Urzeit-Blutsauger: Hornissengroße Flöhe bissen Flugsaurier

In der Urzeit war das Leben größer - auch Insekten besaßen enorme Ausmaße. Chinesische Forscher haben jetzt in der Mongolei zwei Floharten entdeckt, die sogar Saurier traktierten. Die Blutsauger waren so groß wie Hornissen.

Riesenfloh: "Pseudopulex jurassicus" lebte vor 165 Millionen Jahren und biss Dinos Zur Großansicht
Oregon State University/ Wang Cheng

Riesenfloh: "Pseudopulex jurassicus" lebte vor 165 Millionen Jahren und biss Dinos

Peking - Flugsaurier hatten vor 165 Millionen Jahren kaum Feinde, die kleiner waren als sie. Gegen die schmerzhaften Bisse der Urzeitflöhe konnten aber selbst die Riesenechsen nichts ausrichten. Chinesische Forscher haben jetzt zwei der Blutsaugerarten entdeckt, die sich an Saurier heranmachten.

Die Wissenschaftler stießen bei Ausgrabungen in der Inneren Mongolei auf die Fossilien von Pseudopulex jurassicus und Pseudopulex magnus. "Diese flohähnlichen Urzeitparasiten waren zehnmal so groß wie moderne Flöhe", schreiben Wissenschaftler um Tai-ping Gao vom College of Life Sciences in Peking im Fachmagazin "Current Biology". Der gemeine Hundefloh ist nur etwa zwei Millimeter lang.

Aus Sicht des Wirts war Pseudopulex magnus der fiesere Zeitgenosse. Er lebte in der Kreidezeit, also vor rund 145 Millionen Jahren. Er war bis zu 22 Millimeter lang und hatte fünf Millimeter große Fangzähne. Sein etwas älterer Artverwandter Pseudopulex jurassicus verdankt seinen Namen dem Jurazeitalter, in dem er vor rund 165 Millionen Jahren lebte. Er war 17 Millimeter lang und hatte Zähne, die jeweils drei Millimeter lang waren.

Die beiden Insektenarten spezialisierten sich der Studie zufolge auf Flugsaurier. Im Gegensatz zu ihrer entfernten Flohverwandtschaft von heute hüpften sie nicht von Wirt zu Wirt. Luftige Sprungmanöver wären wegen ihrer Anatomie unmöglich gewesen, schreiben die Forscher.

Die Parasiten hätten keine Flügel gehabt und mit ihren relativ zarten Beinen nicht springen können. Stattdessen suchten sie sich nur ein Opfer aus und traktierten es, so lange sie lebten. Dicke Saurierpanzer und Schuppen waren für die beiden Blutsauger kein Hindernis, glauben die Wissenschaftler.

"Der Biss muss sich angefühlt haben wie eine Spritze"

"Sie hatten flache Körper wie Wanzen und große Krallen, mit denen sie problemlos die gepanzerte Haut eines Sauriers durchbohren konnten", erklärt Gao. Raue Borsten am ganzen Körper sowie eine Reihe Klammern an den Beinen verhinderten, dass die Flugsaurier die Insekten einfach abschüttelten. In der Kreidezeit befiel Pseudopulex Magnus auch mittelgroße Säugetiere.

"Heute beißen 94 Prozent der 2300 bekannten Floharten nur Säugetiere, der Rest ernährt sich von Vogelblut", schreibt der US-Zoologe George Poinar in einem Kommentar in "Current Biology". "Der Biss dieser Flöhe muss sich angefühlt haben wie eine Spritze."

Gao und seine Kollegen vermuten, dass die beiden Parasitenarten höchstens entfernt mit modernen Hundeflöhen verwandt sind. "Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei den Urzeitflöhen um eine separate, inzwischen ausgestorbene Abstammungslinie handelt."

ajo

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Dinosaurier
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite