Narkosemittel für Kastration zugelassen Ferkel müssten nicht mehr leiden

Die bislang betäubungslose Ferkelkastration steht in der Kritik. Doch künftig sollen Landwirte ein neues Narkotikum verwenden dürfen.

Ferkel in einer Schweinezuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern (Archivaufnahme)
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Ferkel in einer Schweinezuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern (Archivaufnahme)


Für die umstrittene Kastration von Ferkeln sollen Bauern in Deutschland künftig ein Narkosemittel nutzen können. Dies teilte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) mit. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte dem Arzneimittel Isofluran Baxter zur Inhalationsnarkose für Hunde, Katzen, Pferde und Schweine am 19. November die Zulassung erteilt.

Erst Anfang November hatten sich die Spitzen der Großen Koalition in Berlin darauf geeinigt, die betäubungslose Kastration von Ferkeln weitere zwei Jahre zu erlauben. Ursprünglich war geplant, die schmerzhafte Praxis nach einer Übergangsphase von fünf Jahren zum 1. Januar 2019 endgültig zu verbieten.

Ein wichtiges Argument, mit dem Landwirte, Vertreter des Deutschen Bauerverbands und Teile der Politik erfolgreich für eine Verlängerung der Ausnahmeregeln geworben hatten, war das Fehlen einer marktgängigen und praktikablen Alternative zur betäubungslosen Kastration. Alternative Verfahren würden bislang von Handel und Verbrauchern nicht akzeptiert und erforderliche Tierarzneimittel seien noch nicht zugelassen. Letzteres ändert sich durch die Zulassung von Isofluran nun.

Klöckner kündigt zeitnahe Verordnung an

"Ich freue mich, dass eine weitere Entwicklung gelungen ist, um die deutschen Ferkelerzeuger im Sinne des Tierschutzes zu unterstützen und um im Wettbewerb mit Erzeugern in anderen Ländern bestehen zu können", sagte Klöckner. Nun stehe eine Option zur Verfügung, mit der man der Anforderung an eine schmerzfreie Kastration nachkommen könne, für die Anwendung werde Klöckner "zeitnah" eine Verordnung vorlegen.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 20 Millionen männliche Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt.

Übergangsfristen nicht genutzt

Kritiker bemängeln, die Landwirte hätten die mehrjährige Übergangszeit nicht ausreichend genutzt, um Alternativen zum betäubungslosen Abtrennen der Hoden auf den Weg zu bringen und sperrten sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen gegen Alternativverfahren, die bereits heute zur Verfügung stünden.

Dazu zähle etwa die sogenannte Immunokastration. Der Prozess ähnelt einer Impfung und soll den Ebergeruch zuverlässig verhindern. In anderen Ländern, wie etwa der Schweiz und Schweden, ist eine Narkose der Tiere schon heute vorgeschrieben, die Kosten belaufen sich auf etwa fünf Euro.

stu/dpa



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