Inselverzwergung Auf Kreta lebten Mammuts im Miniaturformat

Mammuts waren gigantische Tiere - bis auf die Arten, die sich auf Inseln verirrt hatten. Auf Kreta lebte ein urzeitliches Rüsseltier, das nicht größer und schwerer war als ein Pony. Forscher haben Gewicht und Größe anhand fossiler Zähne ermittelt - und dabei ein altes Missverständnis ausgeräumt.

Natural History Museum, London

Auf Kreta lebten vor rund drei Millionen Jahren Mammuts im Miniaturformat: Die Tiere hatten lediglich eine Schulterhöhe von 1,13 Meter und wogen im Schnitt nicht mehr als 310 Kilogramm. Das ermittelten zwei britische Forscher, indem sie fossile Backenzähne vermaßen. Normale Festland-Mammuts erreichten eine Größe zwischen 2,5 und 3,5 Metern und ein Gewicht von vier bis fünf Tonnen.

Eine ganz neue Entdeckung ist das kleine Rüsseltier nicht: Seine Überreste wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden. Bislang hielt man die Art aber für einen kleinen Elefanten (Palaeoloxodon creticus).

Erst neue Fundstücke und der Vergleich mit anderen urtümlichen Elefantenformen zeigten jetzt, dass das Tier zu den Mammuts gehörte. Die Wissenschaftler nannten die Art jetzt Mammuthus creticus. Seine geringe Größe hängt wohl mit seinem Leben auf der Insel zusammen, das unter anderem durch ein begrenztes Futterangebot gekennzeichnet war, schreiben Victoria Herridge und Adrian Lister vom Natural History Museum in London im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B".

Ganze Reihe von Insel-Zwergelefanten bekannt

Unter Elefanten existiert eine ganze Reihe von Beispielen für die sogenannte Inselverzwergung, bei der das Leben auf einer Insel große Tiere mit der Zeit schrumpfen lässt. So kennen Forscher Zwergelefanten-Funde von Sardinien, Sizilien, einigen kalifornischen Inseln, der russischen Wrangelinsel und eben auch Kreta.

Für den Mittelmeerraum gilt der ausgestorbene Europäische Waldelefant, Elephas antiquus, als Stammform der Zwergvarianten. Allerdings wurde bereits vor einigen Jahren diskutiert, ob der kleine Dickhäuter von Kreta auch von dieser Art abstammte. Ein griechisches Forscherteam untersuchte damals einige Erbgutfragmente aus den Fossilien und kam zu dem Schluss, dass der bis dahin Elephas creticus genannte Mini-Elefant eher den Mammuts zuzuordnen sei.

Die Studie habe allerdings so gravierende methodische Mängel gehabt, dass sie nicht allgemein akzeptiert wurde, erläutern Herridge und Lister. Um die Debatte zu beenden, verglichen sie die Form der Backenzähne des Kreta-Rüsseltiers mit denen anderer Elefanten und Mammuts. Darunter waren der Europäische Waldelefant, das Südmammut, das Steppenmammut, das Wollhaarmammut und Mammuthus rumanus, eine sehr urtümliche Form, ebenso wie mehrere Zwergelefanten. Das Fazit der Forscher: Die Zähne, die auf der Akrotiri-Halbinsel im Nordwesten von Kreta gefunden wurden, zeigen stärkere Übereinstimmungen mit denen von Mammuts als mit denen von Elefanten.

Die Zähne verrieten den Forschern noch mehr über Mammuthus creticus: Das Tierchen stammte wohl von einer recht frühen Mammut-Variante ab und könnte schon vor dreieinhalb Millionen Jahren auf der Insel gestrandet sein - sehr viel früher als bisher angenommen.

wbr/dapd

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