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Intelligenztest: Krähen benutzen drei Werkzeuge in Folge

Krähen haben in einem Experiment erneut erstaunliche Intelligenz bewiesen. Die Tiere benutzten drei Werkzeuge hintereinander, um Futter aus Röhren zu angeln. Ein derartig komplexer Gebrauch gilt eigentlich als Zeichen menschlicher Intelligenz.

Wie einzigartig ist die menschliche Intelligenz? Diese Frage drängt sich angesichts jüngster Forschungsergebnisse immer stärker auf - denn Wissenschaftler entdecken nicht nur bei anderen Primaten, sondern zuletzt auch immer öfter bei Vögeln erstaunliche Hirnleistungen. Krähen bauen sich selbst Werkzeuge und reiten zum Spaß auf Wildschweinen umher, Papageien demonstrieren in Videos ein geradezu unheimliches Taktgefühl - alles Fähigkeiten, die noch vor einigen Jahren allein Menschen oder bestenfalls Menschenaffen zugetraut wurden.

Krähe mit Werkzeug: Erstaunliche Leistung im Experiment Zur Großansicht
DPA / Simon Walker

Krähe mit Werkzeug: Erstaunliche Leistung im Experiment

Nun haben Krähen im Experiment erneut Verblüffendes demonstriert: Sie benutzten nicht ein, sondern drei Werkzeuge hintereinander, um an einen Leckerbissen zu gelangen - und manche mussten dafür nicht einmal trainieren.

Forscher der University of Oxford hatten Nahrung in kleine Röhren gelegt, die an einer Seite verschlossen waren. Nur mit einem speziellen Werkzeug konnten die sieben Krähen an das Futter herankommen. Allerdings: Um das Werkzeug zu bekommen, mussten die Vögel erst zwei andere benutzen. Das erledigten sie mehrfach mit Bravour. Einige Krähen lösten die Aufgabe bereits im ersten Anlauf, ohne vorher zu üben.

Dieser spontane, komplizierte Werkzeuggebrauch von Tieren wurde bislang nur bei Affen und Halbaffen beobachtet, schreibt das Team um Alex Kacelnik im frei zugänglichen Online-Fachblatt "PLoS One". Das besondere an den neuen Experimenten sei, dass die Vögel die Werkzeuge zielgerichtet benutzt hätten, um andere Werkzeuge zu erlangen. Dies gelte eigentlich als Zeichen menschlicher Intelligenz.

Die Auswahl und der Austausch der Werkzeuge sowie die Verbesserung über die Dauer des Experiments hätten gezeigt, dass die Krähen nicht zufällig, sondern zielgerichtet vorgegangen seien. Die Forscher schränken jedoch ein, dass dies noch kein handfester Beweis für die These sei, Krähen seien zu menschenähnlicher Planung fähig.

Die Geschicklichkeit der Geradschnabelkrähen von der Pazifikinsel Neukaledonien ist Wissenschaftlern bekannt. In der Natur bewaffnen sich die Vögel mit eigens angefertigten lanzettartigen Werkzeugen, um damit nach Insekten zu stochern. Auch hatten Forscher in Neuseeland bereits gezeigt, dass die Krähe zwei Werkzeuge hintereinander benutzen kann. Die Laborkrähe Betty verblüffte Forscher damit, dass sie einen Draht gar zu einem Haken bog, um damit einen kleinen Futterbehälter aus einer Röhre zu angeln.

mbe/dpa

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