Insektenvolk-Sterben: Rätselhafter Bienentod alarmiert US-Landwirte

Sterben sie durch Pestizide, Parasiten, Stress? In den USA sind im Winter im großen Stil Bienenvölker verendet, schon das vierte Jahr in Folge - das belegen nun veröffentlichte Zählungen. Experten warnen vor schweren Schäden in der Landwirtschaft, da die Insekten nicht mehr genug Blüten bestäuben.

Bienenschwarm (Archivbild): Zahl der Bienenvölker seit 2007 stark dezimiert Zur Großansicht
AFP

Bienenschwarm (Archivbild): Zahl der Bienenvölker seit 2007 stark dezimiert

Im Winter sterben Bienen - das ist für Imker nicht neu. Ungewöhnlich ist allerdings, was Bienenzüchter schon seit mehreren Jahren in den USA - aber nicht nur dort - beobachten. Ganze Völker verschwinden, tote Insekten finden sich jedoch nicht. Colony Collapse Disorder (CCD) haben Forscher das mysteriöse Phänomen genannt, das die Zahl der Bienenvölker seit etwa 2007 stark dezimiert.

Nun liegen die Ergebnisse der neuesten Bienenzählung vor - und auch in diesem Winter hat die Colony Collapse Disorder in den USA viele Opfer gefordert. 33,8 Prozent aller Bienenvölker sind im Vergleich zum Herbst 2009 in den USA gestorben oder verschwunden, berichtet der Agricultural Research Service des US-Gesundheitsministeriums. Die Zahl ist fast genauso groß wie im Winter 2007/08 (35,8 Prozent) und deutlich größer als 2008/09 (28,6 Prozent).

Basis der Statistik ist eine Umfrage zu 22,4 Prozent der rund 2,5 Millionen Bienenvölker der USA. Jeffrey Pettis vom Bee Research Laboratory des Agricultural Research Service in Beltsville betonte, dass bei der Befragung CCD-Fälle und andere Gründe, die zum Verschwinden von ganzen Völkern geführt haben könnten, nicht unterschieden werden können. Zudem werden in der Studie keine Verluste erfasst, die im Sommer auftreten.

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland sind in den vergangenen Jahren massenhaft Bienen gestorben. Obwohl Wissenschaftler schon seit Jahren das Phänomen CCD erforschen, kennen sie bislang keine eindeutige Erklärung dafür. Als mögliche Ursachen gelten Pestizide, Parasiten- oder Virenbefall und Stress, der das Immunsystem der Tiere angreift. Als Auslöser kommen auch Kombinationen dieser Gründe in Frage.

Pestizide oder Handys Schuld?

Im Sommer 2009 hatten US-Forscher berichtet, dass bei den betroffenen Bienen die Eiweiß-Synthese offenbar gestört ist. Ein Grund dafür könnten Viren sein, vermuten die Wissenschaftler um May Berenbaum und Reed Johnson von der University of Illinois in Urbana-Champaign. Auch der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft könnte die Tiere belasten. Im März 2010 hatten Wissenschaftler in Pollen, Wachs und dem Körper von Bienen 121 verschiedene Pestizide nachgewiesen.

Was auch immer die Ursache von CCD ist - das massenhafte Sterben von Bienenvölkern ist in den USA kein neues Phänomen. Um 1880 trat es ebenso auf wie 1920 und in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Gründe für den Bienentod fanden Forscher auch damals keine. Die Hypothese, dass Mobilfunkstrahlung Schuld an CCD sein könnte, gilt längst als widerlegt.

