blieb unerwähnt, dass es sich um die Intensität der Treibhausgasemissionen handelt. Wir haben korrigiert und bedauern den Fehler.

boj/dpa

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insgesamt 527 Beiträge
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1.
ir² 02.10.2015
Physikalisch unmöglich. Ich fange jetzt nicht wieder an vorzurechnen warum eine CO2 freie Menschheit eine Steinzeitkultur ist, aber die "Klimaziele" werden genau so schöngerechnet wie der NOX Ausstoß in der Automobilindustrie. Auf dem Papier alles politisch korrekt, die Realität ist eine andere. CO2 ist ein harmloses, ja wichtiges, Spurengas. Niemand muss das kontrollieren oder reduzieren,es geht nur um's Geld, unser Geld, welches im Namen der Klimakirche umverteilt werden soll.
2. Der Chef geht voran.
volker.rachui 02.10.2015
Wen wundert's. Der ewige Chef des IPCC ist ein Inder. Dass gerade in den asiatischen Großstädten permanent Smogalarm herrscht, hat nur indirekt mit CO2 zu tun. Weiß man doch, dass dieses verteufelte, aber lebensnotwendige Gas farb- und geruchlos ist. Bilder von vernebelten Städten, Leute mit Mundschutz und Wasserwolken speiende Kühltürme werden immer wieder gern zur bildlichen Untermalung von Klimakatastrophen-Beiträgen verwendet. Seit Vietnam kennt man die Suggestivkraft der Bilder. Scheinbar herrscht auch hier ein Krieg der Bilder, um den Feind (Mensch) in die Knie zu zwingen. Die Wissenschaft ist krank. Sie bedarf einer Therapie!
3. Wieso...
märcheneeg 02.10.2015
...klammert der Spiegel mal wieder aus, dass Indien neben dem Ausbau von Wind-, Solar- und Kohle auch verstärkt auf Kernenergie setzen will? Zur Wahrheit einer Berichterstattung gehört auch die Vollständigkeit, ob einem das nun gefällt oder nicht!
4. Ismail El Gizouli
dritter_versuch 02.10.2015
Zitat von volker.rachuiWen wundert's. Der ewige Chef des IPCC ist ein Inder. Dass gerade in den asiatischen Großstädten permanent Smogalarm herrscht, hat nur indirekt mit CO2 zu tun. Weiß man doch, dass dieses verteufelte, aber lebensnotwendige Gas farb- und geruchlos ist. Bilder von vernebelten Städten, Leute mit Mundschutz und Wasserwolken speiende Kühltürme werden immer wieder gern zur bildlichen Untermalung von Klimakatastrophen-Beiträgen verwendet. Seit Vietnam kennt man die Suggestivkraft der Bilder. Scheinbar herrscht auch hier ein Krieg der Bilder, um den Feind (Mensch) in die Knie zu zwingen. Die Wissenschaft ist krank. Sie bedarf einer Therapie!
Ismail El Gizouli ist aus dem Sudan.
5.
waddehaddeduddeda 02.10.2015
Zitat von volker.rachuiWen wundert's. Der ewige Chef des IPCC ist ein Inder. Dass gerade in den asiatischen Großstädten permanent Smogalarm herrscht, hat nur indirekt mit CO2 zu tun. Weiß man doch, dass dieses verteufelte, aber lebensnotwendige Gas farb- und geruchlos ist. Bilder von vernebelten Städten, Leute mit Mundschutz und Wasserwolken speiende Kühltürme werden immer wieder gern zur bildlichen Untermalung von Klimakatastrophen-Beiträgen verwendet. Seit Vietnam kennt man die Suggestivkraft der Bilder. Scheinbar herrscht auch hier ein Krieg der Bilder, um den Feind (Mensch) in die Knie zu zwingen. Die Wissenschaft ist krank. Sie bedarf einer Therapie!
Laut WHO sterben jährlich mehrere Mio. Menschen an verdreckter Luft. http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/
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