Intelligenz Krähen lösen abstrakte Aufgaben

Krähen vollbringen geistige Leistungen, die nur Menschen und Affen zugetraut wurden: Sie ordnen Spielkarten nach abstrakten Kategorien - für die Lösungen müssen sich Menschen sehr konzentrieren.

Krähe: Wissenschaftler sprechen von Meisterleistungen
Lomonosov Moscow University

Krähe: Wissenschaftler sprechen von Meisterleistungen


Hamburg - Krähen können abstrakte Zusammenhänge erkennen - und zwar spontan, ohne vorheriges Training. Das schreiben Forscher aus Russland und den USA, die zwei Aaskrähen verschiedenen Tests unterzogen, in der Fachzeitschrift "Current Biology".

Die Tiere sollten aus jeweils drei Karten, auf denen diverse Symbole abgebildet waren, die beiden Zusammengehörigen auswählen - und lagen mit ihrer Entscheidung meist richtig. Die Wissenschaftler sprechen von einer "Meisterleistung".

In dem Versuch ging es für die beiden Aaskrähen (Corvus corone) zunächst mit einer einfachen Aufgabe los: Die Vögel sollten von drei Karten jene beiden einander zuordnen, deren Symbole in Form, Farbe und Anzahl identisch waren. Nur wenn sie richtig entschieden, bekamen sie zur Belohnung Futter.

Krähen beim Kartenspiel: Trefferquote von 78 Prozent
Lomonosov Moscow University

Krähen beim Kartenspiel: Trefferquote von 78 Prozent

In der zweiten Versuchsphase wurde es dann schwieriger: Die Karten trugen keine identischen Symbole mehr. Stattdessen hatten die Abbildungen auf zwei der jeweils drei Karten nur noch einen abstrakten Zusammenhang. Auch Menschen müssen sich konzentrieren, um die Einordnungen zu erkennen.

Ein Beispiel: Zu einer Karte mit zwei gleich großen Quadraten gehörte eine andere mit zwei gleich großen Kreisen, nicht aber eine dritte mit Kreisen unterschiedlicher Größe.

In dieser Phase bekamen die Krähen für jede Wahl Futter, egal wie sie abschnitten. Dennoch lagen sie meist richtig - im ersten Durchgang durchschnittlich bei 78 Prozent ihrer Entscheidungen.

Dies sei eine phänomenale Leistung, wird Ed Wasserman von der University of Iowa in Iowa City in einer Mitteilung der Hochschule zitiert. Die Krähen hätten Zusammenhänge erkannt, ohne dafür speziell trainiert worden zu sein. Schon mit Training wäre die Trefferquote beeindruckend, betont er. Aber als spontane Reaktion handele es sich um eine Meisterleistung, die zuvor nur bei Menschen und Affen gezeigt worden sei.

Allerdings, so räumt der Psychologe ein, habe der erste Versuch den beiden Krähen ein Verständnis für das Konzept von Gleichheit ermöglicht. Dieses hätten sie dann in der zweiten Phase auf komplexere Zusammenhänge übertragen.

Jahrzehntelang habe man die Fähigkeit zu abstraktem Denken nur Menschen und Menschenaffen zugestanden, wird Anthony Wright von der University of Texas in Houston in der Mitteilung zitiert. "Die anscheinende Spontaneität dieses Resultates macht es umso bemerkenswerter", sagt der Neurobiologe. Und der Kognitionspsychologe Joel Fagot von der französischen Universität Aix-Marseille meint: "Die Hinweise häufen sich, dass Tiere mehr tun können als bisher bekannt."

Es ist nicht das erste Experiment, in dem Krähen mit ihrer Intelligenz überraschen. In einem anderen Versuch bewiesen die Tiere, dass sie so klug sind wie in einer antiken Fabel beschrieben. Mit Steinen soll eine Krähe in einer Erzählung des griechischen Dichters Äsop den Wasserstand in einem Krug so erhöht haben, dass sie daraus trinken konnte. Die Wissenschaftler trainierten Neukaledonische Krähen (Corvus moneduloides), dies nachzuahmen - mit Erfolg.

Hässliches Entlein, schöner Schwan

Elena Zelle, dpa/boj

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insgesamt 38 Beiträge
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Ossifriese 22.12.2014
1. Ente trente
Und da die Vögel von den Sauriern abstammen - vielleicht hat es doch intelligente Raptoren gegeben. Und die haben mit Hilfe ihrer Intelligenz und einfacher Technik die übrige Sauriererei schlicht ausgerottet. Zeit dazu hätten sie wohl gehabt. Die Menschen schaffen es in weniger als 2 Millionen Jahren... ;-)
Loddarithmus 22.12.2014
2. Das scheint mir aber ...
... eine ziemlich limitierte Kriterienanzahl zu sein: Immer 3 Karten, immer die selben zwei Farben (rot/blau), immer die selbe Anordnung auf der Karte (die beiden gegenüber liegenden Ecken), immer die Karten in der selben Lage (rot oben rechts/blau unten links), immer zwei gleiche Symbole (Art und Größe) als richtige Wahl, etc. . Wäre schon interessant, alle getesteten Kombinationen zu kennen.
AundZwanzig 22.12.2014
3. Wenn man nicht blind ist, dann deuten viele alltägliche...
...Aktivitäten von Rabenkrähen (Nebelkrähen gibt es im Nordosten, nicht hier in Karlsruhe) auf Abstraktionsvermögen hin. Seit Jahren beobachten wir hier Rabenkrähen, die auf die Ampelphasen achten, bevor sie die Strasse aus irgendwelchen Gründen überqueren. Sie benutzen die Autos auch zum Knacken von härteren Sachen, indem sie, wenn für die Autofahrer Rot ist, diese Sachen auf die Strasse legen und dann bis zur nächsten Rotphase abwarten, um sich die geknackten Sachen zu holen. Das, und auch andere Verhaltensweisen, besonders im Zusammenhang mit der Strassenbahn, sind offensichtlich nicht angeboren, sondern erlernt, weil die jungen Vögel weit ungeschickter agieren.
kosiak 22.12.2014
4. Drängend
Habe auf einem Mittags-Parkplatz ein halbes Hähnchen gegessen. Fliegt eine Krähe neben das Fahrerfenster und schaut mich an. Werfe ihr ein Stück Bretze hin. Am nächsten Tag sieht die Krähe mein Auto kommen, setzt sich aufs Dach und klopft. Werfe ihr ein Stück meiner Semmel raus. So geht das jetzt eine Woche lang.
al2510 22.12.2014
5. Das Leben einer Krähe ist doch viel anspruchsvoller
als jenes eines Professors. Es gibt kein Geld, keinen Supermarkt, keine warme Stube. Also muss man auch klüger sein. Vielleicht hat das Tier ja auch nur erkannt bei welcher Wahl der Mensch die größte Freude hat. Ob der Vogel den Tester sehen oder hören konnte ist im Beitrag nicht genannt worden. Ist aber für das Verständnis wichtig. Stockte dem Tester der Atem bei der richtigen Wahl oder hat er die Augen aufgerissen wie Scheunentore, das wissen wir alles nicht. Je glücklicher der Tester um so mehr Futter. Um so glücklicher die Krähe. Das ist Intelligenz eine Win/Win Situation für beide.
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