IPCC-Bericht zu Öko-Energien: Forscher streiten über Mitarbeit von Greenpeace-Experten

An einem aktuellen Bericht des Weltklimarats zu erneuerbaren Energien hat ein Greenpeace-Experte mitgearbeitet. Kritiker empörten sich und witterten einen Interessenkonflikt. Nun wird der Streit in einem Fachmagazin weiter ausgefochten.

Windkrafträder bei Freiburg: Streit um IPCC-Report zu erneuerbaren Energien Zur Großansicht
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Windkrafträder bei Freiburg: Streit um IPCC-Report zu erneuerbaren Energien

Hamburg - Kann ein führendes Greenpeace-Mitglied zugleich einer der Hauptautoren beim Weltklimarat IPCC sein? Nein, meint der britische Autor Mark Lynas im Fachjournal "Nature Climate Change". Ein Arbeitsgruppenleiter des Weltklimarats, Ottmar Edenhofer, verteidigt dagegen die Beteiligung von Greenpeace beim jüngsten IPCC-Report über Erneuerbare Energien (SRREN) in einem Artikel im Fachjournal. Unterschiedliche Blickwinkel aus Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie und Umweltorganisationen sicherten erst ausgewogene IPCC-Berichte.

Der Energiereport des Weltklimarats besagt unter anderem, dass 2050 bis zu 77 Prozent der weltweiten Energie aus erneuerbaren Quellen kommen könnte. Gerade diese Aussage des Reports, gehe auf Greenpeace zurück, schreibt Lynas, der den Vorgang bereits in seinem Blog stark kritisiert hatte.

Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International, ist einer der Hauptautoren von Kapitel 10 des Reports. In dieser Funktion habe Teske neben anderen Studien auch ein Greenpeace-eigenes Szenario bewertet, kritisiert Lynas. Einem Greenpeace-Mitarbeiter eine so herausragende Rolle zu geben, vermittele den Anschein, "dass er möglicherweise einen ungerechtfertigten Einfluss auf den Inhalt des Reports hatte".

Lynas kritisiert nicht das Szenario an sich

Dadurch, dass die IPCC-Presseabteilung Teskes Szenario als ein Hauptergebnis des Reports besonders herausgestellt habe, sei die These, "fast 80 Prozent der Energie kann bis 2050 aus alternativen Quellen stammen", zudem als Schlagzeile in der ganzen Welt gelandet.

Dabei kritisiert Lynas ausdrücklich nicht das Szenario an sich. Es sei zwar optimistisch, aber nicht unrealistisch. Da aber zwischen der Veröffentlichung der Kurzfassung für Politiker samt Pressemitteilung am 9. Mai und der des Originalberichts am 14. Juni mehr als ein Monat gelegen habe, sei Greenpeace als Quelle des optimistischen Szenarios erst spät erkennbar gewesen. Das habe der Glaubwürdigkeit des IPCC geschadet.

Die Vorwürfe gegen den Report seien unbegründet, erwidert Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Bericht sei ausgewogen und hebe kein Szenario hervor. "Es ist die Pressemitteilung, die Missverständnisse provoziert hat, nicht die Zusammenfassung für Politiker oder der zugrundeliegende Report." Und selbst die Pressemitteilung erwähne mehrere Szenarien.

Lynas plädiert dafür, führende Mitglieder von Umweltorganisationen nicht als IPCC-Autoren zuzulassen. So verfahre bereits eine andere IPCC-Arbeitsgruppe, nicht aber die nun betroffene Arbeitsgruppe III. Zudem sollten die Pressemitteilung, die Zusammenfassung für Politiker und der volle Report in Zukunft zugleich veröffentlicht werden, damit sämtliche Autoren gleich erkennbar seien.

