Insel Rügen Teile der legendären Tempelburg abgestürzt

Ein Kreideabbruch auf der Insel Rügen hat auch Teile der slawischen Wallanlage nahe des Kaps Arkona zerstört. Die legendäre Tempelburg und Kultstätte der Ranen stammt aus dem 6. Jahrhundert und war nur noch zu einem Drittel erhalten.


Kap Arkona - Die verstärkten Abbrüche an Rügens Steilküste machen Archäologen immer größere Sorgen: Nun sind auch Teile der berühmten Tempelburg am Kap Arkona in die Tiefe gerutscht. Das sagte Andreas Heinemann von der Freiwilligen Feuerwehr Putgarten am heutigen Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der "Ostsee-Zeitung". Bei dem Kliffabbruch seien auch Teile des verfüllten inneren Wallgrabens verloren gegangen, berichtet das Blatt. Nach Ansicht von Archäologen waren in dem Festungsabschnitt vermutlich Überreste aus der Slawenzeit gelagert.

Luftaufnahme: Steilküstenabbruch am Kap Arkona
DPA

Luftaufnahme: Steilküstenabbruch am Kap Arkona

"Es ist bedauerlich, vor allem, weil es sich um einen relativ großen Abbruch handelt", sagte der Archäologe Detlef Jantzen vom Landesamt für Denkmalpflege der Nachrichtenagentur dpa. Angesichts der küstendynamischen Prozesse sei jedoch damit zu rechnen gewesen. Die Archäologen wollen voraussichtlich von Mittwoch an in der Absturzmasse nach archäologischen Funden, wie Reste aus Opfergruben, suchen.

Die sogenannte Jaromarsburg galt bis zum 12. Jahrhundert als Kultstätte der Ranen, die dort dem Gott Swantevit huldigten. Errichtet wurde sie im 6. Jahrhundert. Die etwa 300 mal 350 Meter große Festung am Kliff war durch einen 13 Meter hohen Burgwall geschützt und wurde um 1168 bei Eroberung Rügens durch die Dänen zerstört. Der Absturz ist nicht der erste: Die Wallanlage war in der Vergangenheit bereits zu zwei Dritteln ins Meer gestürzt. In den vergangenen 200 Jahren ist die Küste an dieser Stelle etwa 50 Meter zurückgegangen.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben den von weiteren Abstürzen bedrohten Strandabschnitt zwischen dem Kap und dem ehemaligen Fischerdörfchen Vitt inzwischen mit einem Zaun abgeriegelt. Nach Angaben der Nationalparkverwaltung sind Spaziergänge unterhalb der Steilküste derzeit lebensgefährlich. Gesperrt wurden daher auch ein Hochuferweg sowie ein Treppenabgang.

Am vergangenen Wochenende waren etwa 40 Meter vom Kap Arkona entfernt rund 1600 Kubikmeter Gestein und Kreide in die Tiefe gerutscht. Im Dezember waren an der Steilküste bereits schätzungsweise 1500 Kubikmeter Geröll abgebrochen. Angesichts der feuchten Witterung rechnen Experten mit weiteren Hangrutschungen.

hda/ddp/dpa



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