Knochensplitter

Knochensplitter Sensationen findet man in Schränken

Knochensplitter: Kleine Saurier, große Bilder Fotos
Silvio Renesto

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Die Präparation eines Fossils ist ein Prozess, der mitunter Jahre dauern kann. Und manchmal dauert es dann noch viel länger, bis man erkennt, was man da gefunden hat. So erging es Paläontologen in Österreich, die eine im Wortsinn kleine Sensation in einem Archivschrank entdeckten.

Christoph Spötl vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Innsbruck schildert, wie es dazu kam: "Durch einen glücklichen Zufall kamen wir am Institut für Geologie der Universität Innsbruck vor wenigen Jahren in den Besitz zweier Fossilstücke aus Seefeld. Diese wurden vor etwa 25 Jahren von einem Sammler, der anonym bleiben möchte, gefunden und lagerten seither in seiner Privatsammlung."

Bis Spötl und Kollegen sich das Stück ansahen und zur Analyse weitergaben: Silvio Renesto von der Uni Insubria (Varese, Italien) gilt als Experte für Fossilien des Trias. Auf der Ölschieferplatte zeichneten sich deutlich die ungewöhnlich vollständigen Überreste eines sehr kleinen Reptils ab. Der betreffende Seefelder Ölschiefer wird auf etwa 210 Millionen Jahre taxiert. Das Fossil stammte also aus dem Obertrias, dem Zeitalter, das dem Jura vorausging. Der Verdacht lag nahe, dass es sich bei dem Reptil um einen Vertreter der Protorosauria handeln konnte.

Und zwar um ein Prachtstück: Die Österreicher hatten einen jugendlichen Langobardisaurus pandolfii im Schrank entdeckt - erst das fünfte Fossil, das überhaupt gefunden wurde, und das bisher schönste seiner Art, gerade einmal 25 Zentimeter lang und äußerst grazil (siehe Bildergalerie).

Der alpine Tiroler Fels, aus dem er geborgen wurde, war einst der Grund eines flachen Meeres. Man darf davon ausgehen, dass der gefundene Langobardisaurus eine Insel bewohnte und nach seinem Ableben ins Wasser gespült wurde. Ein besonders sauerstoffarmes Milieu in größeren Tiefen begünstigte die Fossilierung und Bildung des fossilreichen Seefelder Ölschiefer - ein Muster, das man auch aus Messel kennt (siehe Bildergalerie links).

Mehr zur Entdeckung des Langobardisaurus bei der Uni Innsbruck.

Kurz & Knapp: Paläo-Tipps für das Wochenende

  • Sonderausstellung: Seit Donnerstag zeigt das Naturkundemuseum Karslruhe "Bodenlos - durch die Luft und unter Wasser". Es geht ums Fliegen, Schweben, Schwimmen und vergleicht auf 900 Quadratmeter Ausstellungsfläche Ansätze der biologischen Evolution mit menschlichen Techniken. Die Ausstellung "zum Entdecken und Mitmachen" geht weit zurück: Einen eigenen Schwerpunkt bildet die Welt der Pterosaurier und Vögel. Neben einigen Fossilien sind vor allem Modelle zu sehen. "Bodenlos" ist bis zum 27. Oktober zu sehen. Preise, Adressen und Details bietet die eigens eingerichtete Webseite zur Show.
  • Neueröffung: Erst seit dem 15. März gibt es das Naturkundemuseum des Universalmuseum Joanneum in Graz, Österreich. Auf 1500 Quadratmeter geht es quer durch die Evolutionsgeschichte. Ein besonderes Highlight ist das 26 Meter lange gemalte "Panorama der Erdgeschichte" des Künstlers Fritz Messner. Solche "Murals" haben in der Präsentation erdgeschichtlicher Forschung eine lange Tradition. Alles Nötige zum neuen Museum erfährt man auf der Webseite des Joanneum.
  • Endspurt: Der letzte Monat der Messel-Sonderausstellung "Willkommen aus der Urzeit" im Museum Alexander Koenig in Bonn hat begonnen. Nur noch bis zum 21. Mai hat man dort Gelegenheit, die Highlights aus der Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt zu bewundern. Eine besondere Gelegenheit ist das nicht zuletzt, weil man das in Darmstadt selbst nicht kann: Das Museum dort ist noch bis Ende 2013 wegen Renovierungen geschlossen. Details zur Sonderausstellung auf der Webseite des Koenig-Museums.

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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wach hält.
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