Nach Ansicht Edenhofers sollten IPCC-Berichte dagegen weiterhin von einem breiten Spektrum von Autoren verfasst werden. Das Szenario, das Greenpeace verwendet habe, stamme ohnehin maßgeblich vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es sei auch üblich, dass Hauptautoren unter anderem ihre eigenen Arbeiten bewerten. Sie seien Experten auf ihrem Gebiet und hätten daher auch viel dazu veröffentlicht. Aufgrund der IPCC-Strukturen könne dabei kein Einzelner dominieren, so geschehe die Bewertung von Studien in Teamarbeit.

"Der SRREN ist ausgewogen, unparteiisch und basiert auf handfester Wissenschaft", schließt Edenhofer. Dennoch sei auch die IPCC-Arbeitsgruppe III gerade dabei, vorsorglich spezielle Richtlinien gegen Interessenkonflikte einzuführen.

wbr/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Super...
hasenfuss27 18.07.2011
---Zitat--- Einem Greenpeace-Mitarbeiter eine so herausragenden Rolle zu geben, vermittele den Anschein, "dass er möglicherweise einen ungerechtfertigten Einfluss auf den Inhalt des Reports hatte". ---Zitatende--- Alternativ ginge dann auch: ---Zitat--- Einem Politiker eine so herausragenden Rolle zu geben, vermittele den Anschein, "dass er möglicherweise einen ungerechtfertigten Einfluss auf den Inhalt des Reports hatte". ---Zitatende--- oder aber: ---Zitat--- Einem Wissenschaftler eine so herausragenden Rolle zu geben, vermittele den Anschein, "dass er möglicherweise einen ungerechtfertigten Einfluss auf den Inhalt des Reports hatte". ---Zitatende--- oder wie wäre es mit: ---Zitat--- Einem aus der Industrie stammenden Sachverständigen eine so herausragenden Rolle zu geben, vermittele den Anschein, "dass er möglicherweise einen ungerechtfertigten Einfluss auf den Inhalt des Reports hatte". ---Zitatende--- Das darf also keiner machen, ja? Albern! Selbst bei Greenpeace gibts vernünftige Leute mit Sachverstand - danch muss sojemand ausgesucht werden, nicht nach der Mitgliedschaft in irgend einem Verein...
2. Wenn
anin, 18.07.2011
Zitat von sysopAn einem aktuellen Bericht des Weltklimarats zu erneuerbaren Energien hat ein Greenpeace-Experte mitgearbeitet. Kritiker empörten sich und witterten einen Interessenkonflikt. Nun wird der Streit in einem Fachmagazin weiter ausgefochten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,775024,00.html
der angesprochene Greenpeace Mitarbeiter über eine einschlägige wissenschaftliche Reputation verfügt ( Studium, Promotion Veröffentlichungen etc.) , dann sollte die Mitarbeit doch außer Frage stehen. Andere Institutionen machen es doch ähnlich.
3. Man muss es dreimal lesen.
mbschmid, 18.07.2011
Man muss es dreimal lesen und glaubt es immer noch nicht. Ich zitiere aus dem Artikel: ---Zitat--- Es sei auch üblich, dass Hauptautoren unter anderem ihre eigenen Arbeiten bewerten. ---Zitatende--- Was gibt es da noch zu sagen?
4.
everhard, 18.07.2011
Zitat von sysopAn einem aktuellen Bericht des Weltklimarats zu erneuerbaren Energien hat ein Greenpeace-Experte mitgearbeitet. Kritiker empörten sich und witterten einen Interessenkonflikt. Nun wird der Streit in einem Fachmagazin weiter ausgefochten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,775024,00.html
Der IPCC war schon vorher unglaubwürdig. Aber mittlerwiele ist das eine einzige Soße zusammen mit den verblendeten Greenpeacejüngern und den Hohepriestern des PIK. Furchtbar, daß unsere Politiker auf diese Scharlatane hören.
5. Wenn ein Angehöriger des ...
mborevi 18.07.2011
... Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilnemen kann, ein Institut dessen Existenz von der Fortdauer des Klimaproblems abhängt, teilnehmen kann, warum dann nicht ein ebenso nicht-neutraler von Greenpeace?
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