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Internet-Rechner: CO2-Schleuder Mensch

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Jeder Mensch trägt enorm zur Erderwärmung bei - wie stark, das enthüllen jetzt CO2-Rechner im Internet. Korpulente Steakliebhaber sind die Klimakiller, Vegetarier und schlanke Frauen dagegen die Öko-Sieger.

Dass Flugzeuge und Autos gewaltige Klimakiller sind, weiß inzwischen jedes Kind. Der Kampf gegen Kohlendioxidschleudern sollte bei ihnen allerdings nicht aufhören - sondern noch viel weiter gehen. Das verdeutlichen Online-CO2-Rechner, mit denen jedermann zumindest grob seine persönliche Klimabilanz berechnen kann.

Die Programme fragen die Lebensumstände ab: Wohne ich in einem betagten Einfamilienhaus oder in einem mehrgeschossigen Neubau mit guter Wärmedämmung? Wie viele Kilometer lege ich pro Jahr mit Auto, Zug und Flugzeug zurück? Wie hoch ist meine eigene Stromrechung?

Aus all diesen Daten ermitteln die CO2-Rechner dann den individuellen Kohlendioxidausstoß. Im Internet gibt es eine Vielzahl solcher Rechner. Viele konzentrieren sich auf die Bereiche Verkehr, Heizung und Strom, weil hier die Kalkulation am einfachsten ist.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt versucht mit seinem CO2-Rechner einen möglichst umfassenden Ansatz. Auch Ernährungsgewohnheiten (Vegetarier oder Fleischesser?) werden berücksichtigt, ebenso die Art der Lebensmittel, die man kauft. Kaufe ich im Markt vor allem lokale Produkte oder esse ich häufig Tiefgekühltes aus dem Supermarkt? Ähnlich ausführlich arbeiten am ehesten noch die CO2-Rechner von Quarks & Co, Umweltbildung.at aus Österreich und Ecospeed aus der Schweiz.

Vegetarier als Hybridwagen?

Der Durchschnittsdeutsche verursacht übrigens rund zehn Tonnen CO2 pro Jahr. Die meisten Rechner kommen in etwa auch auf diesen Wert, wenn man sie mit den Daten eines Städters füttert, der im Jahr 10.000 Kilometer Auto fährt, zweimal auf eine Flugreise geht (davon einmal über den Atlantik) und in einem modernen Mietshaus wohnt. Mit 19,4 Tonnen liefert Greenpeace Berlin einen Ausreißer nach oben. Der CO2-Rechner des Mineralölkonzerns BP kommt hingegen auf nur sechs Tonnen pro Jahr. Die persönliche CO2-Bilanz scheint offenbar auch eine Frage der Perspektive zu sein.

Die eigene Klimabilanz enthält aber auch einige Überraschungen, vor allem was den eigenen Ernährungsstil betrifft. Vegetarier und Frauen, die relativ wenig essen (rund 2000 Kilokalorien pro Tag) erweisen sich als praktizierende Klimaschützer. Sie verursachen mit ihrer Ernährung nur zwischen 0,65 und 0,98 Tonnen CO2 pro Jahr. Ein typischer Fleischesser kommt hingegen auf 1,82 Tonnen, schätzt das Bayerische Landesamt für Umwelt. Ursache ist unter anderem das klimaschädliche Methan, das beispielsweise bei der Rinderhaltung entsteht.

Die Differenz ist so groß, dass Vegetarier und Frauen locker einmal nach Mallorca und zurückfliegen können - ihre CO2-Bilanz wäre dann immer noch günstiger als die des Fleischessers. Ein Flug auf die spanische Mittelmeerinsel von München aus schlägt nämlich mit rund 0,7 Tonnen CO2 zu Buche, wenn man eine Zwischenlandung annimmt.

"Das sind Näherungswerte"

Der einfacher gestrickte CO2-Rechner von Greenpeace Berlin lässt Fleischesser, die beim Einkaufen weder auf saisonale Produkte noch auf deren Herkunft achten, sogar noch schlechter aussehen: Angeblich 3,0 Tonnen soll dieser Ernährungsstil zur Folge haben. Bei Vegetariern, die nur im Bioladen einkaufen, sind es angeblich nur 0,3 Tonnen. Wer drei bis vier Mal pro Woche Fleisch und Wurst ist, aber vorwiegend heimische Produkte, kommt laut Greenpeace auf 1,2 Tonnen.

Die Unterschiede von CO2-Rechner zu CO2-Rechner überraschen kaum - schließlich arbeiten sie vor allem im Bereich Ernährung und Lebensstil mit Schätzungen. "Das sind Näherungswerte", gibt Thomas Henschel zu, Pressesprecher des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Es gehe darum, dass der CO2-Rechner möglichst einfach ist - zehn Minuten für 20 Fragen. "Das Ganze ist ein Kompromiss aus Anwenderfreundlichkeit und einem möglichst genauen Ergebnis."

"Wir wollen zeigen: Wo kommt man hin, wenn man etwas ändert? Was sind die Stellschrauben?", sagt Henschel im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir wollen niemanden energetisch gesehen in die Steinzeit zurückkatapultieren." Einer der wichtigsten Faktoren sei die Sanierung von Altbauten, damit ließen sich mitunter zwei Tonnen pro Jahr einsparen. Aber auch eine andere Ernährung zeigt Wirkung: "Man kann jährlich 0,5 Tonnen einsparen, ohne dass man zum Vegetarismus gezwungen wird."

Bei der Berechung des CO2-Ausstoßes von Flügen und Autos spucken die Rechner übrigens nahezu identische Ergebnisse aus. Auch der Anbieter Atmosfair, der eine Art CO2-Ablasshandel betreibt und die Gelder in Projekte zur CO2-Vermeidung steckt, nutzt ähnliche Kalkulationsgrundlagen. Die Feinheit, dass mehr Zwischenlandungen mehr Flugzeugstarts zur Folge haben und damit auch mehr Kohlendioxid, berücksichtigen jedoch nicht alle Rechner. Ein gutes Gefühl für den eigenen CO2-Fußabdruck vermitteln sie jedoch allemal.

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