Invasive Ameisen Wie David gegen Goliath gewinnt

Im Süden der USA kämpfen zwei eingewanderte Ameisenarten um Lebensraum. Die "verrückten Ameisen" setzen sich dabei erstaunlich oft durch, obwohl sie kleiner sind als ihre giftigen Widersacher. Forscher haben nun herausgefunden, mit welchem Trick sie sich schützen.

Lawrence Gilbert

Der Vormarsch der "verrückten Ameisen" (Nylanderia fulva) im Süden der USA stellt selbst die wehrhaften Roten Feuerameisen vor Probleme. Denn die Neuankömmlinge, die seit einigen Jahren an der Golfküste vordringen, schützen sich mit einem ausgeklügelten Trick: Sie machen das Gift der Feuerameisen einfach unschädlich, indem sie sich mit Ameisensäure einreiben.

Über diese Verteidigungsstrategie berichten US-Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Science". Ihren Ursprung könnte die Entgiftung in Südamerika gehabt haben, vermuten die Biologen um Edward LeBrun von der University of Texas in Austin. Dort teilen sich die beiden Ameisenarten schon seit jeher einen Lebensraum.

Die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta) wanderte bereits in den dreißiger Jahren in den Süden der USA ein und dominierte lange die heimischen Arten. Seit Beginn dieses Jahrhunderts folgt ihr Nylanderia fulva, die im Englischen auch "crazy ant", also "verrückte Ameise" genannt wird. Von Florida und Texas aus dringt sie ebenfalls in den Staaten der Golfküste vor.

Dort entwickelt sich die "verrückte Ameise" zur ernstzunehmenden Konkurrenz, obwohl sie deutlich kleiner ist als die Feuerameise. Die aus Südamerika eingeschleppten Eindringlinge machen den alteingesessenen Ameisenarten nicht nur das Futter streitig, sondern erobern mitunter auch ihre Nester. Andere Ameisenarten meiden allerdings die Kolonien der Feuerameisen, weil diese sich mit einem potentiell tödlichen Gift wehren.

Schützendes Putzmanöver

Die Forscher um Edward LeBrun untersuchten nun die Ursache der Wehrhaftigkeit der "verrückten Ameisen". Sie hatten zunächst beobachtet, dass diese sich nach einer Giftattacke mit einer Substanz aus ihrer eigenen Giftdrüse einschmieren. Sie stellen sich auf Hinter- und Mittelbeine und bringen die Drüse an der Spitze des Hinterleibs in Kontakt mit ihren Mundwerkzeugen. Dann streifen sie ihre Vorderbeine an den Mundwerkzeugen ab und putzen sich intensiv.

Um herauszufinden, ob das Putzmanöver die Ameisen schützt, verschlossen die Wissenschaftler bei einigen Exemplaren von Nylanderia fulva die Drüse. Dann ließen sie einzelne Tiere gegen zwei Feuerameisen antreten. Hatten die - wesentlich größeren - Feuerameisen ihr Gift verspritzt, entfernten die Forscher sie aus dem Ring und notierten, wie viele verrückte Ameisen den Angriff überlebten. Das waren weniger als die Hälfte. Mit funktionierender Drüse überlebten 98 Prozent der Tiere den Angriff der Feuerameisen. Die Entgiftung funktioniere außerordentlich gut, folgern die Wissenschaftler.

In weiteren Experimenten zeigten sie, dass es sich bei dem schützenden Sekret um Ameisensäure handelt. Wie diese das Gift der Feuerameisen neutralisiert, sei unklar. Womöglich zerstöre sie Proteine, die das Gift sonst durch die Zellwände der Gegner schleusten.

Feststeht, dass die "verrückten Ameisen" ihre Abwehrstrategie viel häufiger bei Feuerameisen einsetzen als bei anderen Ameisenarten. Vermutlich hätten sie den Schutz bereits im ehemaligen gemeinsamen Lebensraum in Nordargentinien, Paraguay und Südbrasilien entwickelt.

Quiz zu Naturrekorden

che/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cepnik1 14.02.2014
1. das
musste ja mal geschrieben werden.....
redbayer 14.02.2014
2. Warum soll es bei den Ameisen
anders sein, als bei den Menschen. Die Europäer zum Beispiel sind ja auch in mehrere Kontinente eingedrungen und haben die dort lebenden Menschen massakriert. Deswegen sind sie heute die Sieger und Urmutter der "Weltkultur".
Extremophile 14.02.2014
3. wir machen das auch.
wenn die Kinder an Brennnesseln gekommen sind oder sich einen Bienenstich gefangen haben, helfen Essig oder frischer Zitronensaft. Zerstört die aus Eiweißen bestehenden Gifte.
cepnik1 14.02.2014
4. '' Extremophile ''
entschuldigen Sie, wenn ich einen Bienenstich habe, dann bestelle ich mir einen kaffe aber doch keinen Essig, und auch keinen Zitronensaft, da schmeckt Sahne viel besser dazu....., und ausserdem fängt man sich keinen Bienenstich, sondern kauft diesen beim Bäcker um die Ecke
wauz, 14.02.2014
5. Nach der Ameise
kommt die Bemeise! (Satire darf Alles!) {Außer Tiernahrung}
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.