Schmallenberg-Virus: Höhepunkt der Tierseuche überschritten

Die Infektionswelle mit dem für Rinder, Schafe und Ziegen gefährlichen Schmallenberg-Virus scheint abzuflauen. Dennoch gibt es keine Entwarnung. Der Erreger, der schwere Missbildungen bei neugeborenen Tieren auslöst, könnte im kommenden Jahr zurückkehren.

Lamm (Januar 2012): Schmallenberg-Infektion führt zu schweren Missbildungen Zur Großansicht
dapd

Lamm (Januar 2012): Schmallenberg-Infektion führt zu schweren Missbildungen

Riems - Die für Rinder, Schafe und Ziegen gefährliche Infektionswelle mit dem Schmallenberg-Virus hat ihren Höhepunkt überschritten. Innerhalb der vergangenen Woche wurden in Deutschland von lediglich 24 weiteren Betrieben erkrankte Tiere gemeldet, sagte die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Elke Reinking, am Mittwoch. Der Rückgang hänge mit dem Ende der Lamm- und Abkalbezeit zusammen, sagte Reinking. Seit dem ersten Nachweis im November 2011 wurde eine Infektion bei Rindern, Schafen und Ziegen in 1710 deutschen Ställen nachgewiesen.

Die trächtigen Muttertiere hatten sich im Spätsommer 2011 infiziert - den Erreger hatten Gnitzen übertragen, die Schafe, Ziegen und Rinder stechen. Das Schmallenberg-Virus verursacht bei den danach geborenen Lämmern, Ziegenkitzen und Kälbern schwere Missbildungen. Die meisten betroffenen Jungtiere starben nach Angaben des FLI. Ausgewachsene Tiere haben nach einer Infektion Fieber, Durchfall und grippeähnliche Symptome. Dem FLI liegen keine Angaben über die Gesamtzahl der erkrankten oder toten Tiere in den betroffenen Betrieben vor.

Reinking sagte, es sei davon auszugehen, dass bereits infizierte Tiere inzwischen eine Immunabwehr aufgebaut hätten und nicht erneut erkrankten. Diesen Rückschluss ließen Versuche des Instituts auf der Ostseeinsel Riems zu, bei denen Tiere gezielt infiziert wurden.

Impfstoff steht frühstens 2013 zur Verfügung

Ob das Virus in den Larven der Gnitzen überwintern konnte und so in die nächste Generation getragen wurde, sei noch unklar. Ohnehin bestehe die Gefahr, dass die diesjährige Gnitzengeneration den noch aktiven Erreger derzeit über das Blut neugeborener Lämmer, Kitze oder Kälber aufnehme. Dann könne ein neuer Infektionszyklus in Gang gesetzt werden. Ein Impfstoff steht nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts frühestens ab 2013 zur Verfügung.

Das Schmallenberg-Virus war auch in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Luxemburg, Spanien und Dänemark aufgetreten. Europaweit seien bei Schafen nicht mehr als vier Prozent der Betriebe betroffen gewesen, bei Rindern nicht mehr als zwei. In Deutschland waren bisher rund 800 Rinder-, 860 Schaf- und 50 Ziegenhaltungen betroffen. Seit Ende März 2012 besteht eine Meldepflicht.

Experten gehen davon aus, dass das Schmallenberg-Virus für Menschen keine Gefahr darstellt.

wbr/dpa

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