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Interview zum warmen Winter: "Verrückt, Vögel beginnen schon mit Balzgesängen!"

Dieser Winter ist ungewöhnlich warm - Felix Grützmacher vom Naturschutzbund Deutschland erläutert die Folgen des Wetters: Krokusse blühen, Vögel starten Balzgesänge - droht nun im Sommer eine Insektenplage?

Kohlmeise: "Die kommen schon ein bisschen durcheinander" Zur Großansicht
DPA

Kohlmeise: "Die kommen schon ein bisschen durcheinander"

Frage: Wie wirken sich die milden Temperaturen der vergangenen Wochen auf Tiere und Pflanzen aus?

Grützmacher: Die Tiere haben natürlich weniger Kältestress. Sie verbrauchen nicht so viel Energie, um die Körpertemperatur zu halten. Sie verbrennen weniger Fett und müssen nicht so viel Energie in die Nahrungssuche stecken. Besonders viele Vögel, wie der Eisvogel oder die Schleiereule, haben in sehr kalten Wintern Probleme, durch die Schnee- und Eisdecke ausreichend Beute zu fangen.

Frage: Man hört ja schon viele Vogelgesänge...

Grützmacher: Ganz verrückt ist, dass manche Vögel, wie die Kohlmeise und der Kleiber, schon mit ihren Balzgesängen begonnen haben. Die kommen schon ein bisschen durcheinander durch das warme Wetter. In einem normalen Winter würden sie nie auf den Gedanken kommen, im Dezember mit der Balz zu beginnen - da steht die Nahrungssuche ganz oben auf ihrer To-do-Liste.

Frage: Wie sieht es mit den Pflanzen aus?

Grützmacher: Bei den Pflanzen ist es ähnlich. An manchen Orten sprießen schon die ersten Krokusse, wenn es jetzt so weitergeht, kommen bald die ersten Schneeglöckchen. Das ist aber nicht so ungewöhnlich, das hatten wir schon in anderen Wintern warme Phasen. Nur wenn es dann noch mal richtig friert, wird das zum Problem."

Frage: Wird es im Frühjahr oder Sommer wegen des warmen Winters eine Insekten-Plage geben?

Grützmacher: Das ist oft eine Fehleinschätzung. Die meisten Insekten, wie Mücken, sind an sehr kalte Winter angepasst. Klar, Schwächere erfrieren sonst eher, aber da wird das warme Wetter keinen so großen Unterschied machen. Für die Insekten ist es eher schwierig, wenn es starke Temperaturschwankungen gibt.

Frage: Schadet die Wärme manchen Tieren?

Grützmacher: Eigentlich nicht. Manche Tiere wachen zwar mal aus dem Winterschlaf auf, das passiert aber auch in kälteren Wintern. Zum Beispiel Fledermäuse sind kurzzeitig mal wach und man sieht sie auch in wärmeren Phasen in normalen Wintern mal fliegen. Dann schlafen sie aber wieder ein. Dadurch, dass mehr Vögel, die das ganze Jahr in ihrem Gebiet bleiben, wie Kohlmeise und Sperling, überleben, sind im Frühjahr vielleicht weniger Brutplätze für die Zugvögel übrig. Aber das dürfte kein besonders großes Problem sein.

Interview: Sophia Weimer, dpa

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1.
mephisto1997 03.01.2012
sehr erfrischend, mal eine aussage zu einem in D ewig katastrophenbesetzten thema zu lesen, die nicht sensationslüstern den untergang des abendlandes voraussagt, sondern realistisch darstellt, dass die natur mit unterschiedlich ausfallenden jahreszeiten im großen und ganzen gut zurecht kommt.
2.
boeseHelene 03.01.2012
mein Pferd ist gerade dabei sein Winterfell zu verlieren ähnliches konnte ich auch bei seinen Kumpels beobachten. Ich hoffe nur der Winter kommt dann nicht wenn eigentlich der Frühling beginnt.
3. hab mich auch schon gewundert
Nonvaio01 03.01.2012
Zitat von sysopDieser Winter ist ungewöhnlich warm - Felix Grützmacher vom Naturschutzbund Deutschland erläutert die Folgen das ungewöhnlichen Wetters: Krokusse blühen, Vögel*starten Balzgesänge - droht nun im Sommer eine Insektenplage? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,806892,00.html
das ich morgens Vogel gesang gehoert habe. Aber ich denke auch die Natur ist da besser bestueckt als der Mensch um auf eher untypische verhaeltnisse zu reagieren.
4. kkkk
schon,aber 03.01.2012
Zitat von mephisto1997sehr erfrischend, mal eine aussage zu einem in D ewig katastrophenbesetzten thema zu lesen, die nicht sensationslüstern den untergang des abendlandes voraussagt, sondern realistisch darstellt, dass die natur mit unterschiedlich ausfallenden jahreszeiten im großen und ganzen gut zurecht kommt.
Ja, sehr angenehm, dieser Nabu-Mann. Ich sah wiederholt im November schon Amselmännchen im Garten raufen. Aber das ist alles kein Wunder, wenn man sich den NAO-Index anschaut, der diesen Herbst EXTREM positiv war (und immer noch ist). Wahrscheinlich geht es noch eine Weile so mild weiter (mir tut Gazprom jetzt schon leid). North Atlantic Oscillation (NAO) - Thomas Säverts Naturgewalten (http://www.naturgewalten.de/nao.htm) (siehe Abb. Daily NAO-Index) Man kann sich über die Seite noch viel an Zusatz-Info zur NAO holen.
5. Interview zum warmen Winter: "Verrückt, Vögel beginnen schon mit Balzgesängen!"
Löber 03.01.2012
Zitat von mephisto1997sehr erfrischend, mal eine aussage zu einem in D ewig katastrophenbesetzten thema zu lesen, die nicht sensationslüstern den untergang des abendlandes voraussagt, sondern realistisch darstellt, dass die natur mit unterschiedlich ausfallenden jahreszeiten im großen und ganzen gut zurecht kommt.
Doch noch eine kritische Anmerkung zu dem Thema. Nun fangen schon vielerorts die Blumen mit dem blühen an. Es dauert dann nicht mehr allzu lang bis die Obstbäume nach ziehen. Was dann allerdings fehlen wird sind die bestäubungs Insekten! Obstbäume blühen auch bei 8-9°C, Die Biene z.B. fliegt aber erst bei 11-12°C! Das sind nun einmal die Fakten.
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