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Intelligenz: Schweine erkennen ihr Spiegelbild

Der Club der Ich-Bewussten wächst: Neben Primaten, Elefanten, Delfinen und einigen Vögeln erkennen sich auch Schweine im Spiegel selbst. Ein Experiment hat gezeigt: Das Borstenvieh braucht zwar eine Weile, doch dann weiß es, wen es vor sich hat.

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In den Spiegel geschaut: Auch ein Schwein erkennt sein eigenes Ich

Washington - Die meisten Tiere können es nicht. Auch menschliche Babys entwickeln erst nach etwa einem Lebensjahr die Fähigkeit, sich selbst im Spiegel zu erkennen. Doch die Liste derer, die sich offensichtlich ihrer selbst bewusst sind, wächst. Jetzt haben Forscher bewiesen, dass auch Schweine dem exklusiven Club angehören.

Wenn Tiere einen Spiegel vor die Nase gehalten bekommen, reagieren sie entweder gar nicht oder glauben, einen Artgenossen vor sich zu haben. Den ignorieren sie entweder, versuchen mit ihm zu spielen oder greifen ihn an. Die acht Schweine, die an den Experimenten an der britischen University of Cambridge teilnahmen, verhielten sich zunächst nicht anders.

Donald Broom und seine Kollegen steckten die Tiere fünf Stunden lang immer zu zweit in eine Box mit einem Spiegel. Erst studierten die Tiere ihre Reflexion, die ihres Artgenossen und das Bild ihrer Umgebung sehr sorgfältig. Einige Schweine grunzten ihr Spiegelbild an, eines schubste den Spiegel gar so fest mit der Nase an, dass er zerbrach.

Die Schweine interpretierten zunächst das Bild als einen weiteren Artgenossen - ein klassischer Fehler, den viele Tierarten machen und über den die meisten nicht hinauskommen. Doch überraschenderweise änderten die Schweine ihr Verhalten innerhalb der fünf Stunden und fielen auf den Trick mit dem Spiegel nicht mehr herein. Augenscheinlich lernten sie, was der Spiegel tatsächlich zeigte und wie ihre eigenen Bewegungen mit denen im Spiegel zusammenhingen.

Trick durchschaut

Sie konnten dieses Wissen sogar umsetzen, offenbarte der zweite Teil der Studie, die Broom und seine Kollegen im Fachblatt "Animal Behaviour" veröffentlicht haben. In diesem Abschnitt wurde jedes Schwein einzeln in eine Box gesetzt, die wiederum einen Spiegel enthielt. Zusätzlich gab es dort auch noch einen Futternapf. Den konnten die Tiere aber nur im Spiegel sehen, weil er hinter einer Abdeckung versteckt war. Sieben der acht getesteten Schweine ließen sich davon nicht beirren: Zielstrebig wandten sie sich vom Spiegel ab und liefen direkt auf den Napf hinter der Barriere zu - nicht einmal 25 Sekunden brauchten sie, um den Trick zu durchschauen.

Für Broom ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich die Schweine der Situation und auch ihrer eigenen Rolle beziehungsweise Position darin bewusst waren. Um nämlich den Futternapf zu finden, mussten sie sich zum einen daran erinnern, was sie im Spiegel gesehen hatten. Zum anderen war es erforderlich, das Prinzip der Spiegelung zu verstehen und ihre Bewegungen dazu in Relation zu setzen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad müssten sich die Tiere demnach ihrer selbst bewusst sein, folgert Broom.

Kurios ist allerdings, dass die Schweine beim klassischen Test zur Selbsterkennung versagten: Normalerweise wird Tieren dafür eine Markierung - etwa ein weißes Kreuz - auf die Stirn gebracht. Wenn etwa Elefanten sich selbst im Spiegel erkennen und die Markierung sehen, schlagen sie mit ihrem Rüssel an die eigene Stirn - und nicht etwa an den Spiegel. Auch einige Primaten, Delfine und Elstern bestehen diesen Test.

Doch die Schweine reagierten nicht auf die Farbmarkierungen. Broom erklärt sich das damit, dass die Tiere Farbmarkierungen aus der Massenhaltung gewöhnt seien. Dennoch betont Broom, der dem britischen Zentrum für Tierschutz und Anthrozoologie - der Lehre von den Beziehungen zwischen Mensch und Tier - angehört, dass es dringend nötig sei, die Haltungsbedingungen für derart intelligente Tiere zu verbessern.

cib/ddp

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