Landhebung Es geht aufwärts mit Island

Das Schwinden der Gletscher zeitigt in Island ungewöhnliche Folgen: Von der Last befreit, hebt sich das Land rapide. Vulkane scheinen zu erwachen.

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UA Dep. of Geosciences/ Kathleen Compton

Hamburg - Das Meer zieht sich zurück im Südwesten Islands. Land dürfte bald trocken fallen, mancher Bootsanleger würde fernab des Ozeans liegen. Hinter dem Wandel steckt eine erstaunliche Entwicklung: Island hebt sich.

Ursache sei das Schwinden der Gletscher, berichten Forscher um Kathleen Compton von der University of Arizona in Tucson, USA, im Fachmagazin "Geophysical Research Letters". Von der Last der Eiszungen befreit, federe das Land hoch - um bis zu drei Zentimeter pro Jahr.

Dass es tatsächlich die Eisschmelze ist, die Island aufsteigen lässt, schließen die Gelehrten aus einem simplen Zusammenhang: Die Hebung falle umso stärker aus, je näher ein Ort an Gletschern liege.

Neue Wege für Magma?

Navigationssignale von GPS-Satelliten brachten Forscher auf die Spur: Die Funkwellen der Satelliten kontaktieren stetig 62 GPS-Sensoren in Island, sie geben Aufschluss über Veränderungen der Landschaft: Je kürzer die Signale unterwegs sind, desto geringer der Abstand zwischen Satellit und Sensor.

Seit Beginn der Messungen vor 20 Jahren sind die Funkwellen immer kürzer unterwegs. Weil die Satelliten eine festgelegte Umlaufbahn fliegen, bleibt nur ein Schluss: Island hebt sich, jedenfalls der Süden und die Mitte des Landes.

Die Forscher wagen eine dramatische Prognose: Die Vulkane Islands könnten häufiger ausbrechen, meint Richard Bennett von der University of Arizona, Mitautor der Studie. Die schwindende Last der Gletscher öffne dem Magma neue Wege an die Oberfläche. Das Risiko hatten bereits frühere Studien diagnostiziert.

Wippe in Deutschland

Ihre Studie sei die erste, die eine Landhebung aufgrund aktueller Gletscherschmelze ermittelt habe, sagt Bennett. Bekannt ist hingegen, dass sich andere Regionen seit der letzten Eiszeit heben. Vom Eise befreit hebt sich etwa der Boden Nordamerikas wie eine Waage, von der Gewicht genommen wurde.

Auch Teile Skandinaviens federn noch heute, 11.000 Jahre nach dem Ende der Eiszeit, um wenige Millimeter pro Jahr nach oben. Wie auf der gegenüberliegenden Seite einer Wippe senken sich hingegen Teile Norddeutschlands. Die Folge: Der Meeresspiegel steigt dort um einen Millimeter pro Jahr zusätzlich zu dem Anstieg, der durch die thermische Ausdehnung des Meerwassers und das Abschmelzen der Gletscher verursacht wird.

Auch GPS-Daten aus der Westantarktis zeigen: Das Land hebt sich rapide, unserem Planeten wächst dort sogar eine Beule, sie verändert die Erddrehung und macht die Tage länger. Ursache scheinen unterirdische Hitzewallungen.

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
ratibor44 14.02.2015
1.
Dass Land sich hebt wenn Gletscher verschwinden ist schon lange bekannt. Ich glaube Norwegen hebt sich immernoch.
lef 14.02.2015
2. Die Erde hebt und senkt sich ständig,
Am Mittelmeer sind z. B. viele Hafenstädte in wenigen Jahrhunderten auf- und untergegangen. Da sieht man es vielfach und deutlich. Insofern also wenig Neues. Aber diese Meldung wird natürlich gern von Klimakatastrophikern gehört und als "menschenverursacht" gedeutet, davon leben inzwischen mächtige Industriebereiche (und verballern mit ihren "klimaschonenden" Maschinen und Gadgets -PV u.w. - auch noch den beschleunigt letzten Rest an Ressourcen). Nur weiter so!
lungu_t_m 14.02.2015
3. Gps
Und die Höhe der GPS Satelliten ist auf dem Millimeter seit 20 Jahren gleich geblieben?
aausmade 14.02.2015
4. ja....
die Sat. sind noch immer auf der Umlaufbahn. Es handelt sich um geostationäre Trabanten. Die genaue Positionierung im 2D/3D Raum sind anhand der Laufzeitunterschiede bis in den Submilimeterbereich möglich. An den Messverfahren gibt es nichts zu deuten. Ob das Heben Islands auch auf Plattentektonik beruht....oder nur Gletscherschmelze ausschlaggebend ist entzieht sich meiner Kenntnis.
dunnhaupt 14.02.2015
5. Dass wir auf beweglichen Schollen
... auf dem flüssigen Magma leben, ist schon seit Alfred Wegener bekannt. Amerika treibt jedes Jahr weiter weg von Europa und näher an Asien heran. Nicht nur geographisch, sondern neuerdings auch ökonomisch und politisch.
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