Sorgen macht den Experten vom Agricultural Research Service vor allem, dass Bienen eine große wirtschaftliche Bedeutung in der Landwirtschaft haben. Es geht nach Angaben der Behörde immerhin um Früchte und Pflanzen im Wert von etwa 15 Milliarden US-Dollar, die von der Bestäubung durch Bienen abhängig sind.

hda

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bienensterben
touri 02.05.2010
Ich dachte es wäre schon vor Jahren bekannt gewesen, dass das Bienensterben durch einen Parasiten ausgelöst wurde. Hab mal etwas gegoogelt: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/872661&_z=859070
2. Tricky Natur.
larkmiller 02.05.2010
Die Natur ist wirklich trickreich. Jahrzehntelang haben Monsanto&Co die Ertraege in der Landwirtschaft optimiert, offensichtlich bis zum Stillstand. Weil ohne Bienen nuetzt denen das ganze Bio-HiTec nichts. Wahrscheinlich kommen die Bienen erst wieder, wenn die Grossbauern und Agrarkonzerne zur Einsicht gekommen sind oder Pleite gegangen sind. Oder es setzt ein schwunghafter Handel mit Miet- oder Kaufvoelkern ein, dann dauert es eben ein paar Jahre laenger bis zur Einsicht. So oder so, wenn die Bienen weg sind, gibt es keine Ernten. Dumm gelaufen.
3. Ob es wohl die Sonnenflecken sind ?
frank_lloyd_right 02.05.2010
"Um 1880 trat es ebenso auf wie 1920 und in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts." Also genau parallel zu Perioden extrem geringer Sonnenfleckentätigkeit - da liegt mit Sicherheit der Hund begraben.
4. Das Thema muß gesellschaftlich wahrgenommen werden
Alienor60 02.05.2010
Solange die Bieneninstitute offziell verharmlosen, und alles auf die deutschen Imker schieben, die "zu dämlich für eine korrekte Varroabehandlung sind" (Zitat eines Instituts-MAs), und verzweifelte Imker nur in Imkerforen unter sich diskutieren, so lange wird sich in Deutschland nichts ändern - und hier lagen die Verluste nach Aussagen der Paketbienenimporteure deutlich HÖHER als in den USA, nämlich um die 50%. Der Gesellschaft als ganzes muß langsam mal deutlich klargemacht werden, was dieses Bienensterben bedeutet, sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch, denn wenn die Bienen sterben, sind andere empfindlichere Arten schon lange tot. Und wenn die Bienen nicht mehr überleben können, weil die Umwelt sie zu stark schädigt, dann sollte man mal hinterfragen, was die moderne Landwirtschaft so alles in die Böden bringt, was sich hinterher im Essen unserer Kinder wiederfindet. Gerade bei Nachwachsenden Rohstoffen wie Mais für Biogasanlagen darf mit ganz anderen Kalibern gespritzt werden als für Futter- oder Lebensmittelproduktion. Daß es immer weniger Bienen werden, kann man leicht an fast jedem deutschen Apfel sehen: ein Apfel kann bei optimaler Bestäubung 10 Kerne bilden (und reift auch nur dann zu seiner ihm möglichen Höchstgröße heran)- wie viele stecken in Ihrem Apfel? Wer weiß denn schon hier in Deutschland, welche handelsüblichen Früchte und Gemüse auf Bienenbestäubung angewiesen sind, und kann sie aus dem Handgelenk aufzählen? Man wundert sich, wie viele es sind...... Das Bienensterben ist das zur Zeit am meisten unterschätzte ökologische Problem weltweit. Imker und ihre Bienen haben keine Lobby wie Konzerne, ihre Öffentlichkeitsarbeit wird kaum wahrgenommen. Hierzulande sterben die Bienen genauso, aber niemand interessiert das....nicht mal den Spiegel.
5. Dafür gäbe es eine Lösung
shokaku 02.05.2010
Zitat von Alienor60Hierzulande sterben die Bienen genauso, aber niemand interessiert das....nicht mal den Spiegel.
Einfach behaupten das Bienensterben hinge mit dem Klimawandel zusammen. Das würde für reichlich Interesse sorgen. Und der Wahrheitsgehalt juckt in dem Bereich ja eh keinen mehr.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Landwirtschaft
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 42 Kommentare