Japan Forscher bohren Rekord-Loch in den Meeresboden

Es ist ein Weltrekord der Wissenschaft: Vor Japan haben Forscher 2300 Meter in den Ozeanboden gebohrt - so tief wie nie zuvor. Nur Ölkonzerne dringen noch weiter ins Erdinnere.

JAMSTEC / IODP

Tokio - Die "Chikyu" ist ein weißer Riese im Dienst der Wissenschaft. Der Name bedeutet so viel wie Erde - und deren Geheimnisse wollen Forscher des Integrated Ocean Drilling Program (IODP) mit Hilfe des Bohrschiffs enträtseln. Im Meer vor der japanischen Shimokita-Halbinsel hat die "Chikyu" dabei, so verkündet das Projekt nun, eine Rekordbohrung im Namen der Forschung gemeistert.

Es ist eine Erfolgsmeldung, die man allerdings etwas näher unter die Lupe nehmen muss. In einer Pressemitteilung berichtet das IODP davon, dass der Bohrer des Schiffs auf der Expedition 337 eine Tiefe von mehr als 2111 Meter unterhalb des Meeresbodens erreicht habe. Der neue Rekord findet sich versteckt auf der Internetseite: 2300 Meter drang der Bohrer in den Grund.

Damit sei man tiefer in den Grund eingedrungen als jemals zuvor bei einer wissenschaftlichen Bohrung. Der bisherige Rekord mit dieser Tiefe war am Costa Rica Rift aufgestellt worden. Ölkonzerne bohren allerdings zum Beispiel im Golf von Mexiko oder vor Brasilien in deutlich größeren Tiefen.

"Wir haben gerade ein Fenster in eine neue Ära der wissenschaftlichen Bohrungen geöffnet", jubelt trotzdem Fumio Inagaki, Co-Chef der IODP-Expedition 337, in der Pressemitteilung. Die neue Bestmarke sei außerdem "nur der Anfang" für die "Chikyu". Das Schiff habe ein riesiges Potential, um in bisher unerreichte Tiefen vorzudringen, "die Menschen noch nie zuvor untersucht haben".

Neben der genau erreichten Tiefe bleibt die IODP-Pressemitteilung auch die genaue Wassertiefe schuldig, bei der die Rekordbohrung vor Japan abgeteuft wurde. Auf Nachfrage stellt sich heraus: Der Bohrrekord kam in vergleichsweise flachen 1180 Metern Wassertiefe zustande.

Und nebenbei klärt sich dabei auch, warum das Projekt keine genaue Tiefenangabe für die Rekordbohrung geliefert hat: Bisher sind 2300 Meter erreicht, doch die Arbeiten laufen weiter. Im April dieses Jahres hatte die "Chikyu" einen Rekord von einer Gesamtbohrtiefe von 7740 Meter unter dem Meeresspiegel aufgestellt. Die vorherige Bestmarke hatte das US-Schiff "Glomar Challenger" im Jahr 1978 aufgestellt. Damals waren im Marianengraben 7049 Meter erreicht worden.

Deutschland zahlt pro Jahr 5,6 Millionen Euro für die Mitgliedschaft in einem europäischen Konsortium, das am IODP beteiligt ist. Dafür dürfen jeweils eine handvoll Wissenschaftler auf den Bohrmissionen mitfahren. Außerdem stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft jedes Jahr zwei Millionen Euro für die Auswertung der gesammelten Daten zur Verfügung.

Den Forschern kommt die aktuelle Erfolgsmeldung nur recht: Das IODP steht vor großen Umstrukturierungen. Die USA haben angekündigt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Das US-Bohrschiff "Joides Resolution" wird dann nur noch im Auftrag von US-Projekten zum Einsatz kommen. Die Hauptlast entfällt damit auf die nun so viel gepriesene "Chikyu".

chs



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Andreas81 07.09.2012
1. Rekord? Wissenschaftlicher Rekord? Kola?
Was ist mit der Kola Bohrung, bei der für wissenschaftliche Zwecke eine Tiefe von über 12.000 Metern erreicht wurde?
hypnotoad86 07.09.2012
2.
Zitat von Andreas81Was ist mit der Kola Bohrung, bei der für wissenschaftliche Zwecke eine Tiefe von über 12.000 Metern erreicht wurde?
das war an Land. Bohren auf See ist viel viel aufwendiger. Deswegen sieht das nach "wenig" aus ;)
spiegel_135 07.09.2012
3. Sommerloch
Zitat von sysopJAMSTEC / IODPEs ist ein Weltrekord der Wissenschaft: Vor Japan haben Forscher 2300 Meter in den Ozeanboden gebohrt - so tief wie nie zuvor. Nur Ölkonzerne dringen noch weiter ins Erdinnere. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,854532,00.html
Aha, ein Rekord der Amateure. Und Profis kommen tiefer. Aha ....
Schalke 07.09.2012
4.
2.300 *Kilo*meter wäre mal eine Nachricht wert. ;-)
noch2minuten 07.09.2012
5.
da unten gibts doch aber gar keine wale.
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