Sinkende Spermienqualität Hitzewellen plagen Insekten

Womöglich sind nicht nur negative Umwelteinflüsse wie Pestizide für das weltweite Insektensterben verantwortlich - sondern auch Hitzewellen. Darauf deuten zumindest Laborexperimente britischer Forscher hin.


Auf der Suche nach Gründen für das weltweite Insektensterben haben Forscher einen weiteren möglichen Faktor identifiziert: steigende Temperaturen. Im Fachmagazin "Nature Communications" berichtet ein Team um den Evolutionsökologen Matthew Gage von der University of East Anglia von Versuchen mit dem Rotbraunen Reismehlkäfer, den sie als Modellorganismus eingesetzt haben.

Den Erkenntnissen der Forscher zufolge hat Hitze vor allem einen negativen Einfluss auf die Fortpflanzungsfähigkeit der männlichen Tiere. Die Forscher setzten die normalerweise in den Tropen vorkommenden Käfer für fünf Tage Temperaturen von fünf bis sieben Grad über den davor üblichen Werten aus. Damit wollten sie die Auswirkungen einer Hitzewelle simulieren, wie sie etwa in europäischen Ländern im Sommer auftreten kann.

Der Käfer fühlt sich bei 35 Grad wohl - doch die Wissenschaftler drehten den Thermostat diesmal noch deutlich höher. Dabei zeigte sich, dass in der Folge die Spermienmenge und -qualität bei den männlichen Tieren massiv abnahm. Die Menge der Spermien habe sich beispielsweise halbiert, erklärten die Wissenschaftler.

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Mehrere aufeinanderfolgende Hitzeperioden hätten die Tiere quasi steril gemacht, so die Forscher. Weibliche Tiere seien zwar nicht direkt betroffen gewesen, doch habe die Fruchtbarkeit auch bei ihnen gelitten. Nach Ansicht der Wissenschaftler hat das damit zu tun, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Überlebensfähigkeit der Spermien in ihrem Körper durch die Erwärmung abgenommen hatte.

Bei Säugetieren ist der Zusammenhang gut bekannt, dass zu hohe Temperaturen schlecht für die Spermienqualität sind. Das ist auch der Grund, warum die Hoden bei vielen Arten außerhalb des Körpers liegen - weil sie dort weniger stark erhitzt werden. Für wechselwarme Tiere wie Insekten war der Effekt bisher dagegen noch nicht gesichert.

Bestenfalls Teil der Erklärung

Klimaforscher gehen davon aus, dass Hitzewellen im Rahmen des Klimawandels in Teilen der Welt zunehmen werden. Klar dürfte jedoch sein, dass der neu entdeckte Effekt bestenfalls einen Teil der Erklärung für den markanten Rückgang vieler Insektenbestände liefert. Als ein weiterer, womöglich deutlich wichtigerer Faktor gilt der massive Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft.

Insekten sind wichtig, zum einen in ihrer Funktion als Bestäuber von Pflanzen, zum anderen als Teil der Nahrungsketten. In Deutschland hat sich die Bundesregierung vorgenommen, den Insektenschutz mit einem Aktionsprogramm zu fördern. Darin sind mehr Hecken, blühende Feldränder, weniger Pestizide und ein Kampf gegen Lichtverschmutzung vorgesehen.

chs



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