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Intelligenzforschung: Dumme Fliegen leben länger als kluge

Intelligenz ist nicht immer von Vorteil - jedenfalls bei Fliegen: Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass klügere Fliegen um etwa ein Drittel kürzer Leben als dümmere Artgenossen. Der Grund: Die erhöhte Hirnaktivität kostet die Tiere wertvolle Energie.

Lausanne - Ihr geräuschvolles und zielloses Umherschwirren kann einem den letzten Nerv rauben und macht beim menschlichen Betrachter keinen besonders intelligenten Eindruck. Dass die Gehirne von Fliegen nicht sonderlich hoch entwickelt sind, hat aber offenbar einen tieferen Grund.

Fliege am Grashalm: Intelligenz nicht von Vorteil für Lebensdauer
AP

Fliege am Grashalm: Intelligenz nicht von Vorteil für Lebensdauer

Die Wissenschaftler Tadeusz Kawecki und Joep Burger von der Universität Lausanne fanden heraus, dass intelligente Fliegen nicht älter als 50 bis 60 Tage werden. Normalintelligente Artgenossen bringen es auf immerhin 80 bis 85 Tage. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Zeitschrift "Evolution".

Für ihr Experiment teilten die Wissenschaftler die Population der Fruchtfliege Drosophila in zwei Gruppen ein: Die erste lebte frei von äußeren Einflüssen weiter, die zweite konditionierten Kawecki und Burger nach der Pawlow'schen Methode, so dass sie den Geruch einer Nahrung mit einem bestimmten Geschmack oder einen im Labor zugefügten Schock mit einem bestimmten Duft verbinden konnten. Dazu strömten sie bei der Fütterung einen bestimmten Duftstoff ein, oder schüttelten die Teströhrchen, während sie einen anderen Duftstoff hinzugaben. Die Fliegen, die die besten Lerneffekte aufwiesen, wählten die Forscher zur Fortpflanzung aus.

Nach 30 bis 40 Generationen erhielten die Forscher intelligente Fliegen, die deutlich lernfähiger als ihre Vorfahren waren, ein wesentlich besseres Gedächtnis hatten - aber eine deutlich geringere Lebensdauer.

Den "negativen Zusammenhang zwischen einer Verbesserung der Lernkapazitäten einer Fliege und ihrer Lebensdauer" führen die Wissenschaftler auf den erhöhten Energiebedarf eines besser entwickelten Gehirns zurück. Etwa 20 bis 25 Prozent der Energiereserven einer Fliege verbraucht das Denkorgan. Sei es besonders aktiv, altere das Insekt schneller: "Das erklärt, weshalb bei Fliegen und den meisten anderen Tieren die neuronalen Fähigkeiten kaum ausgebildet sind."

dme/AFP/dpa

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