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Isotopen-Datierung: Versteinerter Wald in Chemnitz ist 291 Millionen Jahre alt

Die Analyse eines Minerals brachte es ans Licht: Der versteinerte Wald von Chemnitz ist vor etwa 291 Millionen Jahren entstanden. Die fossilen Bäume gehen auf einen spektakulären Vulkanausbruch einer Ära zurück, in der sich das Gesicht der Erde massiv veränderte.

Berlin - Die Entdeckung war schon vor 300 Jahren eine Sensation. Unter der Erde von Chemnitz lagen versteinerte Baumstämme - und zwar so viele, dass man fortan nur noch vom versteinerten Wald sprach. Die ausgegrabenen Baumstämme wurden zunächst zum Sächsischen Hof nach Dresden transportiert, um sie zu Schmuck zu verarbeiten.

Im April 2008 starteten Forscher eine neue Ausgrabung im Chemnitzer Stadtteil Hilbersdorf. Die urzeitlichen Hölzer stammen aus dem Erdzeitalter des Perm. Anhand der darin identifizierten Fossilien wurde ihr Alter auf etwa 290 Millionen Jahre geschätzt.

Wissenschaftler aus Dresden und Chemnitz konnten den versteinerten Wald nun auf 291 Millionen Jahre datieren. Sie analysierten dabei Uran- und Blei-Isotope. Das Verfahren sei deutlich genauer als die Altersbestimmung mit Fossilien, teilte das Museum für Naturkunde Chemnitz mit. Der Fehler liege bei plus/minus drei Millionen Jahren.

Entstanden sind die ungewöhnlichen Fossilien durch einen Ausbruch des nahegelegenen Zeisigwald-Vulkans. Die Druckwelle der Eruption knickte die Bäume um wie Streichhölzer, sie wurden entwurzelt und entästet. Heißes vulkanisches Auswurfmaterial bedeckte das Holz, Kieselsäure sorgte anschließend für die Versteinerung. Derart eingebettet, können versteinerte Wälder über Millionen Jahre erhalten bleiben.

"Wir haben das Alter an dem Mineral Zirkon ermittelt, das in vulkanischen Aschen aus den Fundschichten des versteinerten Waldes häufig zu finden ist", erklärte Ulf Linnemann von den Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden. Allerdings seien die Mikrokristalle nur etwa ein viertel Millimeter groß. Mit einem Laser verdampften die Wissenschaftler Teile eines Kristalls und analysierten den Dampf dann mit einem Massenspektrometer. Dabei konnten sie die Menge der zur Altersbestimmung nötigen Uran- und Bleiisotope bestimmen.

In der Zeit des Perms veränderte sich die Erde rasant. Bei der Kollision des Kontinents Laurussia im Norden mit dem Südkontinent Gondwana bildete sich der Superkontinent Pangäa und es kam zu einem intensiven Vulkanismus, der das Gesicht der Erde neu gestaltete. Lebensräume wurden zerstört, neue entstanden. Durch Versteinerungen wie in Chemnitz sind faszinierende Momentaufnahmen der Evolution überliefert.

2009 hatten Wissenschaftler in Chemnitz die Überreste eines seltenen Ur-Sauriers entdeckt. Das Tier ähnelte heute lebenden Eidechsen. Mit Schwanz war das Tier etwa 30 Zentimeter lang. Die Forscher sind sicher, dass in Chemnitz noch weitere Entdeckungen auf sie warten: "Es sind längst nicht alle Geheimnisse um den versteinerten Walds von Chemnitz gelüftet", meinte Ronny Rößler vom Museum für Naturkunde.

hda

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Chemnitz: Saurier aus dem Versteinerten Wald


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