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Riesenschnecken: USA machen Jagd auf schleimige Eindringlinge

Afrikanische Riesenschnecke: Großer Appetit Zur Großansicht
REUTERS/ Florida Department of Agriculture Division of Plant Industry

Afrikanische Riesenschnecke: Großer Appetit

US-Behörden verfolgen einen gefährlichen Eindringling: die afrikanische Riesenschnecke. Gerade haben die Beamten 1200 Tiere eingesammelt, bevor diese weiter Mülleimer, Feldfrüchte und Hauswände anfressen.

Hamburg - Manche Menschen mögen sie als Haustier, Kosmetikfirmen als Rohstoff und manchen gilt sie als Delikatesse. Doch der Import der afrikanischen Riesenschnecke ist in den USA verboten. Trotzdem verbreitet sie sich dort gerade wieder rasant. US-Behörden blasen zum Gegenangriff auf die schleimigen Tiere. Sie haben gerade 1200 der Tiere konfisziert.

Die afrikanische Riesenschnecke ist nicht nur ein Pflanzen-Schädling. Kommen Menschen mit den Schnecken in Kontakt, können die Tiere über ihre Schleimhaut Erreger einer Hirnhautentzündung übertragen. Dazu kommt, dass sie nahezu alles fressen: Stuck und Farbe von Häuserwänden, das Plastik von Mülleimern und mindestens 500 Pflanzensorten. Ausgewachsene Exemplare erreichen die Größe einer menschlichen Faust: 20 Zentimeter in der Länge und 13 Zentimeter im Durchmesser.

Jährlichen Nachwuchs einer Schnecke eingefangen

Aktuell treiben die schleimigen Tiere in mehreren Bundesstaaten Amerikas ihr Unwesen. Florida, im Südosten der Vereinigten Staaten, kämpft bereits seit drei Jahren gegen die Plage. Auf Long Island in New York und in Georgia fanden die Mitarbeiter der Landwirtschaftsbehörde jetzt weitere Exemplare.

Der Kampf gegen die Schnecken ist enorm aufwendig: Zwar haben die Behörden mithilfe von Hinweisen aus der Bevölkerung und sozialen Medien jetzt 1200 Exemplare eingesammelt. Doch das entspricht genau der Zahl an Eiern, die jede einzelne Riesenschnecke jedes Jahr legt.

Tiefgefroren statt lebendig

Die Spur führt zurück zu einem Mann in Georgia. Er hatte 1200 Tiere illegal importiert und 200 Stück nach New York verkauft. Der Verkauf lebender Exemplare ist in den USA, wie in einigen europäischen Staaten, verboten. Lediglich tiefgefroren dürfen die Schnecken dort eingeführt werden.

Laut Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministerium ist der Import lebender Riesenschnecken nach Deutschland nicht verboten. Wer möchte, kann die Schnecken als Haustier halten. In freier Wildbahn würden sie wohl nicht überleben, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. "Bisher gab es in Deutschland noch keinen Wildfund."

Mitbringsel aus dem Urlaub

Ganz anders in den USA. Bereits 1966 schleppte ein Junge aus dem Hawaii-Urlaub drei Riesenschnecken nach Florida ein. Seine Großmutter ließ sie im Garten frei. Aus einer Schneckenfamilie wurde eine Plage. Laut der US-Landwirtschaftsbehörde dauerte es zehn Jahre und kostete eine Million US-Dollar, die Tiere auszurotten. 2011 waren sie jedoch erneut in Florida aufgetaucht.

Eine Riesenschnecke lebt bis zu neun Jahre. Die Behörden Floridas haben sich zum Ziel gesetzt, die gigantischen Schnecken möglichst vollständig auszurotten. Um die Tiere zu töten, kommen vergiftete Köder zum Einsatz.

Invasive Arten sind nicht nur in Florida ein Problem. Seit Jahren bereits kämpft Australien gegen die Aga-Kröten. Ursprünglich importiert, um Ungeziefer auf Zuckerrohrplantagen zu beseitigen, haben sich die bis zu zwei Kilogramm schweren Kröten zu einer Bedrohung für heimische Pflanzen und Tiere entwickelt. Die Australier versuchen, die riesigen Amphibien mit allen Mitteln zurückzudrängen. Als effektiv könnten sich simple Zäune erweisen - sofern sie an der richtigen Stelle stehen.

tst

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Diese Schnecken,
meergans 02.09.2014
in gekochtem Zustand so groß wie eine Kinderfaust, sind wirklich lecker. Im Nigerdelta, bei schwarzen Freunden eingeladen, habe ich die kennen gelernt. Mit fein gewürzter Tomatensoße und Fufu, ergeben die ein echt feines und bekömmliches Essen. Unterwegs in der Welt, habe ich mich immer an die Regel gehalten: Wenn die Leute gesund und munter waren, dann habe ich immer dasselbe gegessen wie sie und wäre es noch so exotisch gewesen. Ich wurde praktisch nie enttäuscht.
2. Riesenschnecken, die in Amerika die
crewmitglied27 02.09.2014
Weltherrschaft übernehmen. Was für ein Gedanke.
3. Unsre Schnecken
wonder-wu 02.09.2014
Schnecken-Farmen sind auf der SchwAlb wieder schwer in Mode. Ich hab auch mal schon welche selbst gesammelt und zubereitet. War überrascht, wie fett der Albschneck in der Suppe und gebacken schmeckt. Schmeckt auf jeden Fall kein bischen wie (mageres) Kalbfleisch! Warum kann man eigentlich nicht alle Schneckenarten essen? An Nacktschnecken könnte man sich doch zu Tode futtern?!
4. Faust?
widower+2 02.09.2014
Wer hat denn bitte schön eine 20 cm lange und im Durchmesser 13 cm mesende Faust? Für eine Männerhand kommt das ja ganz gut hin. Aber eine solche Faust kann ich mir nicht vorstellen.
5. Ach was...
patrick6 02.09.2014
"Die Australier versuchen, die riesigen Amphibien mit allen Mitteln zurückzudrängen." Amphibien. Klar. In Bio nicht aufgepasst? Das sind Mollusken. Aber keine Amphibien. Abgesehen davon könnten die Amis mir ein paar Kilo schicken. Kräuterbutter hätte ich gerade da.
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