Ameisenköniginnen Wer keine Kinder bekommt, muss kämpfen

Wenn Ameisenköniginnen keine Kinder bekommen können, lässt die Gemeinschaft sie normalerweise sterben. Jetzt haben Forscher eine Ausnahme bei Blattschneiderameisen in Panama entdeckt: Dort schulen die Tiere um.

Königinnen ohne Flügel können nicht auf Hochzeitsflug gehen - und keine Kolonie gründen
dapd/ Volker Nehring

Königinnen ohne Flügel können nicht auf Hochzeitsflug gehen - und keine Kolonie gründen


Freiburg/London - Eine Ameisenkönigin ist von Geburt an dafür bestimmt, eines Tages für den Fortbestand ihrer Art zu sorgen. Denn nur ihre Kaste kann sich fortpflanzen und Nachwuchs produzieren. Arbeiterinnen und Soldatinnen sind dagegen unfruchtbar. Ist eine junge Königin ausgewachsen, geht sie auf Hochzeitsflug und paart sich. Anschließend wirft sie ihre Flügel ab und gründet einen eigenen Staat. Wenn aber eine Jungkönigin vorher ihre Flügel beschädigt oder verliert, bleibt sie im Nest und stirbt normalerweise nach kurzer Zeit - oder wird sogar von ihren Schwestern gefressen.

Jetzt hat ein internationales Forscherteam allerdings entdeckt, dass kinderlose Ameisenköniginnen diesem Schicksal entgehen können: Manche schulen um. Gelingt es einer jungen Königin der Gattung Acromyrmex nicht, eine eigene Kolonie zu gründen, wird sie zur Kriegerin. Sie hilft fortan bei der Verteidigung und Pflege ihrer Mutterkolonie.

"Wir waren bei unseren Untersuchungen in Panama sehr überrascht, als wir bei Acromyrmex Königinnen fanden, die ihren Bau verteidigten", sagt Erstautor Volker Nehring von der Universität Freiburg. Denn bei anderen Ameisenarten seien die Königinnen unumkehrbar auf die Fortpflanzung und die Produktion von Eiern spezialisiert. Hier kennen Ameisen normalerweise keine Gnade: Eine Königin, die diese Aufgabe nicht erfüllt, muss sterben. Jetzt habe man eine Ausnahme von dieser Regel entdeckt, berichten die Forscher im Fachmagazin "Current Biology".

Verliert bei den Blattschneiderameisen der Gattung Acromyrmex eine Jungkönigin ihre Flügel, bleibt sie am Leben und übernimmt Aufgaben einer Arbeiterin: Sie verteidigt das Nest gegen Angreifer und pflegt die Brut. "Es scheint, als wüssten diese Prinzessinnen, dass sie sich ohne Flügel niemals paaren und eine eigene Kolonie gründen können", sagt Nehring. Deshalb bleibe ihnen nur, ihren unverletzten Schwestern zu helfen und bei Angriffen den Bau zu verteidigen.

Kinderlose Königinnen werden aggressiv

Die für Ameisenköniginnen ungewöhnliche Umschulung beobachteten die Forscher auch, als sie Jungköniginnen in einem Ameisenbau absichtlich die Flügel entfernten. Dadurch hätten die Ameisen ihr Verhalten geändert: Sie reagierten aggressiv auf den Geruch von Nestfremden. Das sei bei Jungköniginnen, die ihre Flügel noch besaßen, nur sehr selten der Fall, sagen die Wissenschaftler. Zudem zeigten die flügellosen Jungköniginnen ein Verhalten sehr ähnlich dem der Arbeiterinnen und kümmerten sich um Ameisenlarven. Ein solches Verhalten sei bisher nur von Ameisenvölkern bekannt, bei denen immer mehrere Königinnen in einem Stock leben und die nicht auf Hochzeitsflug gehen. "Wir kennen aber keinen Fall bei Kolonien mit einer einzigen Königin", sagen die Wissenschaftler.

sus/dapd



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